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Der Israelit · 1870-01-05 · Heft 1 (5.1.1870) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 1 (5.1.1870)
Date
1870-01-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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4 der Israeliten zu einer sogenannten Landeskirche sei im höchsten Grade verderblich, da die kurze Verhandlung schon zur Genüge bewiesen, daß zwei Richtungen im Lande vorhanden sind, die ohne Zwang sich nicht vereinigen lassen. Die Herren möchten bedenken, wie sie schreien würden, wenn in Folge eines doch immer möglichen politischen Umschwungs der König einmal einen orthodoxen Kirchenrath ernennen würde. Die Orthodoxie wolle Niemanden beherrschen, das Ziel ihrer Wünsche sei. nicht beherrscht zu werden; sie getraue sich auf eigenen Füßen zu stehen, ohne Staatszwang und ohne Staatsunterstützung. Die vorgebrachten Zweckmäßigkeitsgründe seien nicht maßgebend, wo es sich um die höchsten Güter handle. Geordnete Zustände treffe man auch anderwärts, ohne solche Zwangsonstalten; er habe in Bayern bessere Erfahrungen gemacht, als Herr Rabbiner Weimann. Daß die Juden in Württemberg gebildeter als anderwärts sind, das sei eine Fabel; eS gibt überall jüdische Aerzte, Advokaten, Universttätsprofessoren; welch großen Lärmen hat man daraus gemacht, als voriges Jahr in Württemberg ein Jude zum Abgeordneten gewählt worden, in Bayern sitzen aber schon 20 Jahre Juden in der Kammer und die hervorragendsten Mitglieder des preußischen Landtags seien Juden. Jedenfalls aber verdanken die Juden WürtteMbergs ihre Bildung nicht, wie behauptet worden, der Oberkirchenbehörde: diese Bildung sei eine Frucht, welche an dem Sonnenlichte der humaner gewordenen Zeit gereift, vermittelt durch die Schule; Schulbehörde aber sei die O. K. B. nie gewesen. Was die Juden Württembergs auszeichne, und was sie der O. K. B. verdanke, das ist der Gewissenszwang, der auf ihnen lastet. Schließlich entschied sich die Majorität für Bejahung der Frage: Soll eine Vereinigung sämmtlicher Gemeinden des Landes mit gemeinschaftlicher corporativer Verfassung und einer Behörde, deren Competenz noch zu bestimmen ist, an der Spitze auch ferner erhalten werden? Damit endete der erste Akt. (Forts, folgt.) Aeitrrngsrra<HriLhten und Coerefpondenzen. Deutschland. Wtninz. Dem in Nr. 50 d. Bl. veröffentlichten Proteste des Herrn Distr.-Rab^. S. B. Bamberg e r in W ü r z b u r g das in Nr. 49 d. Bl. veröffentlichte Schreiben desCentral-Grenz-Comite'S in Königsberg in Pr. betreffend, haben sich noch folgende Herren Rabbinen angeschloffen: 27. Jsak Dachauer, Rabbinats - Verweser in Eisenstadt. 28. S. W. Schreiber, Hberrabb. in Pr^ßburg. 29. Nachan Wolf Liber, Subrabbiner daselbst. 30. Leopold RosevbtMM, Subrabbiner daselbst. 31. Haas, Distr.-Rabb. in Welbhausen. 32. I. Strauß, Kreis-Rabbiner in Rothenburg a. d. Fulda. 33. Jonas Sänger, Rabb. in Buttenwiesen. 34. Wormser, Distr.-Rabb. in Gers selb. 35. Dr. W. Freukel, Kreisrabbiner in Witzenhausen. MÄinz, den 30. Dec. Herr Dr. A. Stein, Rabbiner und Prediger an der Meiselsynagoge in Prag, theilt uns mit, daß die Angabe unseres Correspondenten in Nr. 49, Herr Dr. Stein sei pnt> ndip *ny bv auf Unwahrheit beruhe. Da der erwähnte Correspond ent eine hochachtbare Persönlichkeit, so dürfen wir wohl annehmen, daß die Vermuthung des Herrn vr. St., es liege hier eine absichtliche Entstellung der Wahrheit vor, eine irrthümliche sei. Nichtsdestoweniger ergreifen wir die Gelegenheit, unsere geehrten Herren Correspondenten dringend zu ersuchen, uns nur solche Dinge zur Veröffentlichung mitzutheilen, von deren Begründung sie sich selbst überzeugt haben und nicht solche, die auf bloßem Hörensagen beruhen, nvrr ,n"3"p"n tw iomn! — Die anderen Angaben jener Correspondenz bestreiteftHerr Dr. St. nicht, und doch ist die Thaftache, daß er an einer ran npj’O die Trauung vollzogen, viel gravirender als die von ihm bestrittene; wo steckt da die Consequenz? Frankfurt a. M., im Dec. (Zur Statistik Preußens.) Die Provinz Brandenburg zählt dermalen 2,598,000 evangel. Einwohner, 3859 „separirte" Lutheraner, 191 Herrenhuter und mährische Brüder, 123 Irvingianer, 1735 Baptisten, 199 Mennoniten, 2269 Deutschkatholiken, 69,461 Römisch-Katholische, 222 Griechisch-Katholische, 684 Mitglieder sonstiger christlicher Gemeinschaften und 39,082 Juden. München, 26. Dec. Das neugewählte Collegium der Gemeindebevollmächtigten der Stadt München hat in seiner ersten Sitzung den Kaufmann Moritz Guggenheimer zum zweiten Vorstande gewählt. In dieser Körperschaft, in welcher hier in München noch nie ein Israelit gesessen, befinden sich nunmehr zwei Israeliten, nämlich außer obigem Herrn zweiten Vorstande, auch der Sohn unseres Herrn Rabbiners, Herr vr. Aub, königl. Advocat. . Gewiß ein erfreulicher Fortschritt innerhalb der hiesigen Bevölkerung. Rabb. Cand. Skutsch. Fürth, Ende December. Bevor ich in der Schilderung hiesiger Zustände fortfahre, habe ich von dem Resultate des in voriger Woche erwähnten Protestes zu berichten. Es ist von kgl. Regierung eine Entschließung dahin ergangen', daß dem Proteste die Berechtigung nicht abgesprochen werden könne; dem-

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