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Der Israelit · 1869-12-29 · Heft 52 (29.12.1869) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 52 (29.12.1869)
Date
1869-12-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1011 Aus Kre«6, 15. d., wird gemeldet: Zn das Gasthaus zum Hirsch kam heute Vormitttags ein polnischer Jude, der mit Hosen handelte, und bot daselbst einem sehr fein gekleideten Mann seine Waaren an. Dieser war jedoch über das Anerbieten de« Juden so erzürnt, daß er aufstand und auf denselben eine doppelläufige Pistole, die er aus seiner Stiefelröhre zog, losseuerte. Glücklicherweise wurde der Arme nur leicht verletzt. Auch auf den Gastwirth, der auf den Lärm herbeieilte, richtete der Mann eine Pistole. Zum Glück packte jedoch der Hausknecht den Rasenden an beiden Armen und warf ihn zu Boden, worauf derselbe gebunden und der Polizei übergeben wurde. Bei der vor Gericht ftattgefundenen Untersuchung fand man btt dem Manne, dessen Name, Stand und Wohnort unbekannt ist, außer 2 Pistolen noch eine Summe Geldes. Holland. Amsterdam. Der König von Italien hat den Herrn A. A. de Pinto, Referendarius im Justizministerium, zum Offizier des ital. Kronenordens ernannt. (N. I. W.) B al ä st i n a. Jerusalem den 17. November. Hochgeehrtester Herr vr.! Ich will die heilige Stadt nicht verlassen, ohne Ihnen einen freundlichen Gruß von hier ro-ü zuzusenden. Zuerst theile ich Ihnen freudigen Herzens mit: ich war mit der hiestgen Bevölkerung ungemein zufrieden, sie hat sich während der ganzen Anwesenheit des Kaisers von Oesterreich höchst rühmlich aufgeführt, &. M. wiederholten mir das, so wie die Herren Minist , Beust, Andrassy, Ptener zu Mehreren Malen, und unn ist auch ein wahrer Fortschritt feit meiner letzten Anwesenheit (im Jahre 64) wahrzunchmen. Der Kaiser, der sowohl in unsrrm Spital, in dem er sich über 7* Stunde aufhielt, seinen Namen einschrieb, die Schule, die große Sephardim-Synagoge besuchte, bezeigte sein Wohlwollen dadurch, daß er den' Ehacham-Baschi, N. Abraham Aschkenasi, den vr. London, Director des Spitals, und M. Dalero, Chef der Gemeinde zu Rittern des Franz-Joseph-Ordens ernannte. Er ließ auch für die Synagoge der cnnon, eben im Baue, 1000 srs. und für die nono "ro Armenwohnungen, 1000 stS. Die Familie James v. Rothschild hatte zum Jahrzeitstage ihres Vaters zwei Lampen für dieselben geschenkt, und war bei dieser Gelegenheit ein feierlicher Gottesdienst im Bethhause des Spitals, dem in dem spanischen und deutschen Bethause Ansprachen vorhergegangen und uachgesolgt waren, bei welcher Gelegenheit im Namen der Familie v. Rothschild 4000 Franken allgemein und 2000 Franken besonders vertheilt wurden. Besten Empfang in de« Kaiser« Wohnung hatte ich in Gegenwart des anwesenden katholischen CleruS und Hofes; ich segnete den Kaiser, indem ich d'J.-d rcro sprach und erklärte, definirte darauf die Stellung, den die o*jn3 ehedem und jetzt einnahmen uttb habe dann mit den Worten geendet: E. M. stehen jetzt im 40. Lebensjahre; möge damit die kürzere Lebenshälfte, so reich an manchen trüben Erfahrungen zu End? sein, und möge von Jerusalem an die zwettd freudenvolle beginnen. E. M. haben allen Nationalitäten und Glaubensformen in dem weiten Kaiserreiche gleiche Rechte und so auch meinen Glaubensgenossen einen freien Raum für deren Thätigkeit zu Theit werden lassen; mögen E. M. dafür finden in Ihrem Herzen, in Ihrem Hause, in Ihren Staaten, in den Beziehungen zu den andern Staaten Frieden. S. M. schien sehr gerührt, und dankte sehr; Graf Caboga, Consul, ließ den Fregatten-Capitain, Qberstlieutenant tunk, einen Juden, Gen.-Adjutanten des Admirals egetthof rufen, um mir zu zeigen, daß der Kaiser einen hochgestellten Glaubensgenossen in seiner unmittelbaren Nähe aus der Reise habe. — Unsere Mädchenschule, die 60 Kinder zählt, ist eine wahre Oase in der Wüste; es thut einem wohl, diese lieben Kinder, die bis jetzt vollständig verwahrlost waren, kennttttßreich und gebildet zu sehen. Diese Anstalt, vollständig von der Freifrau Lionel v. Rothschild unterhalten, ist die größte Wohlthat; die Heranbildung der jungest Mädchen zu verständigen Frauen und Müttern wird der nächsten Generation zu Gute kommen. Um die Mädchen zu veranlassen, sich nicht allzufrüh zu verheirathen, sind zwei Preise, jeder von 1000 Piaster (200 Franken) für die bestimmt, die 3 Jahre die Schule besuchen, und sich erst zu 16 Jahren verheirctthett. Die beiden Knabenschulen, die eine mit 60 Knaben (Stiftung des sel. Joseph Blumenthal) die andere mit 40 Knaben, Stiftung Lammel, leisten bedeutende Dienste, indem außer dem Hebräischen das Arabische als Landessprache regelmäßig gelehrt wird. — Die Handwerksanstalt, von Cincinnati in Amerika unterstützt, die Brodvertheilung, die Wöchnerinnen-Aanstalt der Frau B. James v. Rothschild, leisten die brillantesten Dienste und erleichtern der armen Bevölkerung das Leben. DaS Spital ist der größte Owri mp; über 13,000 Personen erhalten jährlich (außer den 476 Kranken, die in den Betten liegen) ärztliche Hilfe und Medicamente, eine große Anzahl von Christen und Muselmännern nehmen daran Theil, und erheben den NamenIsraels; durch nichts mehr als durch das hat die Famile Rothschild sich um ihre Glaubensgenosien verdient gemacht. Mit den besten Wünschen o&n -p-Q'* Hochachtungsvoll und ergebenst Albert Cohn.

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