Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 2 (12.1.1870)
- Date
- 1870-01-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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23 Kerrilletorr. A o st a « a i. Sine historische Erzählung aus dem 7. Jahrhundert der gew. Zeitrechnung.) II. Der flüchtige Kaisersohn. In seinem wundervollen Palaste in Ktesiphon, der prächtigen Hauptstadt des persischen Reiches, saß Kosroes II. Wohl Niemand hat den Wechsel des Geschicks mehr erfahren als dieser König; ein Flüchtling in jungen Jahren, stand er nunmehr auf dem Gipfel seiner Macht und Herrlichkeit. Für jede Jahreszeit hatte er Paläste, deren wunderbare Schönheit, deren überaus reiche Ausstattung die persischen Dichter besingen; unter seinen Thronen aus Gold und Diamanten ist Takh-dis berühmt, welcher die zwölf Zeichen des Thierkreiies und die Stunden des Tages darstellte. Lausend Frauen, jede an Schönheit dem Monde vergleichbar, zierten seinen Harem; fünfzigtausend kostbare Pferde standen in den königlichen Marställen; des Königs arabisches Leibroß Schut-diz war schneller als der Wind; 1209 Elephanten standen bereit zum Dienste des Königs; Musiker, Sänger und Sängerinnen. Tänzer und Tänzerinnen ohne Zahl ergötzten seine Augen und Ohren; unter ihnen war der Tonkünstler Barbud der berühmteste; die Weifen, die er zu spielen, die Lieder, die er zu singen wußte, berauschten im Wohllaut die Hörer, ließen sie weinen Thränen der Wonne oder aufjubeln vor Entzücken. Und noch vor wenigen Jahrell war König KoSross II. ein Flüchtling gewesen, arm und ohne Hoffnung. Sein grausamer Vater, Hormuz IV., ein feiger Tyrann, hatte seinen kühnen Feldherrn, den Helden Bahram, der die Tartaren besiegt hatte, beleidigt. Neidisch und unruhig über Bahram's großen Sieg hatte ihm König Hormuz einen Weiberrock, einen Spinnrocken und eine Spindel geschickt. Der tapfere Held legte die empfangene Kleidung an und zeigte sich darin dem Heere. „Seht hier," sprach er, „die Belohnung, mit welcher der König meine Dienste lohnt!" Unwillen ergriff das Heer; die Krieger begrüßten Bahram als ihren Herrn und führten ihn als König nach Ktesiphon, wo schon vorher von den empörten Großen König Hormuz ins Gefängniß geworfen, geblendet und dann ermordet worden war. Der Kronprinz Kosross, der älteste Sohn des Hormuz, entfloh zu den Römern, zum Kaiser Mauritius. Dieser empfing den flüchtigen -Prinzen aufs Freundlichste und rüstete für ihn ein Heer aus, an dessen Spitze Kosroes nach Persien zurückkehrte; hier fielen die persischen Großen ihm zu, Bahram wurde geschlagen und mußte zu den Tartaren entfliehen, während Kosross den Thron seiner Väter bestieg. Kosrovs belohnte Alle, die ihm zur Erlangung der Krone behilflich gewesen, bestrafte aber grausam alle diejenigen, welche zu Bahram gehalten hatten, so auch die Juden. Diese, von Hormuz verfolgt, hatten sich freudig dem siegreichen Feldherrn Bahram angeschloffen, was sie später hatten büßen müssen. Dankbarkeit und Treue bewahrte Kosross seinem Erretter, dem Kaiser Mauritius. Im Prunksaale seines wundervollen Palastes in Ktesiphon, auf seinem Throne Takh-diS faß König Kosross, dem Gesänge seines Sängers Barbud lauschend. Da wurde dem Könige ein Schreiben zu Füßen gelegt. Der Gsheimschreiber nahm es auf und las: „Der Knecht Deiner Knechte, Theophanes, der Sohn des Kaisers Mauritius, der Dir, o mächtiger König, einst Gutes erwiesen, fleht Dich an, ihm zu erlauben, Dein königliches Antlitz zu sehen." Der König erschrack. „Wie?", sprach er, „kommt des mächtigen, römischen Kaisers Sohn, allein, als ein Flüchtling, ohne Gefolge? Führt ihn herein!" Des Königs Kämmerer entfernte sich und brachte einen Jüngling herein, der sich am Fuße des Thrones niederwarf. „Steh auf!" rief der König, „und sage mir: wer bist Du?" «„Ich bin,"" entgegnete der Jüngling, sich erhebend, „„Dein Diener Theophanes, der Sohn Deines Freundes uud Wohlthäters, des Kaisers Mauritius^ den Rebellen und feige Verräher ermordet haben!"" Als das der König vernahm, stieg er vom Throne, zerriß seine Kleider und warf sich laut jammernd zu Boden. Seine Fürsten und Diener folgten dem Beispiele des Königs. „Mauritius, mein Freund, mein Vater, mein Retter!" rief Kosross, „mußtest Du enden wi? ein Verbrecher?" „„Herr,"" sprach Theophanes, „„gebiete Deinen Thränen und lasse Rachepläne Raum in Deinem Geiste gewinnen. Räche den Tod meines Vaters und meiner Brüder, die Mißhandlung meiner Mutter und meiner Schwestern und schaffe mir die Krone meines VaterS wieder, wie dieser einst Dich auf den Thron des Deinigen gesetzt hat"" „So sei es!" sagte der König; „doch erzähle mir, wie ereignete sich das Schreckliche?" „Du kennst, mein Herr und König, die Roheit und die Habgier der römischen Soldaten, denen mein Vater nicht die Zügel schießen laffen wollte. Da empörten sie sich, riefen einen bis dahin unbekannten Hauptmann, Namens PhocaS, zum Kaiser aus, schmückten ihn mit dem Purpur, und zogen so gen Consrantinopel. Die leichtsinnige Bevölkerung der Hauptstadt,