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Der Israelit · 1869-12-22 · Heft 51 (22.12.1869) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 51 (22.12.1869)
Date
1869-12-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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982: so beehren Sie mich mit Ihrem Besuche; ich habe ein Paar alle Hosen ak zugeben. O, machen Sie nicht ein so finsteres Gesicht! Diese Hosen werden Ihnen Freud' machen; sie sind noch ziemlich gut!" Und wiederum erscholl ein Lachen, welches das aus erschütterte. Nein, dieser liebenswürdige hohe err — es war eine Lust, ihm zuzuhören 1 „Doch genug deS Scherzes," sagte, als das Lachen verhallt war, der vermeintliche hohe Herr, „ich höre, daß die Gelehrsamkeit und Ueberredungskunst des vr. B. einen guten Eindruck auf Euch gemacht hat. Ibr sollt fortan immer mit ihm zusammen sein und sollt mich deßhalb nach Prag begleiten." Jetzt sing Joseph an, den Plan zu durchschauen; er begann vor Ausregung zu zittern und mußte sich die größte Mühe geben, sich zu beherrschen. Der angebliche Kirchenfürst hatte Eile; noch an demselben Nachmittag, fuhr er, von Joseph begleitet, von dannen. Die Mönche sandten dem liebenswürdigen Herrn die heißesten Segenswünsche nach; er hatte ihre Herzen im Sturm erobert. Vor dem Wirthshause eines ziemlich entfernten Dorfes hielt der Wagen des Kirchenfürften, der sich setzt schon als der alte, fröhliche Paulmann entpuppt hatte. Hier wartete Josephs eine neue Ueberrasckung: Seine Schwester Speranza mit ihrer Dienerin. Schon stand der leichte Reisewagen bereit; die kräftigen Pferde zogen an und liefen der Grenze des Kaiserstaates zu. Als die Mönche sich noch von dem liebenswürdigen Kirchenfürsten unterhielten, langte eine Equipage vor den Pforten des Klosters an. Wie war es doch seit einiger Zeit in dem sonst so einsamen Meinhardtsbrunn so lebhaft geworden! Eine vornehme Dame stieg aus und verlangte den Prior zu sprechen: „Ehrwürdiger Vater," sagte sie, „ich bringe Euch ein Schreiben vom Kirchenfürsten; ich wünsche meinen Sohn, den Grafen von Dornbach, zu sprechen.' Der Prior stand wie erstarrt. „Gnädige Frau," stammelte er endlich, „vor wenigen Stunden haben Se. Eminenz unser Kloster mit Hockdero Anwesenheit beglückt und haben den jungen Grafen mit sich zu nehmen geruht." Jetzt war die Reihe, zu erstaunen, an der Gräfin. „Unmöglich!" rief sie, „ich komme ja direct von Prag. Se. Eminenz können unmöglich hier gewesen sein." „Es ist so, wie ich Ihnen sagte, gnädige Gräfin. Se. Eminenz waren sehr heiter und haben es sich hier sehr wohl sein lassen. Die Stunden verflogen uns schier bei den Scherzen des hohen Herrn!" Das Erstaunen der Gräfin wuchs; sie hatte den Kirchknfürften noch niemals heiter gesehen; ein Verdacht stieg in ihr auf. x „Herr Prior," sagte sie, „kannten Sie Seine Eminenz schon früher?" „„Ich batte heute zum ersten Male die hohe Ehre!"" „Ich bitte Sie, Herr Prior, beschreiben Sie mir die Person des Kirchenfürsten!" „ „Seine Eminenz sind zwar von hervorragendem Geiste aber nur von kleiner Statur und wohlbeleibt."" „Unglücklicher, Sie sind betrogen! Der Kirchen? furft ist lang und hager. Ein frecher Betrüger hat Sie hintergangen, um meinen Sohn zu entführen! Der Kirchensürst dackte nicht daran, hierherzureisen." „„Hoho, Frau Gräfin, w'r haben aber ein Schreiben aus der hockmrstlichen Kanzlei empfangen, das uns hochdesien Ankunft vorher meldete! Mit Verlaub, Madame, wer sagt mir, daß Sie die Gräfin Dörnbach sind?"" „„Hier das Schreiben des Kirchmfürsten und sein Siegel!"" „Auch unser Schreiben ist mit dem fürstlichen Siegel besiegelt. Nein, Madame, uns täuschen Sie nicht. Sind Sie wirklich die Gräfen Dornbach, so reisen Sie nur nach Prag zurück, da werden Sie schon das Judenjünglichen finden, das Sie die Ehre haben, Sohn zu nennen. Und somit Gott befohlen!" Bei diesen Worten verließ er das Sprechzimmer, die Gräfin allein lassend. Diese hörte noch, wie er den Mönchen von dem frechen Frauenzimmer erzählte, das behaupten wollte, Se. Eminenz seien lang und hager; sie hörte noch daö Lachen der Mönche und den Ausdruck ihrer Entrüstung über diese bodenlose Frechheit. Die Gräfin hatte mit großer Freude von dem scheinbar guten Erfolge gehört, welchen vr. B. erzielt haben wollte. Sie hatte sich gleich, mit Empfehlungsbriefen des Kirchenfürften versehen, auf den Weg gemacht, um durch die Thränen und Bitten der Mutter das Werk der Bekehrung zu vollenden. Jetzt war ihr Sohn entflohen. Wohin? Doch wahrscheinlich nach der Grenze. Sie entschloß sich, ihm dorthin zu folgen. (Forts, folgt.) Hierzu zwei Beilage«. Verantwortliche Redaktion: vr-. Lehmann. - Verlag der Le Roux'schen Hotbuchhandlung. — Dampf-Schnellpreffendruck von I. Gottsleben in Mainz.

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