Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1870)
- Date
- 1870-01-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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60 1860*) ihren Ursprung verdankt, ist von der größten Tragweite und zeigt die Religionsfreiheit in ihrer ganzen Größe; denn es wäre doch wahrlich der größte Widerspruch in der Gesetzgebung, qus einem Vereine oder einer Genossenschaft austreten zu können und dennoch beitragspflichtig zu sein. Mögen nun die strenggläubigen Juden, sowohl des Großherzogthums Baden als anderer Lander sich an dieser Sache ein Bespiel nehmen, wie fester Wille zum Ziele führt, namentlich, wenn das Unternehmen geschieht: denn seit nahezu acht Jahren dauert der Kampf der Ortbodoxen mit den Reformern in Karlsruhe wegen des Synagogenbaues mit Orgel und Reformen; allein schon vor 30 Jahren wurde daselbst im Synagogenrathe wegen Neuerungen in der Synagoge gekämpft und durch die Standhaftigkeit der Orthodoxen mit göttlicher Hilfe gesiegt. Darum poNi pin und nicht geza t! Israel! das Du die Feu rprobe ganzer Jahrhunderte bestanden; dir ist erst in dem jüngsten Wochenabschnitte erzählt Word n, wie die Gläubigen auch unversehrt durch die Wogen des Zeitgeistes sich Bahn brechen. AeLtmngSnachrrchten und Correspow denzen. Deutschland. Frankfurt a. Mr Der Redaction der Fkf. Ztg. wird Folgendes geschrieben: „Sonntag den 9. Januar wohnte ich einem Vorträge des Herrn Prosissor Röder aus Heidelberg übe» die Trennung der Kirche vom Staate bei. Er bemerkte unter Anderem, daß dem Staate das Recht zukäme, darüber zu wachen, daß keine Religion der andern Aergerniß gebe, ferner daß keine Mißbräuche, welche Gesundheit oder Wohl der Menschen schädigen könnten, stattfänden, wie z. B. eö noch in diesem Jahrhunderte bei den Juden vorgekommen wäre, daß demjenigen der in den letzten Zügen lag, ein Kissen auf das G sicht gelegt wurde, worauf sich eine da u bestimmte Persönlichkeit (der sogenannte Fertigmacher) gesetzt und auf diese Weise den Sterbenden erstickt hätte, in dem Wahne ihn desto schneller in ein besseres Jenseits zu befördern. Wie Viele mögen in dieser Weise erstickt worden sein, welcher vielleicht noch 20 Jahre hätten leben können! Solche Religionsgebräuche dürfe der Staat nicht dulden, hier müsse er der Religion ein Halt zurufen und dies mit Recht. Nach dem Vortrage fragte ich den Herrn Pro¬ *) Reg.-Blatt Nr 375 §. 3 Die Bildung religiöser Vereine ist gestattet. Ihre Verfassung, ihr Bekenntniß darf den Staatsgesetzen und der Sittlichkeit nicht widersprechen. Es steht ihnen das Recht der freien gemeinsamen Gottesverehrung unter dem Schutze des Staates zu. fessor, woher er diese Information habe und erklärte ihm, daß ein solcher Mißbrauch nie stattgefunden hätte. Er nannte mir seinen Freund Profestor CheliuS, der ihm die Mittheilung gemacht, daß er seiner Z it zu dem Herrn Meyer Amschel v. Rothschild berufen worden, jedoch als er kam, wäre es zu spät gewesen, und man hätte ihm gesagt, daß ihn bereits der Fertigmacher in ein besseres Jenseits befördert hätte. Diese Mittheilnng beruht auf Mißverständniß oder Unwahrheit, da gerade bei den Juden von jeher ängstlich constatirt wurde, daß der letzte Leb nshauch entwichen sei und dieser Moment in keiner Weise beschleunigt werden durfte." Wir fügen dem noch hinzu, daß man bei den Juden stets ängstlich bemüht ist, auch nur die leiseste Berührung des Krankenlagers eines Sterbenden zu vermeiden, um nur den Tod nicht zu beschleunigen. Man sieht aber auö Vorstehendem, welche sonderbare und irrige Ansichten noch über Jusen und Judenthum herrschen! Fürth, 20 Januar. Auf meinen Bericht in Nr. 1 des neuen Jahrgangs dieser geschätzten Blätter sehe ich heute eine nichtssagende ab,r persönlich angreifende Erwiderung des Mazzotbbäckers. In meinembetreffenden Artikel ist wahrscheinlich aus Versehen des Setzers vor den Werten „Ich will den Bäcker bei Leibe nicht nffin sein das Wort „Letzterer" — weggeblieben, welchen Jrrthum man absichtlich zur Entstellung und zum Zweifel an mnner Glaubwürdigkeit nicht als solchen erkennen wollte. Wir unterlassen es, die weitere Auslassungen des gen. Herrn näher zu untersuchen, mögen dieselben ihren Grund in feiner Betz mptung oder in manchen andern haben, müssen aber bei unserer Behauptung, daß dahier rvs»D nicht unter einer jn3 gebacken werden, stehen bleiben. Es zeugt von keinem guten Gewissen, wenn Herr Oppenheimer sich so sehr ereifert, da er persönlich gar nicht angegriffen war, sondern die hiesige riv.ip, die eS bis heute ruh g mit angesehen hat, wie die rnr» Q-Bäckerei, die, wie er selbst eingesteht, 2 Monate hindurch von 6 Uhr Morgens bis 10 Uhr Abends, ja eine Zeitlang von 2 Uhr Morgens an ohne weitere Aufsicht als die alleinige des Herrn Oppenheimer betr eben wurde; denn von seinen Leuten, die alö Aufseher oder Mitarbeiter bei dem Geschäft tbätig wa.en, soll doch wohl nicht behauptet werden, daß sie irgend ein nuoj« hinsichtlich nntso beanspruchen können? -Wenn im Weitern aber in der Entgegnung darauf hingewiesen wurde, daß bereits rvnoxn die Bäckerei approbirt habe, so frage ich dagegen — abgesehen davon, daß 'während 20 Jahre sich Vieles anders gestalten kann — wer denn in den letzten 2 Jahren für Jnnebaltung der jüdisch-religiösen Vorschriften Sorge getragen hat außer dem Herrn Oppenhe>mer selbst, der doch unmöglich neben der Besorgung des Geschäfts