Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 51 (22.12.1869)
- Date
- 1869-12-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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996 Und diese Spracke erlaubt sich Herr Dr. Sonnenschein einer Gemeinde gegenüber, dte ihm die Ueberfahrtskosten befahlt, ihm Urlaub gegeben, um seine Frau aus Europa zu holen und eine ansehnliche Summe gesammelt, um seine Wohnung mit Möbel zu versehen. New-Noxk, 2- Dez. Präsident Grant hat einer israebtt schon Deputation seine Verwendung bei dem Kaiser von Rußland zugesagt, um die Lage der Juden in Rußland zu verbessern. A u st r a l i c u. Nelson (Neu-Seeland.) Am 29. August wurde dahier eine neue Synagoge eingeweiht. Die jüd. Gemeinde ist nicht groß, hat aber kein Opfer gescheut, ein Gotteshaus zu errichten. In demselben ist bequem Raum für 100 Personen. Der Einweibung wohnten sämmtliche Behörden und viele andere Christen, bei, die überhaupt viel zum Bau beisteuerten. Feuilleton. Ier Traum in seiner Deutung und Bedeutung. Eine historische Studie. Don Ahr. Tendlau. (Fortsetzung.) In Hinsicht auf die Deutung selbst aber heißt eS bei tsn Rabbinen einerseits: „Es gibt keinen Traum, für welchen es keine Deutung gibt," — und anderseits : „Ein Traum, der noch nicht gedeutet ist, gleicht einem Briefe, der noch nicht gelesen," — und: „Alle Träume gehen nach dem Munde" — des Auslegers, erfüllen sich gemäß der Deutung. — So auffallend dieser Ausspruch ist, so kann doch die Meinung nicht und wie Einige glauben, etwa sein „nach dem Munde", d. h. nach dem, was man den Tag über gegessen und getrunken. — Wohl heißt es daselbst auch tinuwl: „Man läßt den Menschen im Traume nur seine Herzensgedanken schauen; noch nie ja hat man den Menschen im Traume ein Ungewöhnliches sehen lassen, einen goldnen Palmbaum oder einen Stephanien durch ein Nadelöhr gehen?" Aber jener Ausspruch wird nicht nur ausdrücklich aus den Bibelvers (1. B. M. 41, 13): gestützt: „Wie er uns gedeutet so ist's erfolgt," es wird auch (nach Vers 12) die Bedingung gestellt, daß die Deutung dem Traume entsprechen müsse, nicht reine Willkür sein dürfe. — Es wird daher auch angerathen, einen ungünstigen Traum, den man gehabt, nicht sobald zu erzählen, weil er eben durch die Deutung zur Wahrheit werden könnte. — Auch wird in dieser Hinsicht folgende interessante Geschichte mitgetheilt:*) Zn Pumbeditha in Babylonien, am linken Ufer des Euphrat, lebte im Anfänge des vierten Jahrhunderts ein Traumdeuter mit Namen Bar-Jdia. Der Traumdeuter genoß einen guten Rns und ließ sich seine Kunst gut bezahlen. Wer ihm seine Deutung zahlte, dem legte er den Traum zum Guten aus; wer ihm kelneu Lohn dafür geben wollte, dem deutete er entweder den Traum gar nicht oder legte ihm denselben gar zum Bösen aus. — Zwei Männer, beide angesehene Lehrer an der Hochschule zu Pumbeditha, der eine mit Namen Maja. der andere mit Namen Raba, kamen einst zu ihm mir einem und demselben Traume. Abaja zahlte; Raba zahlte nicht „Wir lasen", sprachen Beide, „im Traume'den Vers (5. B M. 28. 3): „„Dem Ockö wird vor Deinen Augen geschlachtet, und Du wirst nichts davon essen'"" — Zu Raba, der ihm nickt gezahlt, sprach der Traumdeuter: „Du wirst in Oemen Geschäften einen großen Verlust erleiden und vor Herzenskummer nicht essen können." — Zu Abaja hingegen sprach er: „Du wirst in Deinen Geschäften einen unerwartet großen Gewinn erlangen und in der Freude Deines Herzens nicht essen mögen." — Ein andermal kamen beide Männer wieder und sagten, Nachdem der eine wieder bezahlt, der andere nicht bezahlt hatte: „Wir lasen im Traume den Vers (Das. 28, 41:) „„ Söhne und Töchter wirst du bekommen, doch werden ne dir nicht bleiben? — "" Zu Raba sprach der Mann: „Du hast den Vers in seinem wörtlichen Sinn zu nehmen: Deine Söhne und Deine Töchter werden Dir vom Himmel wieder genommen werden." — Zu Ab-rja hingegen: „Deine Söhne und Deine Töchter werveu. weil sic zahlreich sind, in die Fremde sich verheirarhen!— Dann kamen sie wieder und sprachen: „Wir lasen im Traume den DerS (Das. 28, 32): „„Deine Söhne und Deine Töchter werden einem andern Volke hingegeben!"" — Zu Abaja sprach er: „Du wirst eine Menge Söhne und Töchter haben. Du wünschest ne mit Deinen Verwandten zu verheirarhen; Deine Frau aber mit ihren Verwandten. Deine Frau trägt den Sieg davon, und so kommen Deine Söhne und Deine Töchter in die Hand eines für Dich scheinbar fremden Volkes." — So zu Abaja; zu Raba hingegen sagte er: „Vor dem Uebersall eines Feindes soll uns der Himmel bewahren! Aber Deine Frau wird sterben; Du wirst eine andere Frau nehmen, und so kommen Deine Söhne und Deine Töchter vor der ersten Frau *) Wir haben zwar folgende Erzählung schon einmal im „Israelit" gegeben (Jahrgang 65 Nr. 15); wir glauben aber, nicht nur in Rücksicht auf die unterdeß neu hinzugekommenen Abonnenten, sonrern auch um des Ganzen willen, dieselbe hier noch einmal geben zu dürfen.