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Der Israelit · 1870-01-05 · Heft 1 (5.1.1870) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 1 (5.1.1870)
Date
1870-01-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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12 beschau mittelst ihres eigenen Pelzmuffes erstickt worden. Gperies» Eine beunruhigende Nachricht wird dem Hon aus Eperies mitgetheilt. Die vom 22. Dez. datirte Correspondenz lautet: „In jener Gegend des Zempliner Comitats, in welcher 186 l das Volk aufgewiegelt wurde, zeigten sich am 20. December bedenkliche Symptome. Die von den Geistlichen ausgestachelte Volksmaffe. welche auch über Waffen verfügt, ist aufgebracht gegen die Grundbesitzer und Israeliten. Am 2i. d. wurde von Kaschau, am 22. aber von Szegedin und Eperies Militär gegen Homonnr dirigirt." Hollefchair. Die isr. Gemeinde Hunsdorf hat am 26. November große Verluste erlitten. An diesem Tage starben nämlich der Rabbiner Perlstein und der Rosen zwei? , zwei in der jüdischen Literatur besonders im Talmud sehr bewanderte Männer. Frankreich. Herr Julius Beer, Neffe Meyerbeers, hat zu den Worten des Psalmes: „An den Strömen Babylons saßen wir" eine große Cantate componirt. Die Arbeit wird allgemein gelobt. (Iew. Rec.) Paris. Bei einem kürzlich in Gondreville (Meurthe) auSgebrochenen Brande stürzte sich unser Glaubensgenosse, Herr Lambert, Unterpräfect zrrToul, mit eigener Lebensgefahr in die Flammen, um ein Kind, das noch im brennenden Hause zurückgeblieben war, zu retten. (Un. Isr.) Feuilleton. Kin „Schadchen" vor Kericht. Wien, 24. Dec. Gottlieb M. lebte in einer kleinen Iudengemeinde Mährens durch viele Jahre von dem Erträgnisse einer nett eingerichteten Rosoglio- und Liqueurfabrik und bekleidete in der kleinen Gemeinde, wo er sich der besondere»! Achtung seiner Mitbürger zu erfreuen hatte, mehrere Ehrenstellen. Nichts hätte denselben vermocht, seinen Wohnort, der zugleich seine Geburtsstätte war und wo er über Haus und Hof zu gebieten hatte, zu wechseln, wenn nicht das eheliche Glück ihn reichlich mit Kindern gesegnet, wenn ihn nickt speziell die Frage lebhaft beschäftigt hätte, wie ec seine sieben Töchter, die allmälich heirathsfähig wurden, in dem kleinen Orte, der von jedem größeren Verkehre gänzlich abgeschmtten war, an den Mann Bringen, wie er diese versorgen sollte. Schweren Herzens entschloß sich Gottlieb M., sein Geschäft sammt Haus und Hof zu verlassen und mit seiner Familie nach Wien zu übersiedeln. Für ein Geschäft, wie er es früher von seine« Vater übernommen und gedeihlich weitergeführt hatte, sah er in Wien keinen Boden; auch war sein Vermögen zu gering für ein eigentliches Fabrikgeschäft, und der Liqueurhandel selbst, das sogenannte Detailgeschäft in diesem Artikel, stand in Wien auf einer Stufe und ist von einem Kundenkreise besucht, daß es ihm nicht gerathen schien, seine Töchter in diesem Geschäfte zu verwenden. Gottlieb M. faßte daher den Entschluß, die Börse zu besuchen. Er entrirte kleine Geschäfte für den Tag, anfangs nur mit aller Vorsicht; er verlegte sich, wie der technische Ausdr»rck es bezeichnet, auf die „Tischlerei" , das heißt, er arbeitete nur mit „Stellagen", das sind Geschäfte, in denen sowohl für die Hausse wie für die Baisse ein etwaiger Verlust durch eine eingesetzte Prämie begrenzt war. Das Glück war dein strebsamen Manne günstig, und Gotllieb M. hatte sich in kurzer Frist einen guten Namen zu verschaffen gewußt; man räumte ihm einen schönen Credit ein, den er fürsorglich ausbeutete und der ihn in der verhältnismäßig kurzen Zeit von kaum sechs Jahren zum Besitzer eines Vorstadthauses machte. Gottlieb M. begann nun, auf Andrängen seiner Gattin an die Versorgung seiner Töchter zu de»:ken. Wie in seinen Geschäfts-Manipulationen lächelte ihm auch hier Fortuna hold entgegen, und rascher, als es die Familie vermeint hatte, waren sechs Töchter unter die Haube gebracht und gut versorgt. Nickt so erging es der Familie bei der siebenten und überdies der ältesten Tochter. Therese M., eine Brünette, welche weitaus hübscher war als ihre übrigen sechs Schwestern, und die sowohl in der Wirthschast als in den weiblichen Arveiten das getreue Ebenbild ihrer Mutter, ein Muster guter Hausfrauen, zu werden verspricht, wird von einem eigenen Unstern verfolgt. Viermal war sie bereits verlobt und jedesmal, wenn der ernste Moment, wo sie als Gattin heiingeführt werden sollte, herannahte, traten Zwischenfälle ein, die das angebahnte Verhältniß lösten. Das Mädchen kränkte sich darüber sehr, die Eltern nicht minder. Im engsten Familienkreise beschloß man nun, mit dem Aufgebote aller sinanziellen Kraft das Mädchen zu verheirathen. Nicht nur Freunde und Verwandte wurden aufgeboten, um für Therese einen passenden Mann ausfindig zu machen, man nahm auch die Hilfe der sogenannten, bei Iudenfamilien gebräuchlichen Ehe-Procuratoren für dieses Vorhaben in Anspruch. Die Ebe-Procuratoren, den?n eine reichliche Provision zugesichert worden war, überboten sich in Anträgen, und Gottlieb M. batte nunmehr einige Stunden des Tages mit der Entgegennahme und der Einziehung von Erkundigungen auszufüllen. Von den vielen, ja zahllosen Offerten waren eS

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