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Der Israelit · 1870-01-19 · Heft 3 (19.1.1870) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 3 (19.1.1870)
Date
1870-01-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
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44 schick des Tyrannen Phocas vollzogen. Als seiner Furcht, seinem Argwohne und seiner Grausamkeit viele Tausende unschuldiger Opfer gefallen waren, mißtraute er sogar seinem eigenen Schwiegersöhne Crispus und bedrohte ihn mit dem Tode. Dieser, für sein Leben fürchtend, reizte den Sohn des Statthalters von Afrika, Heraclius, zum Ausruhr. Als die Flotte des Befreiers durch den Hellespont und die Propontiö segelte, strömten die nach Rache dürstenden Flüchtlinge und Verbannten unter seine Fahne. Phocas wurde " durch Crispuö über die Lage der Dinge getäuscht. bis die feindlichen Schiffe in den Hafen von Constantinopel eingefahren waren. Tann wurde der Tyrann in seinem Palaste gefangen genommen, mit Fesseln beladen, auf das Schiff seines Gegners gebracht, wo er unter Schimpf, Hohn und gräßlichen Martern hingerichtet wurde. Darauf wurde Heraclius zum Kaiser ausgerufen. Aber auch Crispuö erntete den Lohn des Verräthers; er wurde gezwungen, Mönch zu werden. Kosroös hatte, ohne nock von diesen Ereignissen zu wissen, seinen Siegeslauf fortgesetzt. Nach der Eroberung von Jerusalem, zog er nach Eaypten, erstürmte" Pelusium, den Schlüssel des Reichs, eroberte Alexandria, kehrte dann nach Asien zurück, ganz Asien unter seine Herrschaft beugend. Der König hatte ungeheure Beute gemacht; zwölftausend große Kameele und achttausend "kleinere trugen den Raub der Nationen nach Persien. Zwölf Meilen nördlich von Ktesiphon in einer wunderlieblichen lachenden Gegend ließ sich der König eine neue Hauptstadt bauen, die er Desiagerd nannte. Die Stadt sowohl als namentlich der Palast des Königs übertrafen an Schönheit und Pracht Alles, was die kühnste Phantasie sich vorzustellen vermag. Vierzigtausend silberne Säulen trugen den Palast, an dessen Gewölbe tausend goldene Kugeln von verschiedener Größe aufgehängt waren. Diese bewegten sich durch eine kunstvolle Maschinerie gleich den großen Himmelskörpern, so daß der Palast den sich wölbenden Himmel nebst der Sonne, dem Monde und den Sternen darstellte. Hundert unterirdische Gewölbe von mächtiger Ausdehnung bargen in' sicherem Gewahrsam die unermeßlichen Schätze an Gold und edlen Steinen. v Kosroes wünschte dem Kriege ein Ende zu machen; er wollte die Früchte seines großen Siegeszuges in Ruhe genießen. Da traf ihn die Kunde vom Tode des Phocas. Die Rache hatte den Mörder des Mauritius ereilt, und der nunmehrige Kaiser Heraclius war unschuldig an dem Untergange des Wohlthäters des Königs von Persien. Aber noch eine andere Nachricht kam, die Kosroes einen willkommenen Vorwand zum Rückzuge bot. Kaiser Heraclius sandte eine Gesandtschaft an den Perserkönig, aus den übriggebliebenen Freunden und Verwandten des Kaisers Mauritius bestehend; sie sollten untersuchen und erforschen, ob wirklich ein Sohn deS ermordeten Kaisers den Händen seiner Mörder entronnen und nach Persien entkommen sei; dann die Einwohner von Chalcedon, welche Augenzeugen jener Hinrichtung gewesen, behaupteten, daß alle fünf Söhne des Mauritius (dcr älteste, Theodosius, war auf seiner Reise nach Persien ergriffen und ermordet worden) den Streichen ihrer Mörder erlegen wären. Kosroes, von diesem Umstande benachrichtigt, hatte dcr Gesandtschaft freies Geleit versprochen; diese kam an und erkannte in dem angeblichen Sohne einen freigelassenen Sclaven des Mauritius. Nun war König Kosroes seiner Verpflichtung ledig. Er ließ den Betrüger hinrichten, und nachdem er Besatzungen in die eroberten Städte gelegt hatte, rüstete cr sich zur Heimkehr. Bis dahin hatttn Hnnna und das jüdische Heer getreulich alle Kämpfe der Perser mitgekämpft. Als nunmehr der jüdische Prinz von der Beendigung des Feldzuges vernahm, beeilte er sich, den König daran zu erinnern, daß er versprochen habe, in Palästina ein jüdisches Reich wiederherzustellen. „Waö verlangst Du, Jude," schrie ihn KosroeZ an, ,,Dn willst Dich wohl gegen Deinen Herrn empören? O, ich kenne Dich, ich kenne Deinen Stolz und Deine,! Ehrgeiz! Sobald ich Dich als Statthalter einsetze, wirst Du mit dem römischen Kaiser ein Bündniß schließen, um Dich ganz unabhängig zu machen!" „„Mein Herr und König,"" entgegnete Hunna, „„habe ich Dir nicht treu gedient, haben meine Krieger nicht für Dich gekämpft in zwanzig Schlachten?"" „Deine Krieger, Verräther, und nicht meine Krieger? Sind nicht die Juden ebenso meine Unterthanen wie die Perser? O, ich weiß es, Du dünkst Dich der König der Juden zu sein, weil Du von David abstammest. Noch ein Wort, und ich lasse Dein Haupt Dir vor die Füße legen!" Hunna schwieg. Das Herz voll Zorn und Bitterkeit verließ er den König. (Fortsetzung folgt.) Berichtigung. Im Hanptblatte von Nr. 2, Seite 17, Spalte 2, Zeile 11 von unten muß es heißen: „neologer Partei." Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Damps-Schnellprefsendruck von I. Gottsleben in Mainz.

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