Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 50 (15.12.1869)
- Date
- 1869-12-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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965 rauf der tenno sagt pk vty ixvL' auf „diese Trabanten- und Dienerseelen" an, die sich von Anderen dazu gebrauchen lassen, des Bruders Verderben und Untergang zu suchen und nur an seiner Erhöhung Mitarbeiten. Und in der That, diese reqe Theilnahme hier und außerhalb kann nur dazu beitragen, die wackere Gemeinde mit ihrem trefflichen Rabbiner an der Spitze mit wachsender Zuversicht zu erfüllen. In meinem nächsten Berichte werde ich s. G. w. Ihnen die Namen der zahlreichen auswärtigen Mitglieder beifügen und auch über den Verlauf der kommenden Sonntag stattfindenden Generalversammlung berichten, die über die heute den Mitgliedern Angestellten gedruckten Statuten berathen wird. Oesterreichischer Kaiserstaat. Prag, 7. Dec. Seit einigen Wochen hat die hiesige israelitische Gemeinde bedeutende Fortschritte gemacht und eö wäre zu wünschen, daß dieser schöne Aufschwung und das Ablegen des zerstörenden Jndifferentismus für alles das religiöse und jüdische Leben Betreffende von jetzt an immer mehr erstarke. Schon bei Gelegenheit der theilweisen Neuwahl der Repräsentanz zeigte es sich, daß die Gemeindemitglieder anfingen, ihre wahren Interessen wahrzunehmen, indem sie lauter Männer von entschieden echt religiöser Gesinnung zu Repräsentanten wählten und nicht mehr jene Gleichgiltigkeit an den Tag legten. Es war aber auch hohe Zeit, daß ein Umschwung eintrat. Durch 3 Jahrzehnte wirkten die Gemeindeverderber M. I. Landau, Und nach ihm Ernst Wehli, die trotz ihrer jüdischen Gelehrsamkeit die größten Feinde des Iuden- Ihums waren; ersterer sprach dies oft öffentlich aus und war durch seine für seine Zeit allgemeines Aergerniß gebende Leben öweise bekannt dafür, daß er seine Glaubensgenossen und ihre religiösen Satzungen verachte, Letzterer war wohl äußerlich fromm, suchte aber das Iudenthum anderweitig zu unterminiren. Bis zu seiner Amürung war wenigstens mim -n» hier zu ause, vor einem wirklichen pnb hatte man Respekt, as hat er zu ertödten gewußt, indem er unter andern den Predigern der Synagogen das Recht einräumte, Trauungen zu vollziehen, welche Funktion früher nur dem Rabbinate Vorbehalten war. Die Folgen blieben nicht aus; die Parteien, die da sahen, daß ein Prediger Trauungen vornehmen kann, glauben, daß er auck zur Scheidungsvornahme wie zur Vornahme der Chaliza berechtigt ist; die Herren lassen sich ja auch in neuerer Zeit Rabbiner tituliren; das Rabbinat, welches einsieht, daß diese Prai xis Anarchie wäre, protestirt, die Repräsentanz ist ohnmächtig, da die Prediger von der Statthalterei derart bestätigt sind, daß sie berechtigt in Ehesachen zu interveniren, der Gemeinde-Rabbiner resignirt und die Gemeinde ist ganz ohne jeden Führer. Da Ordnung zu schaffen, ist die Ausgabe der gegenwärtigen Repräsentanz, welche auch bestrebt ist, dieselbe im allgemeinen Interesse herznstellen. Wenn aber auch veraltete Uebelstände die Schuld an der Zerfahrenheit der Gemeindezustände tragen, so hat dieselbe doch gegenwärtig das Bestreben, diese nack und nach zu heben, und in der That, bei einiger Anstrengung wird dies auch gelingen. Ein Hauptübelstand ist, daß für die allgemeine Kenntniß des Jndenthums bis jetzt fast gar nichts geschah; in früherer Zeit war in dieser Beziehung etwas mehr gesorgt, es gab gelehrte Männer, welche jeden Abend vor dem Gebete inora 2->->ya populäre Vortrage hielten; die veränderten Zeitumstände trugen sehr viel dazu bei, daß diese Vorträge wegen Mangel an Hörern fast aufhörten; auch war die Art und Weise derselben nicht geeignet, Hörer anzuziehen. Nun hat sich auf Anregung des Hrn. Rabbiners S. Freund ein Verein gebildet, welcher zum Andenken an den im vorigen Jahre verstorbenen Gelehrten H. Juda Teweles den Namen Aphike Iehuda angenommen und welcher zum Zweck hat, die Kenntniß des Judenthums und des jüdischen Schriftthumes durch populäre Vorträge zu verallgemeinern, welche zeitgemäß gehalten viel Gutes stiften können. Den ersten Vortrag hielt Professor vr. Kämpf; er sprach über die Sanhedrin im altjüdischen Staate und wußte seinem Thema viel Interessantes abzugewinnen. Die zahlreiche Zuhörerschaft sprach lebhaft ihren Beifall aus und es steht zu erwarten, daß dieser Verein, der auch für den Religionsunterricht der Jugend Vieles wirken will, bei dessen zahlreichen Mitgliederschafl aus das Gesammtgemeindeleben von der wohltätigsten Wirkung sein wird. Auch die Humanitätsvereine haben einen schönen Zuwachs erhalten, und zwar durch den C h a n u k a - verein, der vor kaum einem Monat gebildet, schon an 300 Mitglieder zählt. Dieser Verein hat es sich zur Aufgabe gestellt, arme Kinder am Chanuka mit Winterkleidern zu versorgen. Vergangenen Sonntag gelang es den wackern Vorstehern Hrn. Friedmann Seipen und M. I. Hirsch, welcher letztere der eigentliche Schöpfer des Vereines ist, denselben in Wirksamkeit treten zu lassen. In einem zu diesem Zwecke ausgeschmückten Saale versammelte sich ein zahlreiches Publikum. Dasselbe war durch die schöne Ansprache des Hrn. Prof. Dr. Kämpf sehr gerührt, worauf 30 Kinder ganz neu bekleidet und mit Wäsche versehen wurden.