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Der Israelit · 1870-01-19 · Heft 3 (19.1.1870) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 3 (19.1.1870)
Date
1870-01-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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46 fortsmtiren miffse, bis ein -neuer Zustand geschaffen, so könnten die anwesenden H. H. Rabbiner sich durch -die Assistenz -der O. K. B. -m -ihrer MermmgSLuß«- rung beengt fühlen, weshalb er beantrage: „die Mitglieder der Oberkirchenbehörde möchten sich bis zum Schluß der Debatte über den Stern'schen Antrag, zurückziehen". (Offenbar hatte der Herr R.-R. Herrn R. Berlinger im Auge und bewies durch seinen Antrag eine Großherzigkeit, die um so nrehr anerkannt zu werden verdient, da Herr R. R. Jordan mit seinen Herrn College» in der O. K. B. sich jedenfalls nicht in einem religiösen Conflikt befindet.) Obwohl Me sämmtlichen Rabbinen erklärten, sie geniren sich nicht, zog sich doch die Oberkirchenbehörde zur Berathung zurück, aber sie kam wieder und blieb. — Von der Minorität sprach in der nun folgenden Debatte nur Nörd ling er, um manche falschen Behauptungen der Majoritätsredner zu widerlegen, wozu er stets schlagfertig war, und Levy, welcher die nachtheiligen Folgen, die durch das Verbot des Thoralesens am Bar-Mizwatage dem hebr. Unterrichte erwuchsen, hervorhob und die schriftstellerische Thätigkeit der O. K. B. und deren Produkte, das Spruch-, Gesang- und Religionsbuch von religiösem und pädagogischem Standpunkte aus gehörig geißelte, Letzteres, nachdem Herr KR. von Maier durch seine Lobeserhebungen dazu Anlaß gegeben hatte. Dagegen eröffnete die Majorität, der sich schließlich v. Maier beigesellte, ein bis zum späten Abend fortgesetztes Bombardement auf Stern, das diesen hätte an das vom Jahre 1666 zu Würzburg erinnern müssen, wenn die abgefenerten Geschosse nicht Hohlkugeln gewesen wären. Dr. Wasserpiann glaubte das Bittere der von Stern gesagten Wahrheiten durch die Länge seines Witzes abschwächen zu sollen; er gab zu, daß die Stuttgarter Tboralesung etwas Niedagewesenes, daß das Gesangbuch etwas sehr Abgeschmacktes sei, konnte aber in dem Befehle, daß man aus diesem Gesangbuche allsabbathlich — wie in der protestantischen Kirche — singen müsse, höchstens einen übertriebenen Reformeifer, keinen Gewissenszwang, erkennen, und in dieser Weise (des NichterkennenwollenS) sucht -er auch verschiedene weitere Anklagepunkte abzufertigen. Dr. Silberstein erprobte in einer donnernden Philippika eine anerkennenswerthe rednerische Fertigkeit. Er wandte sich hauptsächlich gegen die Stelle in Stern's Rede, wo dieser auf verschiedene Staaten hingewiesen hatte, welche — wie auch Preußen keine Oberkirchenchehörde haben und entwarf ein schaudererregendes Bild von den jüdischen Zuständen Preußens, erklärte diese und das Nichlvorhandensein einer Oberkirchenbehörde aus dem pr ußischen vfficiellen Judenhaß, benützt Bethmann - Hollwegs und v. Mühlers Rücken als Brücke, über welche er mit einigen kräftigen Fußtritten hinwegsprang, um dem.Herrn Kultusminister v. Golther eine Huldigung darzubringen. -Wir hachffn an dieser Rede nichts anszusetzen, als dreÄtoral dieses ihres letzten Lheils. Wir anerkennen den Herrn Minister soviel wie Herr Dr. Silberstein, hat derselbe uns ja Befreiung vom religiösen Zwang verheißen, darum Haben wir uns von Herzen der am Schluß von Herrn Dr. Wassermann dargebrachten Huldigung angeschlossen, denn diese war am Platze. Hr. Dr. Silber stein hatte sich die Bekämpfung Sterns zur Aufgabe gemacht, und es läßt sich schwer erkennen, was diese Ovation mit dieser Bekämpfung gemein haben sollte. Sie erschien unS daher als Oaptatio dvnvvolentiae, welche schwer den beabsichtigten Erfolg hatte. Solche Mittel verschmäht, wer der Gerechtigkeit seiner Sache vertrauen kann. Wir glaubten das hier aussprechen zu sollen, da Stern in seiner Erwiederung, wie uns scheint, mit richtigem Takte, nicht darauf eingegangen ist. Herr K. R. v. Maivr: „Der Delegirte von Mergentheim hat das Sünden- Register der Oberkirchenbehörde, welches Herr Berlinger in einer früheren Sitzung begonnen, heute vollendet. Ich gestehe, Alles ist wahr'; die O K. B. habe das Alles gethan und ist eben am meisten daran schuldig; aber ich bin stolz darauf, ich würde es, wenn nöthig, noch einmal thun." Diese Herren (von der Minorität), sagte der Herr K R. weiter, sprechen immer von Frauenbad und dergl. Dingen, daß man glauben könnte, das sei das ganze Judenthum, welches hiedurch in den Augen Andersgläubiger herabgewürdigt werde. Da lobe er sich die Alten; R. Akiva sage: Die Gottähnlichkeit des Menschen sei der wichtigste Lehrsatz der Thora, und Hillel sagte einem Prosetiten: „ Liebe deinen Nächsten,, wie Dich selbst, das ist das ganze Gesetz, alles Uebrige Commentar." Redner fordere die Versammlung auf, durch Erheben von ihren Sitzen auszusprechen, daß sie sich zu diesen Grundsätzen bekennen. (Die Majorität erhebt sich.) Nördlinger tadelt, daß eine Partei auf solche Weise über die andere ein Anathema ausspreche. — Gegen das Ende der Debatte erhielt Stern nochmals das Wort: Er werde kurz sein können: Herr Dr. Wassermann habe gesagt, Redner habe zu scharf geladen, darum seien seine Kugeln über das Ziel hinausgegangen; er aber (Stern) glaube, die Herren von der andern Seite haben gar nicht gezielt, denn der Kernpunkt seiner Behauptungen, daß, nachdem der Staat verzichtet, auck eine etwa vorhandene Majorität das Recht nicht habe, eine Behörde einzusetzen, welche die Religion nach Belieben mache, sei von Niemanden widerlegt worden Wenn es in Preußen und anderwärts, wo keine Oberkirchenbehörde ist, aussähe, wie Dr. Silberstein es geschildert hat, fo müsse man sich wundern, daß eS dort nur noch Juden gebe, daß diese nicht in den von dem Herrn Dr. beschriebenen Gemeindekämpfen und Skandalen

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