Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1870-01-05 · Heft 1 (5.1.1870) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 1 (5.1.1870)
Date
1870-01-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2447447-2447449--07903-2463526
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

2 leit und Frieden, vorausgesetzt, daß man unsere heilige Religion unangetastet lc^se. Eines der wichtigen Eretznisse deverflossene« Jahres ist die Gründung der Adath Jisraöl in Berlin und die Berufung des Herrn Rabbiners Dr. Hildesheimer dorthin. Wir hoffen zu Gott, daß in dem neubegonnenen Jahrzehnt, dasjenige zu herrlicher Frucht wird reifen, was jetzt gesäet wird, damit das echte, wahre Judenthum immer kräftiger erblühe, zum Heile seiner Bekenner, zum Heile der ganzen Welt. Nicht minder wichtig als die Gründung einer orthodoxen jüdischen Gemeinde zu Berlin, ist die Entscheidung, welche am 21. Dec. v. I. der höchste Gerichtshof in Baden getroffen hat, daß nämlich die orthodoxen Israeliten aus der Gemeinde ausscheiden und eine eigene Cultusgemeinde bilden dürfen, ohne künftighin verpflichtet zu sein, zu der bisherigen isr. Gemeinde beizusteuer«. Die orthodoxen israel. Religionsgesellschaften zu Frankfurt a. M., Mainz, Berlin, Breslau rc. müssen noch heute zu den Cultuskosten der (Reform-) Gemeinden in den betreffenden Städten beisteuern, ohne daß sie den geringsten Genuß davon haben, im Gegentheil nur Aerger und Kummer; denn erfreulich kann es wahrlich nicht sein, zur Besoldung von Geiger, Aub 2c., zur Unterhrfltung und Anschaffung von Orgel, Theatersäügermnen und dergb ichen mehr beitragen zu müssen. .♦ Nun, was in einem Lande für recht und billig erkannt ist, wird auch in den andern Ländern als recht und billig anerkannt werden. In Württemberg hat die Revision der israel. OlbeÄirchenraths - Verfassung begonnen. Der nächste Artikel bringt darüber ausführliche Mittheilungen. In politischer Beziehung haben wir wenig zu bemerken. Die Gleichberechtigung der Confesstonen macht von Jahr zu Jahr größere Fortschritte und wird durch den Unkenruf einzelner Judenfeinde nicht aufgehalten. Zwar lassen die Zustände unserer Brüder in uncivilisirten oder halbcivilisirten Ländern noch viel Zu wünschen übrig; allein auch dort wird die voranfchritende Bildung das Ihrige thun. Der allmächtige Gott, der Sein Volk geschützt, gestützt und getragen hat die Jahrtausende hindurch, wird uns ferner führen und leiten bis an das erhabene Ziel unserer großen Bestimmung. Unser Streben aber soll und muß es fein, zu denen zu gehören, die treu auöharren bei unserm Gotte nnd bei unserer heiligen Thora bis ans Ende '?nn dn wjna abtyb iior. "1 nya "n Malm 138, 8.). — Me Verhandlungen der israel. Aekigittm commifst«n zu Stuttgart. Die in diesen Blättern schon mehrfach erwähnte, auf Veranlassung des K. Kultusministeriums von den ' Gemrindevorsteherämtern gewählte Commffston zur Brrathung eines Verfaffungsstatuts für die isr. Religionsgenossenschaft Württembergs tagte vom 6. bis 10. December im Kultusministe» ialgebäude täglich etwa 9 Stunden und brachte die Berathung des ihr vorgelegten Entwurfs zu Ende. Die Verhandlungen waren (gegen die allgemeine Erwartung) nicht öffentlich. Das Präsidium führtt Se. Excellenz, der Kultusminister Herr Staatsrath v. Golther. Wir erachten es als eine heilige Pflicht, gleich an der Spitze dieses Berichtes es auszusprechen, daß wir nicht Worte finden, Sr. Excellenz würdig zu danken, sowohl für das Interesse, die Umsicht und Unparteilichkeit, womit der Herr Minister die nicht immer leichte Aufgabe löste, als auch für den oft wiederholten Ausdruck der wohlwollendsten Gesinnungen gegen das Judenthum. Außer Sr. Excellenz war von Seiten der K. Regierung noch anwesend, Herr Reg. - Rath Fink, Referent über jüdische Angelegenheiten, und ein Sekretär, welcher das Protokoll führte. De« Mitgliedern der Oberkirchenbehörde, welche sämmtlich anwesend waren, war das Recht des Mitsprechens, nicht aber das der Abstimmung eingeräumt worden. Die anwesenden Delegirten waren folgende: H. H. Gerlinger, Rabbiner in und für Brausbach, Heimann, Rechtsanwalt in Stuttgart, für Lanpheim, Herz, Rabbiner, in und für Jebenhausen, Heß, Just.-Proc. in Ulm, für Stuttgart, Kallmann, Rechtsanwalt, in und für Heilbronn, Levi, pens. Lehrer in Stuttgart, für Freudenthal, Dr. Nördlinger, Rechtsanwalt in Stuttgart, für Oberdorf, Selz, Kaufmann in Niederstetten, für WeikerSheim, Dr. Silberfiein, Rabiner, in und für Buttenbausen, Stern, Seminarlehrer in Wnrzburg (Württemberger), für Mergentheim, vr. Wasser man«, Rabbiner in nnd für Möhringen, Weimann, in und für Buchau. Hiezu kam noch der auf Verlange« der Lehrer zu deren Vertretung von der Oberkirchenbehörde berufene H. Lehrer Meürhardt von Hochberg. Die Orthodoxie verfügte über 5 Stimmen, die H. H. Bertinger, Selz und Stern, welche in der ausgesprochendften Weise von diesem Standpunkte aus kämpften, H. Levi, welcher, obwohl dieser Richtung nicht mit allen Consequenzen folgend, in allen Hauptsrageu mit ihr ging und Herr vr. Nördlingex, der'dieser Richtung gar nicht angehört, aber von seinem politischen Standpunkte aus zu denselben Forderungen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.