Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 48 (1.12.1869)
- Date
- 1869-12-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2447395-2447442--07805-2463423- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Gestatten Sie mir, geehrtester Herr Redakteur, da in den Ihnen von hier zugekommenm Korrespondenzen auch solche von meiner Hand sich befinden, daß ich mit dem Entdecker jener Neuigkeit ein ernstes Wort, ein inya nan, spreche; gestatten Sie, daß ich auf dem Terrain, wo ich überfallen wurde, mich auch vertheidige. Und daß Sie diesem meinem billigen Ansuchen entsprechen, dafür bürgt mir Ihre Rechtlichkeit und Unparteilichkeit. Nun zunächst eine Frage. Schon Jahre lang erscheinen in diesen Blättern Artikel von hier aus, warum haben Sie, Herr Wahrheitsfreund, uns Laupheimer Artikelschreiber so lange die Welt mit unfern Erdichtungen zum Besten halten lassen? warum haben Sie unsere derartigen Correspondenzen, die mehr erbittern, als gut machen, nicht schon lange zu Schanden gemacht? warum haben Sie uns ganze Gemeinden mit unfern Illustrationen so lange behelligen lassen? Doch genug hiervon; dem sei wie ihm wolle, ich leugne nicht, daß manche jener Korrespondenzen, die küne Gunst in Ihren Augen gefunden, aus meiner Feder geflossen sind; ich leugne nicht über die antiorthodoxe Lebensweise der hiesigen Gemeindemitglieder schon hie und da den Mund geöffnet zu haben; ich leugne nicht, daß sogar jener Artikel über das Stadleinweihungsfest und den Weibersang, der speziell Gegenstand Ihrer Berichtigung geworden, meine Wenigkeit zum Verfasser hat. Sie behaupteten wegen Verlegung des Stadt- Einweihungßfestes vom Gedaljah auf einen andern Tag seien von iSr. Seite sogar mehrere Schritte gethan worden. DaS ist reine Erdichtung. Ich habe mit Herrn Stadtschultheiß Müller gesprochen und derselbe versicherte mich, daß nicht ein einziger Israelit wegen Verlegung einen, vielmehr mehrere Schritte gethan, im Gegentheil, eS verwendete sich ein Mitglied des iSr. Kirchenvorsteheramts, welches zugleich auch Mitglied vom Festcomits war, bei dem Pfarramts, das nicht gestatten wollte, daß das Fest am 8. Sept. wegen des Maria - GeburtSfeiertageS abgehalten werde, daß dasselbe endlich die Erlaubnis ertheilte. Nicht Weibergesang, sondern Schulkrndergesang haben wir am Laubhüttenfeste gehabt, sagen Sie; warum machen Sie einen Seitensprung und sagen anstatt „Mädchen", daß Schulkinder gesungen habe«? — Ich kann mir's denken, weil „Mädch ngesang" auch ein bischen nach Reform riecht, und daS wollten Sie bemäntelt wissen. Ja, „Mädchengesang" haben wir gehabt und da die Arbeiten der Mädchen, wie die der Frauen „weibliche Arbeiten" heißen, so werde ich mich gegen die Wahrheit nicht versündigt haben, wenn ich diesen „Mädchrngesang" als „Weibergesang" titulirte. Jedenfalls bekunden Sie durch Ihre Schwenkung, die Sie gemacht, daß „Mädchengesang" ebenso gut ei« reformistisches Gelü te zeigt, wie „Weibergesang." Für den Rath, der mir ertheilt wird, daß ich vor meiner Thüre kehren und der Sabbatweihe der Meinigen mehr Vorschub leisten möchte, meinen Dank, mit der Versicherung, daß ich LetzterS nach Kräften anstreben werde, denn ich leugne nicht, daß sich unter den Meinigen auch Etliche befinden (doch Gottlob nur wenige), welche in der Sabbatentweihung kein Haar bester sind, als die Dutzende und aber Dutzende, die bei Karte und Billard mit Spielen, Rauchen, Schreiben und Zahlen ihre Sabbate verbringen; die sich um die Anbringung eines nvvj?, damit der allgemeine rot? iud'ri verhütet werde, ebenso wenig bekümmern, wie unser verehrlicheS Dorfteheramt und die im Genuß unkoscherer Speisen gerade so bewandert sind, wie unsere berühmten Chorsänger, die so sehr zur Verherrlichung unseres Gottesdienstes beitragen. (?) Als Erkenntlichkeit gegen den Herrn Rathgeber erlaube ich mir, auch ihm eine nuy zu geben. Er möge, da er jetzt überzeugt, daß die Unwahrheit auf seiner Seite ist, Andere nimmermehr der Unwahrheit beschuldigen. -py dio; er möge sich erst reinigen, ehe er Andere reinigt cnü tid -non er möge bedenken, daß die Wahrheit besteht, die Lüge untergeht »e*p *6 rrvvip; er möge wohl glauben, daß die Wahrheit an den Tag kömmt und wenn sie aus dem Boden hervorwachsen müßte norm pKD no«, endlich möge er mir die Gefälligkeit erweisen, wenn es ihm ja wieder in den Sinn kommen sollte, die Scheere seiner Kritik an irgend einem meiner Korrespondenzartikel anzulegen, die Maske der Anonymität abzulegen und mit entlarvtem Gesichte aufzutreten. Ich will ihm mit gutem Beispiele vorangehen. und um der Welt den Vollgenuß seines Witzes „in den von hier einkommenden Correspondenzen herrscht ein wahrer Unstern" zu verschaffen, will ich anerkennen, daß hiermit kein Anderer gemeint sei, als ich, der ich die Ehre habe mich zu nennen W. Stern. Berlin, 17. Nov. Ueber die schon so häufig dem Haufe der Abgeordnete übermittelte Petttion des Vorsitzenden des jüdischen GemeindevorstandeS in Rakel (Regierungsbezirk Bromberg), 8. A. Kallmann, daß die Jnspectton über die jüdische Elementarschule de» OrteS dem evangelischen Geistlichen entzogen werde, beantragt die Commission (Referent vr. Künzer): die Petition der StaatSregierung zar Abhilfe zu überweisen, vr. Wantrup beantragt über diese Petttion zur Tagesordnung überzugehen. Reg. - Commiffär de la Croix erklärt, die Regierung sei durch kein Gesetz in der Ernennung ihrer S bnlinspectoren beschränkt. (Hört! hört! links) Sowohl Dr. Wehrenpfennig und Dr. Kosch (der auf das Bundesgesetz, betreffend die Parität der Confessio-