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Der Israelit · 1869-12-22 · Heft 51 (22.12.1869) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 51 (22.12.1869)
Date
1869-12-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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981 den. Aus der linken Seite einer andern Zelle steht ebenfalls ein Tisch, worauf die Worte geschrieben stehen: „Odo keaou tang,w, d. h. „die Halle der ausgezeichnetsten Religion"; daselbst befindet sich ebenfalls ein Dreifuß zum Nauchwerk, aber kein Rauchfaß. Die Juden nannten früher ihre Religion: „LLesn-eliuIikeaou", d. h. „indische Religion", aber später haben die Priester sie verwandelt in: „1"üsL0ii-jciu-Icsg.vu", d. h. „Religion, welche die Sehnen ausschneidet", weil die chinesischen Juden aus Allem, was sie genießen, die Sehnen wegschneiden. Die jüdischen Priester tragen beim Gottesdienst blaue Mützen und blaue Schuhe, jedoch ist dies blos den Gelehrten gestattet; den gewöhnlichen Gliedern der Gemeinde ist es nicht gestaltet, mit Schuhen in die Synagoge zu gehen, auch dürfen die Frauen daselbst nicht mit ihren Kopftüchern erscheinen. — Ehe man die Synagoge betritt, müssen sowohl Männer als Frauen sich waschen, und zu diesem Ende sind an beiden Seiten des Tempels Bäder mit Brunnen angebracht; wenn Alle rein gewaschen sind, dann betreten sie gemeinschaftlich die Synagoge. Den Juden zu Kae-sungfoo ist es nicht gestattet, Heidinen oder Muhamedanerinen zu heirathen, sondern sie müssen wieder Töchter von Bekenner« des JudenthumS zu Frauen nehmen; auch ist ihnen die Bigamie verboten. Sie essen ferner kein Schweinefleisch, welches sie „ta-tras", d. h. „reiche Speise" nennen. In Sprache und Unterhaltung sind sie sehr aufrichtig, jedoch werden sie von den Chinesen, besonders von der ärmeren Elaste mit Verachtung behandelt. Die Frauen bedecken ihr Haupt mit schwarzen Tüchern und stecken das Haar darunter, um es sorgfältig zu verhüllen; ihre Kleider sind sehr lang, und reichen weit hinab znr Erde. (Aus dem Pesther Lloid.) Feuilleton. Hraf oder Jude? xni. Die Flucht. Im Kloster Mein Hardtsbrunn herrschte große Aufregung. Aus der Kanzlei des Kirchenfürflen war ein Schreiben eingelaufen, welches die baldige Ankunft dieses hohen Herrn meldete. Das ganze Kloster wurde mit Fahnen und Teppichen decorirt und die inneren Raume wurden mit Blumen geschmückt. Alle Hände waren beschäftigt, alle Köpfe voller Gedanken und Pläne, wie der hohe Herr zu ehren, was ihm für Vergnügen zu bereiten sei. Eine solche Ehre war dem Kloster seit Menschengedenken nicht zu Theil geworden. In dieser Aufregung gelang es der Jüdin, die Joseph das Esten brachte, diesem ein Zettelchen zuzustecken. ES enthielt nur die räthselhaften Worte: „Staunen Sie über Nichts und thuen Sie wist Ihnen geheißen wird." Jetzt bemächtigte sich auch Josephs eine große Aufregung; er merkte, daß es sich um die Ermöglichung seiner Flucht handele, sann aber vergeblich dar iber nach, wie diese wohl veranstaltet werden könne. Bald fuhr eine prächtige Equipage vor, und Seine Eminenz wurde aufs Feierlichste empfangen. Die Mönche wußten Anfangs vor lauter Devotion kaum, was sie thun sollten. Aber der Krrchenfürst war solch ein jovialer, freundlicher, gutmüthig derber Mann, daß sie bald Math gewannen und auf seine heitern Scherze eingingen. Diese freudige Stimmung steigerte sich noch bei dem reichlichen Mittagsmahl und den köstlichen Weinen, die allen Theilnehmern zu Kopse stiegen. Rach Tische wurde Joseph befohlen, vor Seiner Eminenz zu erscheinen. Als Joseph in den Saal trat, in welchem die Gesellschaft den Kaffee einnahm, konnte er einen Ausruf des Erstaunens kaum unterdrücken. War das der Kirchenfürst? Man konnte sich zwischen diesem Manne und dem, welchen er vorstellen sollte, kaum einen größeren Gegensatz denken. Der Kirchenfürst war ein hoher, schlanker Mann mit intelligentem Gesichte und von vornehmem Aussehen, der circa 36 Jahre zählte, den aber ein körperliches Leiden älter erscheinen ließ. Dieser Mann aber war klein und dick, fast kugelrund, ein wohlgenährter Fünfziger. Der Kirchensürst war immer ernst, und d»eser Mann war die Heiterkeit selbst, voll derber Einfälle und Scherze. Jetzt zwinkerte er Joseph ganz eigenthümlich zu, der sich dadurch plötzlich des ManneS erinnerte. DaS war ja der alte, lustige Paulmann, der in Prag die Studenten auf ihre Rigorosen vorbereitete, ein Mann von seltenen Fähigkeiten, der es aber in Folge seiner lustigen, burschikosen Leben weise zu keiner festen Stellung halte bringen können. „Ei seht, da ist ja der Narr", rief der angebliche Kirchenfürst, als Joseph näher getreten war, „der Narr, der eine Gcafenkrone und Güter im Werthe von Millionen verschmäht, um daö Glück zu haben, daß man ihm „Zid" nachrufe! Tretet näher, junger Freund! Nichts zu handeln?" Diese Worte wurden in so komischer Weise vorgedracht, daß die Wände des Saales von dem markerschütternden Gelächter der Mönche wiedertönten. „Freundchen", fuhr der angebliche Kirchenfürst zu reden fort, „wenn Sie wieder nach Prag kommen,

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