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Der Israelit · 1869-12-29 · Heft 52 (29.12.1869) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 52 (29.12.1869)
Date
1869-12-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1010 Der Ober- und LandeSrabbiner Hera: vr. S. Hkohn aus Mecklenburg-Schwerin hielt rot) in der Synagoge hierfelbft vor einer zahlreichen Versammlung, in welcher sich auch mehrere chriftl. Bürger besannen, ein iSO.-i ab, nachdem er schon am Grabe eine kurze aber inhaltsreiche Rede gehalten, welche die ggnze Trauer-Versammlung tief erschütterte. Er hob im Umrisse die zahlreichen Verdienste des frommen Verblichenen in einem hinreißenden Redeströme hervor. Zum Haupttexte wählte er die Worte p'121 TW ‘.ro'.Dfia und legte dar, wie der fromme Verstorbene ganz im Sinne dieses erhabenen Ausspruches sein Leben hindurch gewirkt und gestrebt, wie er ganz dem heiligen Glauben, der reinen Wahrheit und der Treue gelebt und wie er alle Kräfte seines Geistes und Körpers nur seinem Berufe als Lehrer und Rabbiner geweiht und geopfert hat und schloß mit dem Tröste, daß der Verblichene eigentlich sür uns nicht gestorben, daß er vielmehr, durch seine edleu Beispiele, mit welchen er uns in jedem Augenblicke feines Lebens und in jeder That und Handlung vorleuchtete, durch seine guten und weisen Lehren, die er unter Jung und Alt ausgestreut und durch die frommen Institutionen, welche er in hiesiger Gemeinde gegründet, in unfern Herzen fort und fort lebt und fick ein ewiges, unvergängliches Denkmal in der Mitte der Gemeinde errichtet hat. Auf diese Weile bewährt sich nun vollkommen der Ausspruch unserer Weisen TOiüd "Ci. B. (Nachbemertung der Red.: Auch uns erfüllt diese Trauerkunde mit tiefem Schmerze; auch wir haben in dem Heimgegangenen einen edlen Fe.-nd, einen treuen Mitkämpfer verloren Oftmals sind Cyrrefpendenzen aus seiner Feder in diesen Blättern erschienen. DaS ganze Leben des zu früh Dahingefchiedenen, war den Grundpfeilern der Welt m.n n"Ji nTlJj; gewidmet. Er war ein treuer Arbeiter im Weinberge des Herrn Zebaoth; nun hat ihn Gott, der Herr, zu Sich gerufen. Er weilt fetzt im Schatten der göttlichen Majestät» aber All", die den iDSjn kannten, bat er zurückgelasseu in tiefer Trauer. n"3M5J"j"n! —) Österreichischer Kaiserstaat. Wien, 17. Drc. Minister Or. Giskra empfing am Dienstag eine Deputation der israelitischen Gemeinde BoSkowitz, welche dem Minister das Ehrenbürqerrecht der genannten Gemeinde überbrachte. Dr. GiSkra versicherte, wie ein Brünner Blatt miübeilt, die Deputation seiner regen Theilnahme an der Förderung der jüdischen Angelegenheiten, gleichviel in welcher Eigenschaft er dies zu bethätigen in die Lage kommen sollte. — PeW. Nirgends konnte man den ersten Tag rpi;n, in seiner eigentlichen Wortbedeutung, besser feiern, als hier in der Schwarzadlergasse, indem man dort amSonntag das neuerbaute jüdische Knabenwaisenhaus einweihte. Wir brauchen die Wehlthat einer solchen Anstalt für elternlose Kinder nicht zu erklären; nur müssen wir hervorheben die Schönheit und gnie Einrichtung dieses Gebäudes. Es enthält zwei Stockwerke, einen schönen, lichten Hof, alles rein und commode. Bei der Einweihung waren auch mehrere christliche Persönlichkeittli; mehrere Gemeindemitglieder haben in ihren, bei dieser Gelegenheit gehalienen Reden, über den Bau und das Zustandekommen der Anstalt und über die Zw ckmäßigkeit und Nothwendigkeit derselben gesprochen. Abends gab man eine Chanukah Mahlzeit, bei welcker viele Gäste waren, die die Waisenkinder auch rcicblich beschenkten. Auch der hiesige israelitische Frauenverein hat hier ein jüdisches Mädchenwaisenbaus gegründet und hat auch den Chanukah dazu benützt, um die armen Waisen-- mädcheu mit guten W'uterkleidern zu versorge-'. — Wohlthatigkeit kann mau der Pefiher Gemeinde nie absprecbeu. (Jüdische Pesther Zntung.) Oderberg. Samstag Nachts wurde unweit der Bahnhofshalle in Oderberg der Leichnam eines jungen Mädchens, welches in schauderhafter Weise mißbraucht und sod.'UU ermorde? wurde, ausgesnnden. Ueber di seS Verbrechen kommen uns folgende Details zu: Di^ Unglücklich-?, die 16jährige Johanna Otto, Tochter e-ues jüdischen Kaufmanns aus Kremsier, reiße der Trauung ihrer Cousine wegen nach Oderberg. In einer Zwischenstation stieg in das Coups, in welchem sie saß, ein etwa 36jähriger, anständig gekteideter Manu, der wahrscheinlich an dem schönen Mädchen Gefallen fand, denn er beschäftigte sich während der ganzen Strecke ausschließlich nrit ihr und gestand ihr, daß er sie trotz der kurzen Bekanntschaft innig liebe und sie zum Weibe haben möchte. Das Mädchen, welches einen streng sittlichen Lebenswandel geführt, wies diese Anträge m t der gebührenden Entrüstung zurück und gab dem Zudringlichen, der, in Oderberg angelangt, Miene machte, sie in den Ort zu begleiten, durch Worte zu verstehen, daß sie auf dieses Vergnügen vlrzictte. In der That soll der Unbekannte st tr einige Schritte zurückgezogen, fick kurz darauf wieder zu ihr gesellt und sie mit seinen LicbeSanträgen gepeinigt haben. Als er seine Bemühungen an der Charactersestigkeit des Mädchens scheitern sah, mußte er das arme Mädchen, wie die Erhebungen ergaben, zu Boden geschleudert, sie auf entsetzliche Weise geschändet und sodann ermordet haben. Die Unglückliche, die erst am kommenden Morgen von einigen Ortsbewohnern aufgefunden wurde, hatte die Brustdecke eingedrückt; außerdem zeigte dos Gesicht, die Hände und der Hals mehrfache Hautabschürfungen und Contusionen. Am Halse scheinen die Verletzungen vom Würgen herzurühren.

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