Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1870)
- Date
- 1870-01-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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42 wahrt worden. Darunter befinden sich Adressen der österreichisch-ungarischen Kolonien zu Jbraila, zu Galacz, zu Adrianopel, Konstantinopel, Alexandrien, Medaillen der Oesterreicher in Bulgarien, Adressen der israelitischen Kommunen zu Rufischuck und Alexandrien, deS Ober-Rabbiners in Corstantinopel, der Glasfabrik Gebrüder Krause u. Comp, ebendaselbst, der Zöglinge des Waisenhauses zu Jerusalem; ferner Adressen dSr Israeliten zu Jerusalem, tbeilweise in kostbaren Einbanden aus Holz von den Cedern des Libanon und Oelbäumen des Oelberges gefertigt u. s. w. Wien. Im Jahre 1869, dem ersten Jahre während der Herrschaft der neuen Staatsgrundgesetze, haben hier folgende Uebertritte von einer Kirche zur andern stattgefunden: Der katholischen Kirche sind von anderen Religionen.zugewendet 22; der evangelischen Kirche Augsburger Confession 73, jener der helvetischen Confession 15, der griechisch-orientalischen Kirche 3 Personen, theils vom männjichen. theils vom weiblichen Geschlechte. Der gricchisch-unirten Kirche ist 1 Individuum beigetreten; zur mosaischen Religion 144 Personen, zumeist vom weiblichen Geschlechte, konvertirt. Im Ganzen haben sich daher nur 258 Konvertirung'en ereignet, bei einer Seelenzahl, die innerhalb der Linien mit circa 700,060 berechnet wird. En Individuum von der evangelischen Kirche A. K. erklärte sich consessionSlos. Wien. Der Vorstand der Wiener israelitischen Cultusgemeinde hat den Prediger Herrn vr. Moritz Güdemann zum Rabbiner ernannt. Wien. Das österreichisch-ungarische gemeinsame Ministerium des Aeußern hat im Interesse der Verhinderung des seit einigen Jahren in den Ländern des Orients getriebenen schmählichen Handels mit österreichischen, namentlich ungarischen Mädchen an sämmtliche Consular - Aemter in Rumänien unterm 20. October v. I. ein eindringliches Circularschreiben erlassen. Die in Verbindung damit getroffenen Vorkehrungen scheinen sich jedoch als erfolglos zu erweisen. Vor einigen Tagen erscheint ein Turn-Severiner Gastwirth, Namens Adolf Schwarz, welcher k. k. österreichisch-ungarischer Unterthan ist, in der dortigen k. k. Starostie und ersucht für seine Gatiin Hermine Schwarz um einen Passirschein nach Kalafat. Der Paß wird ihm, da bisher kein Bedenken gegen ihn obwaltete, auch ausgefolgt. Einige Stunden später wird der Starostie angezeigt, daß Schwarz den Passirschein nicht für seine Gattin, sondern betrügerischerweise für ein Mädchen entlockt habe, welches bei ihm schon seit einigen Tagen gefangen gehalten und an einen Widdiner Israeliten für einen reichen Araber nach Alexandrien durch Vermittlung eines Wirthes in Kalafat, Namens Trpe Jankaloff, verkauft worden sei. Der Amtsleiter der Starostie begibt sich ohne Zeitverlust auf den schon zur Abfahrt bereiten Passagier-Dampfer „Radetzky", findet mit Beihilfe des Capitains das Mädchen sammt ihrer sauberen Begleitung und veranlaßt die Ausschiffung und Arretirung der betheiligten Individuen. Die vorläufigen Erhebungen ergaben, daß Hermine Berger, ein kaum 15jähriges Mädchen aus Temesvar, vor beiläufig sieben Monaten von einem ihr unbekannten Kuppler nach Turn-Severin gelockt, in einem der hier so zahlreichen veruffneu Häuser untergebrack t, endlich in Gemeinschaft anderer verworfener Dirnen auf eigene Rechnung lebte, bis sie zuletzt von einem Barbier, Namens Milan, um fünf Napoleensd'or in den Gewahrsam des Schwarz geliefert und von diesem an Trge Jankaloff verhandelt wurde. Des andern Tages wurde die honnete Gesellschaft wieder auf freien Fuß gesetzt. Hieraus ist zu ersehen, daß trotz aller Circularsckreiben wenig Hoffnung vorhanden ist, diesem Hände! ein Ende zu machen, wenn nicht zuvor die Haupiberde dieser menschenentwürdigenden Thätigkeit zerstört werden. Temesvar, Arad, Lngos, Werschetz, Weißkirchen, Hermannstadt und die Haromßök liefern die Maaren; Turn-Severin, Kalafat und Turn-Mogurele sink die Sitze der Agenturen für den Orient. Aus Losoncz wird dem „Pesther Lloyd" folgende Geschichte mitgetbeilt: In der Nacht auf den 24. wurde an das Fenster eines hiesigen Israeliten L. Poltsek, heftig gekröpft, und' als man öffnete, sah man eine Nachbarin vor dem Hause stehen, welche entsetzten Tones um Hilfe rief und e-zählte, daß Räuber in ihr Haus eingedrungen seien. Polatsek selbst lag krank zu Bette und konnte nicht aufstehen, allein sein übriges Hausgesinde ivmde allarmirt, stürmte hinaus und kam mit einigen andern Nachbarn eben noch zu rechter Zeit, um die Räuber zu fassen, welche auf den Lärm hin die Flucht ergreifen wollten. Und wer waren die Räuber? Ein Sicherheits-Commissär und noch ein anderer Beamter! Ersterer machte sich jedoch loS, entfloh eiligst und kam nach einer Viertelstunde mit einigen Panduren zurück, drang in das Haus, in welches er räuberisch einzubrechen versucht hatte, band den Hausherrn Adolph Minz, schlug, mißhandelte und verwundete ihn und versuchte ihn fortzuschleppen. Da er indeß von der drohenden Haltung der mittlerweile herbeigeeilten Menge eingeschüchtert wurde, so ließ er das eine Opfer gebunden und blutend liegen, und brach nun in das Haus des Polatsek, schleppte den alten kranken Mann aus dem Bette, mißhandelte ihn mit seinem Säbel, schlug auch die übrigen Hausbewohner in grausamster Weise und ließ erst auf inständiges Bitten des Polatsek ab, der ihm in demüthigster Weise versicherte, daß hier ein Mißverständnis, eine Verwechslung vorliegen müffe. Nach diesen Heldenthaten bestieg er einen im Wirths- Haufe bereitstehenden Wagen und fuhr mit seinen