Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 51 (22.12.1869)
- Date
- 1869-12-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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994 im Familienkreise den Kaffee genoß, durch einen Herzschlag plötzlich den Seinigen genommen. — Der Verstorbene, ein Freund alles Edlen und Guten, war bekanntlich ein ebenso tüchtiger Redner, wie Sprachkenner. *) Oestrich. M. Rosenwald, Lehrer. Aus Halberftadt, 26. Oct., wieder „Magdeb. Zeitung" geschrieben: Gestern, Mittwoch, den 27. d., feierte der Lehrer, Herr Hirsch Joseph, hierselbst, sein 50jähriges Jubiläum im Kreise seiner Familie mit Hinzuziehung der Geschwister Nathan, bei deren Eltern, welche ihn als Waise in ihr Haus ausgenommen haben und ibn unterrichten ließen, er auch seine Laufbahn als Hauslehrer im Jahre 1819 eröffnet^. Selten hat wohl, schreibt das hiesige „J.-B.", ein Lehrer soviel gewirkt, wie dieser Jubilar. Abgesehen von seiner 40jährigen Thätigkeit in der hiesigen israelitischen Schule, so daß die meisten jüdischen Gememdemitglieder seine Schüler und Schülerinnen sind, hat er über tausend Kauf- und Geschäftsleute in Handelswissenschaften ausgebildet. Die Zahl der Geschäftsleute und Beamten, welche sich aus seinen verschiedenen kaufmännischen Werken selbst gebildet, ist nicht anzugeben. Auch jetzt arbeitet er noch mit Jugendkraft und hat im Alter von 67 Jahren noch die Freude, sein neues Rechenbuch nach dem neuen Metermaaße und dem neuen Gewichte erscheinen zu sehen. Möge der Himmel ihn noch lange seiner Familie gesund erhalten und er noch viele Jahre der Welt nützlich sein — ein Wunsch, in welchen der Red. d. Bl. (der Magdeb. Ztg. nämlich) als Schüler des braven Jubilars, von ganzem Herzeneinstimmt. — Kiel. Das städtische Collegium versprach der isr. Gemeinde, als sie vor einigen Jahren eine Synagoge bauen wollte, einen Bauplatz unentgeltlich zu geben, hielt aber, als zum Bau geschritten wurde, sein Wort nicht. Die isr. Gemeinde hat inzwischen die Synagoge gebaut, ist aber noch 6400 Thlr. darauf schuldig. Neuerdings kam diese beim städtischen Collegium um einen Beitrag aus der Stadtkasse ein, wurde jedoch mit ihrem Gesuche zurückgewiesen. (Hamagid.) Htus Ostpreußen. Uns liegen hier verschiedene jüdische Zeitschriften vor; alle beweisen einen regen Eifer für die Sache der Glaubensgenossen in Westrußland. Die Alliance Isr. Univ. ist von der besten Absicht beseelt, psa -vyb dem Verfall zu steuern. Mehrere Cotnitös mit größerer und geringerer Befugniß ausgerüstet, wollen die Auswanderung der Unglücklichen leiten und fördern. Binnen Kurzem soll *) Auch uns hat diese Nachricht heftig erschüttert. Der Verstorbene war, als wir noch die ftühere Vorortschule in M. besuchten, Lehrer an genannter Anstatt und der damit verbundenen Elementarschule gewesen. nun die „jstd. Völkerwanderung" ins Werk gesetzt und dadurch die Erlösung unserer leidenden Brüder angebahnt werden. Dazu sind bereits hie und da namhafte Beiträge gesammelt und die Wege bezeichnet worden. So uneigennützig und löblich aber auch Euere Absichten sind, Ihr Retter in der Roth, so wagen wir es dennoch, aus inniger Überzeugung Euch zu sagen "vin xbi Dipn — Die Auswanderung wird und kann nicht zu Stande kommen, — einfach darum, weil die polnischen Juden, welche unsere Theilnahme verdienen, — nicht auswandern wollen. Die jüdischen Eltern in Polen betrachten es als ein Unglück, wenn ihre Söhne nach Amerika gehen. Sie wissen, daß sie dort um ihr Juoenthum kommen, daß sie Alles, was ihnen bisher heilig war, verletzen. In Amerika ist keinIivj/, kein mpo, kein n’2, keine nüTir, ja auch kein nia aiv rüff. — Sie sollen daheim „gute Juden" bleiben, sich früh verheirathen und überhaupt von D’ttn npn sich streng fern halten. Was nützen ihnen auch Euere Bildungsanstalten? Diese würden eben so wenig, wie die Kronsschulen srequentirt werden. — Jeizt ist drüben in Rußland wieder Brod, und der Kleinhandel befriedigt die allerdings geringen Bedürfnisse; warum sollten sie nun in Masse auswandern? — Wenn jedoch Einer oder der Andere das Heimathsland verläßt, so sind dies meist Durchgänger, denen Treue und Glauben seil sind und solche — wissen auch ohne Unterstützungscomito fortzukommen. Also vjsd xbtP cn?o pn;\v. Zudem werden von Seiten der russischen Behörde gegen die Auswanderung alle Hebel in Bewegung gesetzt und die Strafandrohung verschärft. Wehe dem Ausländer, der drüben als Agent der Auswanderung aufgegrifsen würde, und an fehlt es dort nicht. — Das wissen wir hier ganz genau und der bekannte Artikel im „Golos" kann's Euch bestätigen. Darum -vj cdp vtj! cnyip tw )jn?n 'xvi Wir bitten die Herausgeber jüdischer Zeitschriften dringend, diese Mittheilung zu verbreiten. Schrimm. (Privatmitth.) Ein in Posen in Diensten stehendes isr. Mädchen, welches vor wenigen Wochen hierhergekommen, um ein ihm zugefallenes Erbe von öOO Thlr. .in Empfang zu nehmen. Bei seiner Rückreise nach Posen war es gezwungen, auf einem Dorfe, in welchem es kein Wirthshaus gibt, zu übernachten. Es wandte sich deßhalb an den Schultheiß um ein Nachtquartier, das derselbe ihm auch unter der Bedingung in seinem Hause gewährte, daß es sich in Ermanglung eines besondern Bettes mit seiner Frau in ein Bett legen müsse. Es geschah ^so. Das Mädchen lag vorn und die Frau des Schultheißen hinten. Nach einigen Stunden ersuchte die Frau das Mädchen, mit ihr den Platz zu wechseln, va sie so nicht schlafen könne. Das Mädchen ging bereitwillig daraus ein. Um Mitternacht schlich sich Jemand mit einem Beile in der Hand in das Schlafzimmer und