Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 51 (22.12.1869)
- Date
- 1869-12-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Blaver Farbe. Trotzdem jede Spur des Judenthums »en ihnen allmählich zu schwinden beginnt, so verwenden sie dennoch viel zur Erhaltung der jüdischen Alterthümer, die ihnen noch geblieben sind; so z. B. ließen sie für Iheures Geld die beiden Jnschrifttafeln, welche einst an der Fronte der Synagoge angebracht waren, jedoch im Laufe der Zeit herabgesallen waren, wieder kopiren und zugleich sämmtliche Inschriften, welche sowohl an der Thüre, wie auch im Innern der Synagoge sich befanden, abschreiben. Don den acht hebräischen Anschriften, welche von den Juden daselbst ausbewahrt werden, enthalten 6 derselben Abschnitte des alten Testaments und 2 die Lithurgie, die an dem WochengoUesdienst und an den Festtagen verrichtet werden. Die Abschnitte der Schrift sind aus Kxockus cap. 1—ßunbcap 38—40, ausLeviticuscap. 19—20, «wg Numeri cap. 13—15. aus Deuteronomium, eap. 11—16,und eap. 32 Fernerem Theilder Psalmen, diein der Liturgie Vorkommen. Die Buchstaben, mit denen diese Inschriften geschrieben, sind hebräische mit Vokalen versehen. Diese Inschriften sind ans sehr dickes Papier, dem Pergament ähnlich, geschrieben und in Seide gebunden. Schon die Form der Schrift als auch des Bandes bekunden deutlich, daß selbe entweder aus Persien, oder aus Arabien nach China gebracht wurden, welche Vermnthung auch noch dadurch bestärkt wird, daß in den Fragmenten hie und da Randglossen in persischer Sprache sich befinden. Die Zeit zu bestimmen, wann diese Fragmente niedergeschrieben worden sind, ist allerdings eine schwierige Aufgabe. Aller Wahrscheinlichkeit nach dürften sie nicht zu früh nach China gelangt sein. Es läßt sich indessen nicht einmal genau ermitteln, wann die ersten Juden nach Kae - fung - foo gekommen sind. Die Juden daselbst behaupten, ihre Synagoge sei im Jahre 1190 nach christlicher Zeitrechnung erbaut worden, mithin dürste sie 700 Jahre alt sein, jedoch stimmen sämmtliche Quellen darin überein, daß schon unter der Han- Dynastie eine jüdische Gemeinde in Kae-fung-foo bestanden hatte. Aus einem andern Reiseberichte, der mit den Quellen des ersieren in den Hauptstückm übereinzustimmen scheint, geht ferner hervor, das die Synagoge in Kae-sung-foo no-schin-meau b. h. südwestlich gebaut wäre. — Die Bekenner des JudenthumS leben meistens in kleinen armseligen Häusern, und besteht die Mehrzahl der jüdischen Bewohner daselbst aus Frauen und Wittwen. Eine dieser Wittwen erzählte daß sie schon seit längerer Zeit keinen Sze-foo (Rabbiner oder Lehrer) gesehen habe, «nd als sie gefragt wurde, ob sie das Hebräische noch lesen könnten, da erzählte sie, daß der gewesene Lse-too (Rabbiner) zwei Briefe in jüngster Zeit «n die Gemeinde gesandt hätte, jedoch wäre kein Einziger mehr vorhanden, der dies« Briefe zu lesen vermochte. — Bor der Thüre der verfallenen Synagoge liegen zwei steinerne Löwen auf Fußgestellen und auch hierin sind mehrere Anschriften eingegraben; besonders ragt hervor die Anschrift, welche den Namen des Tempels anzeigt. Obwohl selbe bereits verwittert ist, so sind dennoch zu entnehmen die Worte: „TVhmg-chin-ze“ b. h. „Tempel der Wahrheit und Reinheit." Der Tempel, sowohl von außen als auch von innen, mit seinen zahlreichen Verzierungen und Anschristen gleicht eher einem chinesischen Tempel, als einer jüdische« Synagoge. — lieber dem Eingang stehen geschrieben die Worte: „Kingwei haou t’heen“ d. h. „Verehret den Himmel." Zur Rechten der beiden steinernen Löwen befindet sich emesteinerne Tafel, worauf die Worte geschrieben standen: „*'uh" d. h. „Seligkeit", daneben stand „Woo muh - ting - chung" d. h. „Erkenntnis durchdringend den dunklen Himmel." — Ueber der Tbüre der Synagoge standen die Worte geschrieben „King jo haou t’heen“ d. h. „ Erkenntniß durchs dringt den dunklen Himmel." — Ueber der Thüre der Synagoge standen die Worte geschrieben „King jo haou t’heen“ d. h. „Verehret wie der Himmel"; neben der Thüre auf dem Boden stehe» steinerne Blumentöpfe und Dreifüße in zahlreicher Menge. — Die Juden zu Kae-sung-foo bewahren ein Familienregifter ihrer sieben gelehrtesten Familien, welche hei- . ßen: Chaon, Kaou, Le, Schih, Kie, Chang und E. — Unmittelbar hinter der Tbüre steht eine Bank, hinter der Bank ein hölzerner Kandelaber und ein Tisch mit zwei Leuchtern und eine Pfanne mit Raucherwerk zum Räuchern, dann folgt die Kanzel, welche die chinesischen Juden den Sitz Mosis nennen, und hinter der Kanzel steht wieder ein Tisch mit zwei Leuchtern und einem Rauchsasfe. Dann folgt ein großer Tisch, auf dem die Wan-suy-pae oder die Kaisertafel liegt, auf welcher Tafel folgende Worte geschrieben sind: „Ta ts’hing wan suy wan wan suy“ d. h. „Möge der Kaiser der großen reinen Dynastie zehntausendmal zehntausend Jahre leben"; und an der oberen Seite der Tafel stehen die Worte mit hebräischer Schrift: „Höre Israel, der Ewige, unser Gott, ist ein einziger Gott." Dann folgt die „Ta - mingwan-suy“ oder die Tafel der Ming-Dinastie; vor dieser Tafel steht ebenfalls ein kleiner Tisch mit zwei Leuchtern und einem Rauchfasse. — Auf der „Ta-ming-wan-suy^ stehen mit hebräischen Buchstaben die Worte geschrieben : „ Gelobt sei der herrliche Name seines Reiches immer und ewig." Neben dieser Tafel stehen zwei Dreifüße, und dahinter werden die bereits erwähnten 12 Thorarollen, oder richtiger Fragmente, anfbewahvt. — Sie neunen diese Bücher: „Theen king schih urh tung“, d. h. „Die 12 Rolle» der göttlichen Musterschrist". An beiden Seilen dieser Stelle stehen zwei Dreifüße, die zum Verbrennen beschriebenen Papiers verwendet wer-