Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 49 (8.12.1869)
- Date
- 1869-12-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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,S47 Halephtha und sprach: „In einem Traume sagte man mir: Hole den Fleiß Deines Vaters zu Cappadocien." — „War Dein Vater je in Cappadocien?" frug Jose. — „Nein", antwortete der Mann. — „Nun, so gehe", sagte Jose, „und zahle bis zum zwanzigsten Batten in Deinem Hause, und Dn wirst tS finden." — „Es sind keine zwanzig da," sagte der Mann. — „So zählesprach Jose, „von Anfang bis zu Ende und dann wieder zurück weiter, bis du zwanzig zählst." - Der Mann that so, und fand richtig das Geld, welches sein Vater dort verborgen hatte. — Jose kam nämlich auf die Deutung des Wortes, indem er dasselbe in das griechische Kappa, hier so viel als zwanzig, und in das ebenfalls griechische dokos, Balken, zerlegte. — Und so ist es. — Trotz der Leere und Nichtigkeit, welche einerseits dem Traume beigelegt wird, gab es anderseits, und gibt es wohl auch heute noch, und zwar nicht bloß aus und in dem Volksglauben, Traumdeuter und Traumbücher. — Wenn es einerseits bei den Rabbinen heißt: „Bei einem schlimmen Traume genügt's — als Erfüllung desselben — an dem Kummer darüber, und bei einem guten an der Freude darüber," so haben sie doch anderseits für den schlimmen Traum ein Fasten angeordnet, das für so hehr gilt, daß es selbst an einem Sabbat stattfinden darf, und so hat die Synagoge auch zur Abwendung des durch einen Traum verkündeten Urtheils ein eigenes stilles Gebet, welches während der Ertheilung des Priestersegens gebetet werden soll. — Freilich könnte es sein, daß diese und ähnliche Vorschriften, — wie z. B., daß man, wenn man einen Traum gehabt und deßhalb ) beunruhigt ist, sich denselben von drei Männern zum . Guten deuten lassen soll, — es könnte sein, sagen rvir, daß diese Vorschriften weniger um des Traumes selbst willen als vielmehr zur Beruhigung des Gemüthes gegeben find, wie wir oft in alter Zeit solche Vorschriften und Gedanken von weisen Männern dem Volke absichtlich gegeben finden, um mittelbar mancherlei Unheil zu verhüten. — Der uns "so' nützliche Storch bringt Glück in das Haus, die, eben so nöthige Schwalbe, sagt ein jüdischer Volksglaube, hat in ihrem Schnäbelein Wasser herbeigetragen, um den Tempelbrand in Jerusalem zu löschen, und als der Knabe Tell's den Vater fragte: „Vater, ist's wahr, daß auf dem Berge dort Die Bäume bluten, wenn man einen Streich Drauf führte mit der Axt.— .Der Meister Hirt erzählt's — die Bäume seien Gebannt, sagt er, und, wer sie schädige. Dem wachse seine Hand heraus zum Grabe." da (aßt Schiller den Vater wohlbedacht nur andeutrnd antworten: „Die Bäume sind gebannt, das ist die Wahrheit. — .... Die Lawinen hätten längst Dm Fleckm Attdorf unter ihrer Last Verschüttet, wmn der Wald dort oben nicht Ms eine Landwehr sich dagegen stellt«." — Doch kehren wir zu unfern Traumen zurück, und nehmen wir vor Allem die Bibel zur Hand. — Hier werden wir viele Stellen finden, in welchen die Flüchtigkeit und Nichtigkeit des Traumes zum Bilde dient, aber wohl auch eben so viele, welche dem Traum keine gewöhnliche Bedeutung beilegen. — Da heißt es einerseits: „Und sie sind wie ein Traum, wie ein Nachtgeficht.'" - (Jes. 29, 7.) „Wie ein Traum entschwebt, und nirgends mehr zu finden, Zum Spott geworden, wie ein Traum beim Erwachen " — (Ps. 73, 20.) „Denn der Traum kommt durch allzuvieles Sinnen, so wie der Narr sich hören laßt durch allzuvieles Gerede." — (Predig. 5, 2.) „Die Schutzgötter reden Nichtiges und die Wahrsager schauen Lügenhaftes und die Traume schwatzen Eiteles, geben thörichten Trost." — (Sechar. 10, 2.) „Der Prophet, der Träume hat, mag seine Träume erzählen, und wem mein Wort geworden, der soll mein Wort der Wahrheit sprechen. Wie kommt zum Stroh der Weizen, spricht der Herr?" — (Jerem. 23, 28.) So einerseits. — Anderseits begegnet uns vor Allem ein Traum Jacobs (1 B. M. 28, 10-17.). — Als Jacob auf seiner Wanderung im nächtlichen Traume eine Leiter sah — auf der Erde stehend und mit der Spitze bis zum Himmel reichend, und die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder, und oben daraufstand der Herr und sprach ihm Trostesworte zu — da rief er erwachend, tief ergriffen: „Wahrlich, der Herr ist an diesem Orte, und ich wußte es nicht! Wie schauerlich ist diese Stätte! Nicht anders, hier ist Gottes Haus und hier das Thor des Himmels!'" Von Gott selbst also ist Jacob der Traum nach Form und Inhalt zugekommen, so wie es auch an andern Stellen heißt: „Da sprach Gott zu ihm im Traume" (1 B. M. 20, 6.), oder: „Ein Engel Gottes sprach zu mir im Traume" (1 B. M. 31, 11. — Vergl. Matth. 2, 12. 22 ), und so finden wir diesen Glauben auch anderswo. — „Auch Träume ja kommen von Zeus her", singt Homer (Jliad. I. 2. 63.). Nach Jacob tritt uns Joseph entgegen. — Joseph, welchen Justin (Histor. üb. XXXVI. cap. 2.) den ersten Traumdeutungskundigen nennt, erscheint zuerst selbst als Träumer und steigert dadurch noch die durch die väterliche Bevorzugung erweckte Abneigung seiner Brüder (1. B. M. 37, 5—11.). „Hört