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Der Israelit · 1869-12-08 · Heft 49 (8.12.1869) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 49 (8.12.1869)
Date
1869-12-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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941 früheren Zeiten an der Spitze der hiesigen Gemeinde gestandenen würdigen Vertreter des hiesigen Rabbinateö schon in kurzer Zeit aus unserer Mitte scheiden zu sehen. Mögen diejenigen Mitglieder der hiesigen Gemeinde, die noch min und rwv zu würdigen wissen, sich rechtzeitig zu denjenigen Schritten ermannen, die vielleicht noch geeignet sind, die Ausführung eines Entschlusses abzuwenden, dessen Verwirklichung die beklagenSwerthesten Folgen für die hiesigen Gemeinde nach sich ziehen müßte. England. London. Dieser Tage wurde die Hälfte der Vermächtnisse deL verstorbenen W. I Hall an verschiedene jüdischen Woblthätigkeitsanstalten bestehend in einer Summe von 1000 L. (12000 si.) vertheilt. Feuilleton. Kraf oder Jude? XI. Der Apostat. Der Prior des Klosters Meinhardtsbrunn hatte über Josephs Verhalten an den Kirchenfürsten berichtet; er hatte ihm mitgetheilt, daß Joseph unbeugsam sei und daß selbst die Androhung körperlicher Strafen wirkungslos an ihm vorübergegangen. Der Kirchenfürst schrieb sofort, daß man fürs Erste nicht weiter gegen Joseph Vorgehen solle; er werde einen Geistlichen senden, von desftn Zuspruch er sich Erfolg verspreche. Der geistliche Rath vr. B., der Sendling des Kirchenfürsten, kam im Kloster an. Derselbe war ein damals sehr berühmter katholischer Geistlicher, der von jüdischen Eltern geboren, als studirender Jüngling zur katholischen Kirche übergetrelen; er war ein gefeierter Kanzelredner, ein Mann von großem Wissen und gewinnender Persönlichkeit. Als vr. B. in Josephs Zelle geführt wurde, erschrak er, ob des elenden Aussehens des jungen Mannes. Sogleich ordnete er an, daß dem Gefangenen eine freundlichere und luftigere Wohnung angewiesen und daß ihm solche Nahrungsmittel verabreicht würden, die Joseph ohne Gewissenszwang genießen könne. Zu diesem Zwecke wurde ein in einem benachbarten Dorfe wohnender Jude beauftragt, Speisen ins Kloster zu schicken. Als sich Joseph ein wenig erholt hatte, suchte ihn vr B. in Begleitung des Priors wieder auf. „Mein theurer junger Freund", sagte der geistliche Rath, „ich bin vom Kirchenfürsten, der es wahrhaft gut mit Ihnen meint, hierhergeschickt worden, mich mit Ihnen über religiöse Fragen zu unterhalten. Ich kenne die Religion, die Sie so sehr lieben. Ich selbst bin Jude gewesen, ja, bin als Jude von sehr frommen Eltern geboren und erzogen worden; erst in Ihrem Alter bin ich zum Chnstenthume übergetreten. O, ich liebe sie und verehre sie, diese alte ehrwürdige Religion und habe die größte Achtung vor ihren aufrichtigen und wahrhaften Bekenner»!" „„Und haben sie dennoch verlassen!"" entgegnete Joseph. „Ja, mein lieber Sohn, denn die jüdische Religion ist nur eine Vorstufe für das Christenthum; ich will Ihnen das ausführlich darlegen und auseinandersetzen." Der Prior gähnte ziemlich laut. „Ehrwürdiger Vater!" redete ihn vr. B. an, „ich will Sie Ihren wichtigen geistlichen Geschäften nicht entziehen; wenn Ihr heiliges Amt Sie ruft, so überlassen Sie mir allein diesen jungen Mann; ich werde seine Sinnesart schon ändern. Sie werden sehen, daß ich bald staunenswerthe Resultate erziele." „„Rehmen Sie ihn"", antwortete der Prior, „„nur tüchtig ins Gebet; er ist ein hartgesottener Sünder!"" Damit entfernte sich der Prior, froh, bei dem für ihn so langweiligen Gespräche nicht zugegen sein zu dürfen. Kaum hatte sich die Thüre hinter ihm geschlossen, als Dr. B. auf Joseph zueilte.und ihn stürmisch umarmte. „Edler, theurer, junger Freund", rief er, „erlauben Sie mir, daß ich Sie an mein Herz drücke, daß ich Ihnen die Liebe und Bewunderung ausspreche, die mich für Sie erfüllen, Sie edler Märtyrer des Glaubens meiner Väter!" Joseph wußte nicht, wie ibm geschah. War das Heuchelei, war das ein neuer Kunstgriff, um sein Vertrauen zu erschließen und ihn am Ende zu verlocken? Doch nein, aus den Augen des ihn Umarmenden leuchtete daö Feuer aufrichtiger Begeisterung. „Wie ich Sie bewundere, del Monte", fuhr vr. B. zu reden fort, „wie ich Sie liebe! Ad, wäre ich dereinst so stark gewesen wie Sie, wie viel Qaal und Kummer wäre mir erspart geblieben! — Ich bin jtu Ihnen geschickt worden, Sie zum Abfall zu verführen; man glaubt, ich würde Freude daran finden, zu dem zu verleiten, was ich selbst begangen habe. Doch fern sei dies von mir! Ich bin gekommen, Sie zu kräftigen zu Muth und Standhaftigkeit, damit das mir eine Sühne sei für die eigene Ü «treue! Wenn Sie die Qualen kennte», die meine Brust durchwühlen, Sie würden lieber die Folter und den Tod er-r dulden als meinem Beispiele folgen!"

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