Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 51 (22.12.1869)
- Date
- 1869-12-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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- Brilon 1× ep/1047853
- Lünen 1× ep/1045106
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X. Jahrgang. Beilage z« Rr. 51 des Israelit. geitttrrgsnaLhrrchten und Correspondenzen. Deutschland Aus WeftpHaleu. U^ber die Wiederbesetzuug der burcfc den Tod des unvergeßlichen Ober-NabbinerS Sn ro y'y'3 vacant gewordenen stelle eines Oberrabbiners von Westphalen bat man bis jetzt noch nickt das Geringste erfahren. Sind wir von der Stimmung der Mehrzahl der zum genannten Rabbinatsbezirke gehörigen jüd. Gemeinden genau unterrichtet, fo dürfte auch, falls die Regierung sich nickt ins Mittel legte und den Gemeinden einen Rabbiner vctroyirte — und daß sidas thun werde, können wir auch nickt gut glauben, indem man das Cultnsgesetz vom 23. Juli 1847, nach welchem es in der Willkür der Gemeinden liegt, ob sie Rabbiner anstellen wollen oder nicht, noch so häufig als zu Recht bestehend erklärt — auch so bald noch nicht zu denken sen; wenigstens werden, so vi l steht fest, viele neologe Gemeinden der Wiederbefetzung der in Rede stehenden Stelle sich mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln widersctzm. Denn - so hört man von den Reformern häufig sprechen — wozu bedürfen wir eines Rabbiners? Bei uns kommen keine vor; diejenigen O'v.-vL', die sich dd:d sein lassen wollen, können nach Düsseldorf gehen, und sich bei dem dortigen, oder einem andern Rabbiner apprcbiren lassen. Und doch dürfte -- und das geht schon aus unserm, seit länger als zwei Jahren in diesen geschätzten Blättern über die religiösen Zustände Westfalens veröffentlichten Berichte zur Genüge hervor — ka rm eine andere Frage einer dringenderen Erledigung bedürfen, dürfte vielleicht nichts mehr d r Dringlichkeit und Beschleunigung erheischen, als eben die in Rede stehende Wrederbcsetzung des Rabbinatspostens in Münster, gleichviel, ob der Anzusieüende als Oberrabbiner für ganz Westphalen, oder blos für die zum RabbinatSbezirke des sel. Sutro gehörigen Distrikte der Regierungsbezirke Münster, Arnsberg und Minlen gewählt würde*). *) Wie bekannt, war der sel. Sutro blos bei seiner Anstellung Rabbiner für den Regierungsbezirk Münster; später kam von dem Regierungsbezirk Arnsberg die Mark, und dem Regierungsbezirk Minden die sog. paderborner Gegend hinzu. Ein großer Theil des Regierungsbezirks Minden hat bis jetzt unter keinem Rabbinate gestanden, so wie auch diejenigen zu dem ehemaligen Rabbinatsrefsort Brilon gehörigen Gemeinden des Regierungsbezirks Arnsberg seit dem Tode des vor etwa 15 Jahren vwstorbenen Rab. Friedländer zu Brilon, so daß sie in rel. Beziehung wn vr>l> pi> irb ]t><: umherirren. denn nirgendwo dürsten die jüdischen rel. Institutionen wie rrrajn mm “irnä? rrKipo mehr brach liegen, als in Westphalen; ja gerade hier wäre ein Mann, von solcher Begeisiernug für das wah-hafte und echte or!hodoxe Judenthum, von sol'er aufopfernder Thatkraft beseelt, wie Herr Dr. Hildesheimer zu Berlin am rechten Platze; ein Mann, der es versteht, den so tief gesunkenen rel. Sinn zu beleben und den vernachlässigten rel. Institutionen wieder frisch pulfirenden Lebensodem einzuhauchen. Doch hierüber, wie über so manches Andere mit dieser Frage in Verbindung stehende künftig Ausführlicheres. Oestrich. M. Rosenwald, Lebrer. AirS Westphalen. Am Dienstag den 30. November wurde in Lünen. einem Städtchen im Kreise Dortmund, ein höchst seltenes Fest gefeiert; es war dieses nämlich die Feier einer diamantenen Hochzeit. Die Glücklichen waren die jüdischen Ebeleute N. Maier, der Mann im Alter von 97, die Frau von 83 Jahren. An dem Feste nahmen nicht weniger als 34 Enkel und Urenkel Theil. Von Nab und Fern liefen Glückwünsche ein, sogar von Amerika, aus Pittsburg von einem Sohne und Enkel, per Kabeltelegramm. Eine Stadtvcrordneten-Deputatiori brachte dem Jubelpaare Namens der Stadt deren Glückwünsche dar. Von ganz besonders erhebender Bedeutung war die Feier nock durch den äußerst seltenen Fall, daß der eigene Sohn, welcher Lehrer ist, die wahrhaft ergreifende Festrede hielt und zwar über den passend gewählten Text: dmzi c’jpi mujf die Krone der Greise sind die Enkel. Auch vollzog derselbe die Wiedertrauung (?!) an den Eltern *) Bei dem später statt gefundenen Festessen wechselten ernste und heitere Toaste und gab das diamantene Jub'lpaor dabei hinreichende Beweise seiner noch regen Munterkeit und seines guten Appetites. Der alte Herr erfreut sich überhaupt noch einer vollkommenen Gesundheit und Frische. — Dem „Westph. Telegraph", wird aus Menden, Kreis Iserlohn, geschrieben: „Menden, den 9 Dec. Heute früh acht Uhr verlor unsere Stadt einen ihrer tüchtigsten Bürger. Herr I. Walbaum, seit langen Jahren Lehrer und Prediger der hiesigen israelitischen Gemeinde, wurde, während er *) Es ist dieses derjenige bei derartigen wie mRede stehenden Festen hin und wieder vorkommende Act, der uns mißfällt und die größte Rüge verdient. Denn nicht allein, daß d^e sogenannte „Wiedertrauung", — da pes»» o’jjerfn pc>7p — höchst lächerlich, sie ist auch zugleich eine Uebertretung des 3. Gebotes und sind deßhalb alle, in solchen Fällen gesprochenen Segenssprüche 7V213. Anmerkung des Eorrespondenten,