Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 50 (15.12.1869)
- Date
- 1869-12-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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960 Scheins und der Sophistik, wie wir es vom CultuSminister hören! (Stürmisches Bravo! links.) Was fürchtet man denn von der Anstellung jüdischer Lehrer? (Noch Rechts.) Fürchten Sie etwa, judaisirt zu werden? Dann muß Ihr Christenthum aus schlechten Füßen stehen! (Bravo! Sehr gut!) ES ist wahrhaftig meine Freude nicht, über den Rhein nach Frankreich hinzuweiscn; aber aus lachen muß man uns, wenn man hört, daß wir hier über diese Dinge noch solche Discussionen führen. Ich bin auch ein guter Christ, aber für ein Glück würde ich es halten, wenn ich meinen Kindern philologischen Unterricht könnte geben lassen von einem Manne wie Professor "*erriays. Man nimmt den Juden die Steuern aus der Tasche, gibt ihnen aber ibre Rechte nicht. Alles, was der Minister sagt, besteht nur in Ausflüchten, mit denen er nur noch Diejenigen täuschen kann, die sich überhaupt noch von ihm täuschen lassen wollen. (Stürmisches Bravo! links.) Der Cultusminister beruft sich auf eine in Erlangen seiner Zeit stattgefundene Philologenverfammlung, welche auch ausgesprochen, daß die Schule eine christliche Anstalt sein solle. Der Antrag Kosch wird angenommen. Berlin. (Aus dem „Berliner Fremdenblatt.") Die Wahl des Dr. Geiger, welche seit einer Reihe von Jahren durchzusetzen vergeblich versucht worden, weil sie stets an dem gesunden Sinne der Repräsentanten , denen die Würde der Gemeinde heilig war, scheiterte, ist nun endlich doch durchgesetzt. Nachdem nämlich die Hälfte der Repräsentanten neu gewählt war, wurde zu jener Rabbinerwahl der günstige Zeitpunkt benutzt, wo mehrere der älteren Repräsentanten theils verreist, theils durch Krankheit verhindert 4vgrm,,zu der betreffenden Sitzung zu erscheinen. — Ist nun der Gewählte derselbe Dr. Geiger, welcher vor mehreren Jahren, als sein Jugendfreund Dr. Stein in Bezug auf seine Stellung ihn um seinen freundschaftlichen Rath gebeten, es verstanden hat solche Rathschläge zu ertheilen, und anderweitig seinen Einfluß der Art geltend zu machen, daß Dr. Stein sein Amt einbüßen mußte, damit es sofort Dr. Geiger einnehmen konnte? — Wenn das der Seelsorger der Metropole jüdischer Gemeinden sein soll — ein Mann, der auf der einen Seite die jüdischen Ritualgesttze, auf der andern Seite die Moralität verletzt — wenn das — sagen wir — der Auserwählte, wenn das der fromme Rabbi sein soll, dann Berliner Gemeinde freue Dich Deiner Verwalter, jauchze Deine Seele ob Deiner Vertreter, denn sie haben Dich bekleidet mit den Gewändern des Heils, Dich umhüllt mit dem Mantel der Tugend! Sv öffnet denn die Pforten, daß er einziehe unter Jubel und Festgesang, unter Paukenschlag und Trompetenklang: Der «eur MesfiaS, auf daß er uns lehre von seinen Wegen, und wir wandeln in feinen Pfaden, den Pfaden der Sittlichkeit! Uebrigens ist seiner Zeit eine Broschüre erschienen, welche die Correspoudenz zwischen Dr. Stein und Dr. Geiger enthält, und worin der Charakter des Letzteren genügend hervorgehoben ist. Diese Broschüre ist von mehreren früheren Mitgliedern des Repräsentanten -Collegiums, sowohl diesem als dem Gemeinde-Vorstände zur Warnung und Belehrung vorgelegt worden, jedoch stets vergeblich. — Jetzt aber soll eine neue Auflage jener Broschüre erscheinen und den Mitgliedern der Gemeinde zugesandt werden, damit ein jeder wisse, waö er von dem neuen Seelsorger zu halten, wie er ihn zu achten und zu beachten habe. 8. Berlin, 2. Dezember. Der Fabrikbesitzer Moritz Reichen he im hat der hiesigen jüdischen Gemeinde zur Errichtung eines Waisenhauses ein Capital von 250,000 Thlrn. — in Raten von 50,(XX) Thlrn. jährlich — zugewendet. Berlin 3. Dezember. Aus einer von einem Vertreter der Staatsregierung in der Petitions-Commission abgegebenen Erklärung geht hervor, daß die Regierung die Rechtsv erhältnisse der Juden anderweit gesetzlich zu reguliren beabsichtigt. DaS Bedürfniß hierzu tritt hervor aus verschiedenen Unzuträglichkeiten, welche in den älteren Landkstheilen aus veralteten gesetzlichen Bestimmungen über allerlei Specialverhältnisse — z. B. Beitragspflicht der jüdischen Grundbesitzer zur Unterhaltung des christlichen Cultus — entstanden sind, sowie aus der Verschiedenheit der Verhältnisse in den neuen Landestheilen, und geht die Absicht der Regierung dahin, die betreffende Regulirung in gleicher und übereinstimmender Weise für alle Juden des preußischen Staats vorzunehmen. Oesterreichischer Karserstaat. Wien, 3. Dez. Gestern Abend veranstaltete in den oberen Sälen des Sperl der Vorstand des Theresien - Kreuzervereines aus Anlaß des Chanuka- Festes die Betheilung armer israelitischer Kinder mit Winterkleidern. Der Vereinsvorsiand hat distinguirte Persönlichkeiten eingeladen und für eine würdige Begehung des schönen Kinderfestes L-orge getragen. Mit einer Predigt wurde die Feier eröffnet, nach welcher die versammelten Kinder die Volkshymne sangen. Drei Tische waren mit niedlichen Bijouteriewaaren bedeckt, welche von liebenswürdigen Schutzsrauen des Vereines zum Besten ihrer armen Schützlinge ün die anwesenden Gäste verkauft wurden. Die Verkäuferinnen waren Frau v. Worms, geb. v. Schey, Frau v. WormS, geb. v. Todeöko, Frau v. Boschan, geb. Brandis, Frau v. Kaula, geb. Wertheim, und diese