Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 48 (1.12.1869)
- Date
- 1869-12-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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X. Jahrgang. Beilage z« Nr. 48 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Mainz, 23. Nov. Herr vr. Wilhelm Cahn zu Paris, Kanzler bei der K. Bayr. Gesandtschaft und beeidigter Translator bei der französischen Regierung, ein geborner Mainzer, hat von Sr. Majestät, dem Könige von Bayern, den Michaels-Orden erster Klasse erhalten. Unsere Leser werden sich erinnern, daß derselbe strebsame junge Mann im vorigen Jahre von Sr. Majestät dem Kaiser von Rußland, eine Brillantnadel erhalten hat. Frankfurt a. M., 19. November. Herr M. I. Cohn, Vorsitzender des D"n ^-Vereins dahier, hat dieser Tage ein Schristcken veröffentlicht, welches der Erinnerung an einen jüngst zum besseren Leben Heimgegangenen jungen Mann, Mitglied des Vereins gewidmet ist, und mit begeisterten und von Herzen kommenden Worten zum Studium in der Gotteslehre auffordert, mins mina d-un oix nsw Heil dem Menschen, der in der Thora groß geworden und sich in der Thora bemüht! ruft er äufmunternd der Jugend zu, und führt aus, wie mit der Thora der Mensch groß, edel und makellos dastehe, wie die Welt auf ihn als mustergiltig hinzeige und wie Gott segnend zu ihm spricht: „Du bist mein Diener, durch den ich verherrlicht werde!" — Herr Cohn, der seit Gründung des a”n yy-SBereinS dessen Leitung übernommen und tagtäglich daselbst gediegene Vorträge (isnnö, bin "N, abhält, ist als tüchtiger Talmudist bekannt, und hat sich durch sein öffentliches Wirken und seine wahrhafte Frömmigkeit viele Freunde erworben. Wir hoffen zuversichtlich, daß dieses Schriftchen dem Verfasser neue Verehrer und dem ri^-Verein viele Mitglieder zusühren wird! min -p-isri. S. In München vegetirt seit einiger Zeit ein neues ultramontanes Blatt, „das Vaterland", redigirt von vr. I. Sigl, das sich in jeder Nummer darin gefällt, Juden und Judentbum zu beschimpfen. In vorigem Monate hatte dasselbe auch den israel. Lehrer Kleemann in Forchheim verleumdet, und ist dieserhalb der Redacteur zu 12 Tagen Arrest und Tragung der Kostm verurtheilt worden. Der Redakteur ergriff hiegegen die Berufung, und sollte die Sache in zweiter Instanz verhandelt werden. Herr Sigl hat jedoch vorgezogen, — krank zu werden, und sich die „Gehirnaffektion", welche es ihm unmöglich macht, zu denken, schwarz auf weiß bestätigen lasten. Der Vertreter des Klägers, Herr Advokat Dr. v. Schauß, erklärte nach Verlesung dieses Schriftstückes, daß es der Vorlage eines nutzlosen Zeugnisses nickt bedurft hätte, um nachzuweisen, daß Sigl an einer Irritation seines Nervensystems (Geisteskrankheit) leibe, weil sich hiervon Jedermann täglich aus seinem Blatte überzeugen könne. Aus Württemberg. „Der Beobachter", ein Dolköblattaus Schwaben, bringt in seiner Nr. 268 d. d. 17. November d. I. folgenden interessanten Artikel: „DieisraelitischeDeligirtenverfamml un g zur Revision der israelitischen Kirchenverfaffung in Württemberg, welche sich zur Zeit auf das Gesetz von 1d28, die K. Verordnung von 1831 und die späteren Verfügungen und Erlasse der Ministerien und der israel. Oberkirchenbchörde stützt, ist vom Kultusminister auf den 6. Dezember d. I., Morgens 9 Uhr, und die folgenden Tage nach Stuttgart einberufen worden. Die Sitzungen werden im Kultministerialgebäude vorgenvmmen werden. Wer der Delegation präsidiren wird, der Minister selbst oder ein zu wählender Präsident, ob eine Geschäftsordnung oktroyi'rt oder erst berathen, ob auch die Mitglieder der Oberkirchenbehörde mit Sitz und Stimmrecht o. o. in der Versammlung der gewählten Abgeordneten anwesend sein dürfen, ob die Delegirten nach alphabetischer Ordnung sitzen oder nach Parteien sich gruppiren werden — diese und andere äußeren Fragen beschäftigen jetzt Wähler und Gewählte. Wichtiger jedoch ist es, daß die Berathungen, wie die der ev. Synode und anderer Corporationen, öffentlich unter Zutritt des dafür sich lebhaft intereffirenden Publikums vorgenommen werden, weil nur dadurch den bureaukratischen, hierarchischen und reaktionären Gelüsten und Anträgen entschieden vorgebeugt werden würde. Die Beschlüsse der Versammlung, die zum Theil den Faktoren der Gesetzgebung zu unterbreiten sind, haben für die 11—12,000 Israeliten des Landes in religiöser und finanzieller Beziehung große Wichtigkeit und von ihnen hängt es wesentlich ab, ob auch in Zukunft wie bisher der BureaukratiSmus und die Hierachie, oder die Autonomie der Gemeinde und religiöse Freiheit zur Geltung kommen sollen." Laupheim. In Nr. 44 dieses Blattes wird die Neuigkeit aufgetischt, daß „in den Ihnen von hier zukommenden Korrespondenzen ein wahrer Unstern herrsche, mehr Dichtung, beziehungsweise Erdichtung, als Wahrheit."