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Der Israelit · 1869-12-08 · Heft 49 (8.12.1869) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 49 (8.12.1869)
Date
1869-12-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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X. Jahrgang. Beilage zu Nr. 44 des Lsraelit. Aei^ungSnaedrichten und Eorvefpondenzen. Deutschland. Mainz, den 30. Nov. Die erste Tugend der jüdischen Stammes- und Glaubensgenossen, die erste und allgemeinste Tugend derselben ist die Wohlthätigkeit. So weit auch die Juden in den civilistrten Ländern Europa's und Amerikas in ihren religiösen Anschauungen auseinandergehen, in einem Punkte finden sie sich alle wieder als Juden zusammen, und dieser Punkt ist die Pflicht, der armen, leidenden Brüder zu gedenken und ihr Elend zu mildern. Ms der Nothschrei der westrussischen Israeliten, die zum Theile der fürchterliche Hungertod bedrohte, zu uns drang, da schienen sich nicht von einander Orthodoxe und Reformer, Gläubige und Ungläubige, Gesetzestreue und Gesetzverletzter, da gab es nur midleidsvolle, helfende, rettende, spendende Brüder und Schwestern. Und es ist gut so, daß ein Einigungspunkt existirt, in welchem sich die sonst Getrennten zusammen finden; namentlich ist' das in solchen Gemeinden zu wünschen, in welchen wie hier in Mainz eine religiöse Scheidung bereits stattgefunden hat. In der -lten, ehrwürdigen isr. Gemeinde zu Mainz existirt kein jüdisches Hospital. Es gab ehedem hier ein solches, das aber in den vierziger Jahren, angeblich weil es den Ansprüchen der Zeit nicht mehr genügte, von dem damaligen Vorstande aufgehoben worden. Seitdem werden die armen, kranken Israeliten in das allgemeine Krankenhaus (Rochus- Hospital), das unter der Leitung der barmherzigen Schwestern steht, verbracht. Die unglücklichen Kranken befinden sich dort in einer ihnen fernstehenden Umgebung; die Hausordnung ist eine streng katholische, von Zeit zu Zeit wird zum Gebete geläutet und dann knien die Nonnen und die Kranken, die soviel Kraft noch haben, vor den dort zahlreich angebrachten Bildwerken nieder. Freilich wird ein Andersgläubiger nicht veranlaßt, daran Theil zu nehmen; nichtsdestoweniger muß so Fremdartiges störend auf die Nerven der kranken Israeliten einwirken. Die Speisen werden zwar von Israeliten geliefert; allein sie werden kalt, bis sie in das Hospital hinaustommen, und von einer entsprechenden Diät kann demnach kaum die Rede sein. Das Alles und noch manches Andere kann nur ungünstig auf den Krankheitszustand wirken, kann nur schädigend der Genesung entgegentreten. „Heil Dem, der auf den armen Kranken achtet; auch ihn wird Gott am Unglückstage retten!" Schon seit acht Jahren bemühen wir uns vergeblich, um die Gründung eines jüdischen Hospitals. Zustände, die seitdem beseitigt sind, hinderten damals das Zustandekommen; auch der deutsche Krieg und die in Folge dessen eingetretene Geschäftsstockung ließen in den jüngstvergangenen Jahren es nicht als gerathen erscheinen, das Projekt wieder aufzunehmen. Nunmehr jedoch blühen Handel und Wandel; opferwillige Männer haben nicht unbedeutende Schenkungen in Aussicht gestellt; Vermächtnisse für diesen Zweck werden nicht ausbleiben. So ist es denn wohl an der Zeit unter göttlichem Beistände die längst gehegten von einem großen Theile der Gemeindeglieder gebilligten Pläne zur Ausführung zu bringen. Wir constatiren mit freudigem Herzen, daß seit einigen Jahren die Stimmung innerhalb der Gemeinde eine bei weitem versöhnlichere und friedlichere geworden. Möge die gemeinsame Gründung eines der Würde unserer Gemeinde angemefienen Hospitals und Jnvalidenhauses, möge dieser gemeinsame Act jüdischer Wohlthätigkeit die Gemüther noch mehr einander nähern und die Herzen in Liebe und Eintracht verbinden. Münder (Westphalen). Unser unvergeßlicher Oberrabbiner, Abraham Sutro hat in seinem Testamente den Wunsch ausgesprochen, daß sowohl seine Söhne als auch alle Diejenigen unter feinen Rabbinatsangehörigen, welche durch seine Veranlassung gelernt haben, an jedem Sabbate einen Abschnitt aus der heiligen Schrift ntyint» lesen mögen. Wir bringen das hiermit zur öffentlichen Kunde, da es eine religiöse Pflicht ist, dem Willen Verstorbener nachzukommen ovn nm nura. Berlin, Ende November. Der von Herrn Rabbiner vr. Hildesheimer in der Sabbat-Toledot- Predigt citnte Ausspruch Herweges, von dem in voriger Nummer berichtet worden, hat wahrscheinlich Veranlassung zu dem Schritte gegeben, den die Direktion des jüdischen Vereins der Gesellschaft der Freunde am 12. Nov. that. An diesem Tage erhielt Herr Jakob Bamberger, Vorsitzender der Adaß Jisroel, folgendes Schreiben: Ew. Wohlgeboren, Vorsteher der Gemeinde Adaß Jisroel, theile ich hierdurch mit, daß in gemeinschaftlicher Sitzung unserer Direktion und unseres Verwal-

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