Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 51 (22.12.1869)
- Date
- 1869-12-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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4* schlug damit die vorn am Bette liegende Frau todt. Es war der Schultheiß selber, der in der Meinung, das Mädchen liege vorne, auf diese Weise sich das Geld desselben bemächtigen wollte. Dem Mädchen gelang eS, zu entfliehen. Es machte Lärm; mehrere Bauern kam herbei. Wer malt den Schrecken des Schultheißen, der nun sah, daß er seine eigene Frau erschlagen! Derselbe sieht seiner gerechten Strafe entgegen. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 10. Dec. Der Kaiser hat bei seiner Anwesenheit in Jerusalem dem Dr. Ludwig August Frankl, der bekanntlich die Simon v. Lämmei'sche Anstalt begründete, den Franz Joseph-Orden zu verleihen aeruht. . Drahabitsch. Die das hiesige Gymnasium besuchenden Israeliten wurde vom Schulrath vcn dem Unterrichte an Sabbath- und Feiertagen dispensirt, und wurde der Stundenplan derart geändert, daß denselben keine weiteren Nachtheile daraus entstehen. (Ib. An.) Holland. Amsterdam. In der definitive» Ausstellung des Budgets der Kolonie Surinam sind auch 3500 fl. für den Oberrabbiner und 4000 fl. für die beiden isr. Gemeinden als Staatsbeiträge verzeichnet. (N. I. W.) Frankreich. Paris. Herr Carcassonne wurde wiederholt zum Rickter des Handelsgerichts zu Marseille erwählt. Ebenso wurde Herr Leon Simon zum Richter des Handelsgerichts zu Metz ernannt. (Univ. isr) Schweden. Stockholm. Der König hat dem persischen General - Consul in Alexandrien, Herrn Oppenheim den Wasaorden verliehen. Amerika. New-Bork, Ende November. Die Beschlüsse der famosen Rabbinerconserenz zu Philadelphia liegen nun vollständig vor; wir geben daraus folgenden Auszug: Als Cultusprincipien hat dieselbe verkündet, daß der Messias nicht kommen werde, daß der Untergang des jüdischen Staates kein Unglück gewesen, daß der Opferkultus ein überwundener Standpunkt, daß die Pflichten und Rechte der Kohanim unstatthaft, daß die Auserwähltheit (sie!) Israels nach wie vor scharf zu betonen, daß Q’non rv’nn, die Wiedererstehung der Tobten keine Begründung habe, daß die hebräische Sprache vor der verständlichen zurückweichen (sie!) müsse. In Bezug auf die Ehe ge setze wurde beliebt, daß künftig auch die Braut den Bräutigam mekaddesch sein und ihm einen Ring an den Finger stecken solle, daß die Trauung nicht mehr nvo rro stattfinden , daß statt der herkömmlichen Berachoth eine neue und zwar -in» -ibq!? vm eingeführt werden, daß die Vielweiberei nicht erlaubt sei, *) daß die besonderen Ehevorschriften für die Kohanim zu existiren aufgehört hätten — jerner, daß wenn Mann und Frau auseinanderlaufen, dieselben sich ohne Scheidung (M nuvo) wiederverheirathen dürfen, daß die von dem Landes gesetzt für todt Erklärten unwiderruflich todt seien (auch wenn sie noch leben sollten,) daß endlich Iibum und Chalizah weder Sinn noch Bedeutung, noch bindende Kraft haben. In Bezug auf die Beschnei düng erklärt die Rabbinerconserenz, daß künftighin bei dem männlicken Kinde ebensowenig eine besondere Ceremonie nöthig sei wie bei dem — weiblichen!!!! In Bezug auf den Sabbath erklärt die Rabbinerconferenz, daß der Sabbath zu den wichtigsten Institutionen des Judenthums zähle, daß aber, wo das Schließen des G eschäftslokals während des öffentlichen Gottesdienstes nicht ermöglicht werden könne, ein alle 14 Tage abzuhaltender SonntagSgottesdienst eingeführt werden solle. Wir brauchen wohl nichts hinzuzufügen; diese Beschlöffe sind charakteristisch genug. New-Bork. Wir brachten vor einiger Zeit die Nachricht, daß Herr Dr. Sonnenschein die Predigerstelle an einer Reform-Gemeinde in St. Louis angenommen, obgleich er mit einer Gemeinde in New- Aork noch einen Vertrag auf drei Jahre hatte. Charakteristisch ist es nach einer Correspondenz im „Jew. Messt" den Grund dieses plötzlichen Vertragsbruchs zu vernehmen. Zu meinem großen Bedauern, schreibt Herr vr. Sonnenschein an den Vorstand der Gemeinde, bin ich gezwungen, meine Stell.' als Rabbiner Ihrer Gemeinde aufzugeben, weil ich aus Ihren letzten Versammlungen entnommen, daß die Einführung von Reformen auf Kosten des Friedens der Gemeinde erkauft worden feien. Ich verlasse dieses Feld und folge einem Ruf nach St. Louis. Ich bin, wie Sie wiffen, ein ausgesprochener Gegner von allem Schwankenden und Unentschlossenen. *) Fürchten etwa die Herren, daß sich die amerikanischen Reformjuden den Mormonen anschließen werden?