Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 52 (29.12.1869)
- Date
- 1869-12-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1008 Fürth, 13. Dezbr. Die Agitationen für die demnächst erfolgende Neuwahl der jüdischen Gemeinde- Repräsentanten haben bereits begonnen. Voraussichtlich wird der Kampf ein sehr heftiger werden. Abgesehen davon, daß es sich diesmal darum handelt, die ganze Vertretung — bestehend aus fünfzehn Mitgliedern — zu wählen, werden wahrscheinlich beide Parteien ihr Möglichstes aufbieten, den Sieg zu erringen, da nach einem Beschlüsse der jetzigen Verwaltung, den die königl. Regierung bereits genehmigt hat, jeder an hiesiger Gemeinde Steuerzahlende, selbst wenn er nicht dahier heimathberechtigt ist, für wahlfähig erkärt worden. Von Seiten der Orthodoxie ist man sofort nach Bekanntwerden dieses Beschlusses in Thätigkeit getreten, da die neue Maßregel lediglich darauf ausgeht zu majorisiren, indem man hofft, selbst bei der größten Gleichgiltigkeit vieler Gemeindegenoffen durch Austreiben junger Geschäftsgehilfen der Orthodoxie, die vereint und gesinnungstüchtig dasteht, eine Masse entgegen zu werfen, durch welche diese unterliegen müsse. Es ist daher in diesen Tagen ein Protest in Umlauf gesetzt worden, der gegen den bemeldeten Wahlmodus Verwahrung einlegt und bereits von einer großen Anzahl Unterschriften bedeckt ist. Ob derselbe ein entsprechendes Resultat erzielen wird, ist sehr zweifelhaft; jedenfalls aber ist es Pflicht, den einmal begonnenen Kampf tapfer durchzuführen, d. h. selbst bei Verwerfung des Protestes den Wahlkampf nicht zu scheuen, und sollte bei demselben nicht vollkommene Garantie für Gewissensfreiheit geboten werden, den Weg der Trennung einznschlagen. Unterdeß hat sich in der hiesigen Localpresfe eine Polemik entsponnen. Wir können uns mit der Erwiderung auf das im Fürth r Tageblatt Nr. 296 befindliche Eingesandt bis aus ein geringes einverstanden erklären. Auch wir „weisen es entschieden zurück der neologen Partei entschieden entgenzutreten"; auch wir beabsichtigen, womvg'ich auch fernerhin den Frieden in unserer Kulmsgemeinde zu erhalten." Aber wenn dieses nur dadurch geschehen soll, daß man „die Rechtsverkümmerung des größer» Theils unserer Kultus - Gemeinde - Glieder thunlichft zu verhindern sucht", alsdann müssen wir dem provisorischen Comito, das diese Erwiderung unterzeichnet hat, strikte entgegentreten. Nicht allein die Rechts Verkümmerung bei bevorstehender Wahl, wodurch die Vertretung der Orthodoxie im Gemeinde-Ausschuß aufhören solle, sondern die Verkümmerung unseres ersten und heiligsten Rechts, der Gewissensfreiheit, ist es, welche zu verhindern wir Alles aufbieten müssen. Auch wir wollen den Frieden; aber Friede - das ist Gewissensfreiheit. Wohl ist es einerlei, ob die Vertretung aus Leuten bestehe, welche auf dem Boden des traditionellen Judenthums stehen oder der Neologie huldigen; nur dürfen wir es nicht dulden, daß Gewissenszwang geübt werde, daß Männer an die Spitze der Verwaltung gesetzt werden, welche — um es gelinde zu sagen — das ganze Gebäude der Tradition, wie es in v'pv'Si d"p aufgeführt ist, bei erster bester Gelegenheit gänzlich unterwühlen wollen. Haben wir nicht schon genug der Bedrückung, als daß wir noch zugeben könnten, daß uns eine Freiheit nach der andern geraubt werde? Wie sieht es mit unserer ncrntp und der Fleischbank aus? Genügt es, daß wir dieselbe für den Augenblick in Händen Solcher wissen, die unö als solche vollkommen zusagend Müssen wir nicht feste Garantie dafür haben, daß unter allen Umständen Männer dieselbe handhaben, die von einem dem orthodoxen Juden zusagenden Rabbiner öffentlich sich dürfen prüfen lassen? Ist es genügend, wenn meiner nPnp die mpn unterhalten und beaufsichtigt wird von einigen Privaten, die für allgemeines jüdisches Wohl Sorge tragen? Muß auch nicht dafür ein Rabbiner existiren, dem die Beaufsichtigung über dieselbe übertragen werden kann und darf von Seiten der Gemeinde? Und unser Gottesacker, auf dem -»nn ^na von jeher ihre Ruhestätte gefunden haben, wie yy? rru->Np G a-joostn 'n ,jro jo^t 'n und viele, viele andere, wie kann man es ruhig mit ansehen, wenn in nächster Nahe der Dnap Bäume angepflanzt werden, ohne sich ein Gewissen daraus zu machen, daß der -jnj; in1?® ausdrücklich bestimmt nm r.cn;o, und hier stehen die Bäume so nahe, daß ihre Wurzeln in die Gräber hineinreichen! Ich könnte der Uebelstande noch manche aufzählen, die lediglich ihren Grund darin haben, daß die Orthodoxie eines Rabbiners entbehrt, der dafür sorgt, daß die Institutionen einer üdischen Gemeinde nach Vorschrift bestehen und dem Gewissen kein Zwang auferleot werde. Doch für heute wollen wir "schweigen und es nach Klarleguag der angegebenen Verhältnisse dem gesunden Sinn unserer gesetzestreuen Juden anheimstellen, ob sie nur der geringen Rechts-Verkümmerung bei der Wahl entgegen zu treten haben, oder ob sie dafür zu sorgen haben, daß nicht Männer an die Spitze kommen, denen die Anordnungen des ‘jny nicht veraltete Tborheiten sind. Dchwabach im Dec. 69. Auf Anregung des hiesigen Rabbinats wurden von der k. Seminar-Jnspection die jüd. Seminaristen am t Schullehrer- Sem'nar dahier von Freitag Nachmittag 4 Uhr an bis Samstag Vormittags 10 Uhr vom besuche des Seminars dispensirt, damit dieselben Freitag Abends und Samstag Früh dem öffentlichen Gottesdienste beiwohnen können. Die k. Inspektion bat auch unaufgefordert in echt humaner Weise den Stundenplan derart umgeändert, daß die jüd. Seminaristen durch ihr Wegbleiben vom Seminar beinah nicht eine Unterrichtsstunde versäumen brauchen. Ein Beweis, mit welcher Bereitwilligkeit die k. Behörden uns in