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Der Israelit · 1869-12-08 · Heft 49 (8.12.1869) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 49 (8.12.1869)
Date
1869-12-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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944 mng-rathcs einstimmig beschlossen worden ist, unsere Lokalitäten fernerhin der Gemeinde Adaß JiSroel zu den Vorträgen ihres Rabbiners nicht mehr zu vermiethen. Achtungsvoll vr. Badt, Schriftführer. — Herr Bamberger erwiderte hierauf: Auf Ihr Schreiben vom 12. d. M. erwidere ich, daß es wohl aus einem Mißverständniß beruhen muß, wenn Sie mir die Benutzung Ihrer Lokalitäten zu den Vorträgen unseres Rabbiners verweigern, da der Vorstand durchaus nicht dieselbe verlangt hat.*) Hätten Sie das berücksichtig;, so wäre die Absendung Ihres Schreibens an mich gewiß unterblieben. Nunmehr war ich in der Lage, dieses übrigens charakteristische Aktenstück dem Gesammtvorstande unserer Gemeinde vorlegen zu müssen, der auch meinen Antrag ausdrücklich und einstimmig beschloß: dasselbe als sprechendes Zeugniß, wie man Unparteiligkeii und Duldsamkeit Seitens eines jüdischen Vereines im 19. s. übt, für ewige Zeiten zu den Akten unserer Gemeinde niederzulegen, wovon ich nicht ermangle, Sie in Kenntniß zu setzen. Die Vorträge finden nun im Saale des „Vereines der jungen Kaufleute" statt. Nun noch ein Curiosum. Die Frommen, nach dem Schulchan Aruch sich einrichtenden Familien waren sehr froh, wieder ruhig von der hiesigen Schechilah essen zu können, da trifft sie die folgende Annonce: (Einges.) Die geehrten Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde, welche streng nach den talmudischen Satzungen leben, mache ich darauf aufmerksam, daß nach der Lehre unserer Rabbiner (stehe 5?D ron ''01 'X"’ 'i’D X ''v n"' (1"D '1?D l‘“?& 'Dl J‘"7I da« von einem Schächter, der nicht von dem Gemeinde-Vorstände anerkannt ist, geschlachtete Vieh als vollständig nSniD ZU erachten ist, und sind demnach die Fleischwaarenhandlungen, welche unter Aufsicht des Herrn vr. Hildesheimer stehen, als in allen Stücken HÖ'-llü anzusehen. S. Goldberg. Das Ding gab natürlich zu vielem Spaß Veranlassung. (Es sind das dieselben Argumente, die Herr Aub dereinst in Mainz geltend zu machen sich vergeblich bemühte. - DnrEQ idv o’ffpaoi not r,&s/a 2'L-iy!) Berlin. (Jüdische Briefe, m.) Es hat sich vor Kurzem hier ein homiletisch - Wissenschaft licher Verein — der den schönen Namen na« nss? führt — gebildet; wir theilen aus den Statuten desselben folgende Paragraphen mit: *) Der Saal war durch ein Gemeindemitglied und auf seinen eigenen Ramm gemiethet worden. §. 1. Zweck des Vereins sind homiletische- und jüdisch-wissenschaftliche Vorträge im Geiste des gesetzestreuen Iudenthums, die von den betreffenden Verfaffern frei vorgetragen oder vorgelesen werden. §. 2, Aktive Mitglieder des Vereins dürfen nur die Hörer der talmudifchen Vorlesungen des Herrn Rabb. Dr. I. Hildesheimer sein; passives Mitglied kann jeder unbescholtene, religiöse Jude werden; zu Ehrenmitgliedern werden solche Persönlichkeiten ernannt, die sich um den Verein verdient gemacht haben. §. 3. Der Verein versammelt sich allwöchentlich einmal. Der ganze Statutenentwurf wurde von Herrn Dr. Hildesheimer, der das Protektorat über den Verein bereitwilligst übernommen bat, vollinhaltlich bestätigt. Da die Vorträge im prachtvollen, bereitwilligst zur Verfügung gestellten Lokale des Herrn Hoteliers Cassel, eines würdigen Mitgliedes der my- Gemeinde, abgehalten werden und der Zutritt Jedermann frei steht, so ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die vom Hauche des echten Judenthums getränkten Vorträge der Mitglieder viel zur Hebung der hiesigen religiösen Zustände beitragen werden. Das Präsidium des Vereins besteht aus drei Mitgliedern: dem Präsidenten Herrn vr. Gustav Karpeles, dem Schriftführer Herrn Nathan Deutschländer und dem Cassier Herrn Dr. I. Holländer. Der Verein zählt seit seinem kurzen Bestehen über vierzig Mitglieder, welche die „Elite" der hiesigen Orthodoxen bilden. Der Verfasser dieser Zeilen eröffnete die erste Sitzung des Vereins mit 'einem ei.Kündigen freien Vortrage über das Verhältnitz Herders zu den Juden und dem Judenthume; ferner sprachen noch, von dem allgemeinen Beifalle des zahlreich versammelten Publikums belohnt, die Herren 1>r. Holländer und Herr Martin Horowitz u. a. m. Was die hiesigen wissenschaftlichen Vertreter der Orthodoxie seit Jahr und Tag erstreben, soll durch diesen Verein mit Gottes Hilfe angebahnt werden; seine Mission ist eine schöne und erhabene; nirgens existirt, wie hier in Berlin, so viel nebelhafte, verschwommene Unklarheit betreffs jüdischer Welt- UNd Lebensanschauung; bie Klärung dieser Ansichten und die Darstellung des Lehrinhalts und der Geschichte des Iudenthums einerseits und die Verbreitung echter, ungefalschter Religiosität dem grassirenden Resormschwindel gegenüber anderseits sind die Ziele, die der junge, aber lebenskräftige Verein anzuftreben hat. Möge ihm dies vollständig gelingen! 222 nvu — nwnu pts nuyi nts« 121 by Adolph Kohur.

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