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Der Israelit · 1870-01-05 · Heft 1 (5.1.1870) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 1 (5.1.1870)
Date
1870-01-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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AI. Jahrgang. Beilage z« Rr. 1 des Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Mericht. Hannover, im D ecember. Nistvire abregee tles Juifs et de leurs croyances par E. Astruc. Grartd-Rabbin Belgique etc. Paris 1869. Wer kennt nicht die Anekdote, nach welcher ein Gelehrter seinem Cellegen ein von ihm verfaßtes Werk zur Recension übersandte, mit der Bitte, die ihm anstößigen Stetten dadurch zu bezeichnen, daß er die betreffenden Seiten einbiege und dieser ihm als beredten Ausdruck seiner Kritik das ganze Manuskript eingebogen zurücksandte? Unwillkürlich wird man beim Durchlesen vorliegenden BucheS an dieselbe erinnert. Wir könnten es füglich unfern Nachbarn jenseits des Rheines überlassen, sich mit dem Inhalte desselben abzufinden, wenn das Buch nicht nach allen Enden der Welt versandt wäre zum Beweise dafür, daß auch unsre Jugend sich an den Forschurgs'esultaten des Verfassers erfreuen solle. Andrerseits ist ja auch die Wissenschaft nicht an nationale Grenzen gebunden. Der Verfasser will einem, wie er glaubt, allgemein gefühltem Bedürfnisse abhelfen, es der Jugend zu eimöglichen die Verbreitung der religiösen Jde.n des JudenthnmS durch alle Jahrhunderte hindurch bis auf unsere Zeit hinab zu verfolgen.. Man könnte, ohne ausführlich zu sein mit der Kritik des nur 1H6 Duodezseiren starken Buches, in denen der Verfasser der großen Aufgabe, die er sich gestellt, genügt zu haben glaubt, viele Bogen aussütten, wenn man selbst nur alles das hervorheben wollte, was vom rein wissenschaftlichen Standpunkte aus an dem Buche zu tadeln wäre. Lobenswertst ist daran eigentlich nur die Offenheit, mit welcher Herr Rabbiner Astruc feinen religiösen Standpunkt hervorkehrt. Wir wollen nicht mit ihm darüber rechten, daß die Erzählung der Bibel von der Geschichte der ersten Menschen ihm nur eine Allegorie ist, daß er die Opferung Jsaak's eine Zeitsitte nennt (selon l’usage de ce temps), daß der Auszug der Israeliten aus Egypten, wie der Durchzug durch's Schilfmeer seiner Ansicht nach auf ganz natürlichem Wege vor sich gegangen, daß er durch seine Darstellung die Göttlichkeit der Bibel gradezu leugnet, daß von einer göttlichen Offenbarung zum Zwecke der Gesetzgebung bei ihm gar nicht die Rede ist (nur an einer Stelle spricht der Verfasser von einem poetischen Berichte der Bibel darüber), da es uns nicht um eine Kritik vom religiösen Standpunkte zu thun ist. Dieses und vieles andere möge der Verfasser mit seinem Gewissen abmachen. Wenn Herr Rabb. Astruc aber glaubt mit seinem Buche der Wissenschaft einen Dienst geleistet zu haben, und dasselbe Lehrern und Eltern zur Benutzung für ihre Zöglinge und Kinder empfiehlt, so i beweist er, daß er von Pädagogik keine Ahnung hat. j Selten hat wohl Jemand ein? so treffende Selbstkrij tik geübt, wie der Verfasser. Er ist sich dessen be-! wußt, daß seine jüdische Geschichte auch nicht im Entferntesten eine Nachabmung der Bibel sei (eile n’est en aucune maniere une imitation meme xointame des livres saints; preface pag. III) und | dennoch hofft und wünscht er, daß die jüdische Jugend! durch sein Buch angeregt werde zur Lektüre der bibj lischen Schriften. Wie aber, um aus der Fülle der j Beispiele nur eines heraus zu greifen, wenn ein jüdi-! scher Knabe, der in dem Buche von der Opferung! Jsaac's gelesen oder von seinem Lehrer nach demselj ben vortrogen gehört, wie Abraham getrieben von! der einheitlichen Gottesidee sich verpflichtet glaubte, z der Sitte der Zeit gemäß seinen Sohn Gott! znm Opfer zu bringen (p. 19), wenn ein solcher j Knabe sich wirklich veranlaßt fühlt, die Bibel aufzu-! schlagen, nm daraus die Bestätigung und weitere! Ausführung des Gelesenen oder Gehörten zu erhal-! ten und nun anstatt dessen aus der schlichten, erhaj benen, ergreifenden Erzählung der Bibel ersieht, daß j Abraham seinen Sohn auf den ausdrückli-; chen Befehl Gottes opfern wollte, wird ihm i da nicht der Widerspruch klar vor Augen liegen? Er muß sich notgedrungen sagen, entweder ist die bibliche Darstellung wahr und der Verfasser meines Handbuches hat sie entstellt, oder umgekehrt. Oder soll etwa der Lehrer, wenn er um Aufklärung darüber befragt wird, dem Kinde einen philosophischen Vortrag darüber halten, daß man in den Geist der Bibel eindrinaen müsse, daß die biblichen Erzählungm nicht wörtlich zu nehmen, daß sie nicht so wahr seien, wie sie uns vorliegen? Kein vernünftiger Jugendlehrer und stände er auf einem noch so rationellen Standpunkte, wird den ihm anvertrauten Zöglingen ein solches Buch in die Hand geben, durch welches von vorne herein der Zweifel in ihr kindliches Gemüth gesenkt wird, durch welches schon in frühester Jugend der Glauben an die Wahrhaftigkeit der Bibel in ihnen vernichtet werden muß. * Wir wollen, wie gesagt, nicht auf Einzelheiten eingehen. Das Buch richtet sich selber. Mehr als interessant sind die Bemerkungen des jüdischen Rab-

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