Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1870)
- Date
- 1870-01-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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ihn, der blos bei der Tempelgememde angestellt ist, gerne zum Gemeinderabbiner wählen wollen. So bedeutend aber auch die Talente und Fähigkeiten des Herrn Professor Kämpf auch sind, so groß ist seine Klugheit und Bescheidenheit, die ihn gewiß vor jeder Lockung bewahren, welche ihm eine Stelle zuweisen will, die doch nur ein Herr und Meister in der Halacha einnehmen kann und die doch bis vor kürzester Zeit in dem Gemeinde-Rabbiner Rabbi Samuel Freund so ausgezeichnet vertreten war. Die Repräsentanz wird auch kaum, nachdem sie schon beim Anbot des Rabbinates einige Körbe erhalten bat, sich der Gefahr aussetzen, bei Herrn Or. Kämpf sich ebenfalls einen zu holen, und ein solcher würde ihr gewiß zu Theil werden. Donaufürstenthümer. Bukarest, 3. Januar. Vor einigen Tagen hat wiederum die Juden -Affaire einen Sturm in der hiesigen Kammer erregt, die schließlich von der ministeriell n Majorität damit besänftigt wurde, daß man annahm, die Minister werden die gegen die Juden bestehenden Gesetze in ihrer ganzen Strenge handhaben, worauf zur Tagesordnung übergegangen wurde. In der dreitägigen Debatte wurde immer und immer wieder behauptet, daß die Juden ein „der Civilifation unzugängliches" Volk seien, daß sie kein Volk, sondern eine „Heerde Vagabunden" wären, daß sie das Brod Anderer äßen und die Hütten Anderer bewohnten, und andererseits wieder, daß sie die Industrie und den Handel der Rumänen durch ihr Talent „zu Grunde richten." Man citirt Serbien, Polen und Rußland als Länder, die ein „nachahmenswerthes" Beispiel zur Unterdrückung der Juden gäben, und zerbrach sich schließlich den Kopf, auf welche Weise sie noch zu unterdrücken seien, da sie doch weder politische noch bürgerliche Reckte besäßen. Ins Fabelhafte gingen dabei die Ziffern, die ihre Anzahl in Rumänien bestimmte; jeder vierte Mensch im Lande sei ein Jude, und wenn eS so fortginge, würde bald jeder zweite einer sein; man müsse daher, meinte ein weiser Deputirter, rings um die Landesgrenzen einen dichten Cordon ziehen, damit keiner mehr ins Land käme, und wenn das auch, wie der Minister meinte, die sämmtlichen Einkünfte des Landes beanspruchte. Ein Redner meinte, die Spenglerei sei ganz in Händen der Juden, und auch die Schneiderei, man müsse diese Handwerke nationalisiren. Ein Anderer begann mit Abraham, 'Isaak und Jakob und durchlief so die ganze jüdische Gejchichte, zu dem Schlüsse gelangend, daß die Christen die wahren Juden seien, diese aber nur Heiden wären und deßhalb auszurotten. Minister Cogolnitzcheano, in Höllenangst so oft sein Portefeuille ins Schwanken geräth, spielte die wunderlichste süß-saure Figur,' die man sich denken kann; sein Herz jubelte den Steiniger» zu, wäbrend sein -Verstand ihm eine gewiffe Würde vorschrieb. Und weßhalb dieser ganze Sturm? Der Fürst Karl soll einem Mitglkede der Alliance Jsraelite in Paris gesagt haben , die Juden seien berufen, den fehlenden Bürgerstand in Rumänien auszufüllen. Keinem Deputirten siel es jedoch ein, das unstreitbare Factum anzutasten, daß es keinen rumänischen Bürgerstand gebe, und daß der sogenannte rumänische Handel in Händen von Bulgaren, Griechen, Serben, Deutschen, Franzosen und Juden ausschließlich ruhe. Die Rumänen sind Bauern oder Gutsbesitzer, sie sind Beamte oder Müssiggänger; für Handel, Industrie und Gewerbtbä igkeit scheint ihnen förmlich der Sinn zu fehlen. Die rothe Partei, die demokratische, bat bteö; am l-clatantesten bewiesen, als sie, auf der Höbe ihrer Macht, einen Bürger suchendder die höchste Würde der Landeshauptstadt repräsentier: sollte, niemand Anderen zum Bürgermeister Bukarests zu machen wußte, als einen --- Serben, der keine zehn Worte correct Rumänisch sprach. Palästina. Noch unter dem ersten Eindrücke der Gottesgnade, daß es uns vergönnt war, soeben eine statutengemäße dreijährige Verkeilung vorzunehmen, ist eS uns dringendes Bedürfnis, Euch, edle Spender und Spenderinnen, an dieser hohen Freude Theil nehmen zu lassen. 23, sage drei und zwanzig Wohnungen sind diesmal an fromme Gelehrte, Wittwen und Waisen vergeben worden, wieder sechs mehr als vorigesmal, und so erweitert sich dieses echte Nationalwerk von Jahr zu Jahr nicht nur durch Wohnungen, sondern auch durch andere hochwichtige Realitäten, unter denen wir die zwei großen Cisternen hervorheben, deren zweite ebenfalls eine sehr große prachtvolle, wunderbar erhaltene, welche jüngst unter dem Schulte entdeckt wurde, besonders hervorheben. — Ja, wahrlich Euer Unternehmen steht unter dem besonderen Schutze des Allerhöchsten. Er 7i"2 hat erst jüngst das Herz eines hochsinnigen Bruders gelenkt, fünf lausend Thaler zur Aufführung eines großen Hauses zu spenden. Er hat das Herz Sr. Maj. des Kaisers von Oesterreich und Sr. k. Hoheit des Kronprinzen von Preußen geleitet, das Etablissement mit ihrem hohen Besuche zn beehren, durch huldvolle Aeußerungen zu beglücken und durch fürstliche Spenden zu fördern. — Edle Brüder und Schwestern! Wir danken Euch nächst Gott für daS Erreichte, bitten aber sehr dringe n d Tnyn bp.— Die dringende Veranlassung zu diesem Werke (Obdachlosigkeit und in Folge dessen schnöde MiffionSversuche) sind nicht im Abnehmen, sonder» im Zunehmen begriffen. Die Herzen der Bekenner