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Der Israelit · 1869-12-01 · Heft 48 (1.12.1869) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 48 (1.12.1869)
Date
1869-12-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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924 „Eminenz, man rühmt Sie allgemein als einen milden, erleuchteten Herrn. Die ausgesprochene Absicht kann unmöglich Ihren Ansichten angemessen sein, kann unmöglich in Ihrem Willen liegen." „„ Sie ist meinen Ansichten angemessen, sie liegt in meinem Willen'"" „So werde ich Widerstand leisten bis ans Ende." „„Man wird Sie zu zwingen wissen."" Joseph schauderte; er hatte von Torturen und Folterqualen gelesen, die in den Klöstern gegen Widerspenstige angewendet werden sollen. „Eminenz" , bat er, „üben Sie Gerechtigkeit oder doch Gnade. Ich bin entschlossen, sür meinen Glauben zu sterben; ersparen Sie mir unnütze Qual und den Ihrigen ein Verbrechen." „„Was Si^ ein Verbrechen nennen, gilt uns als ein Verdienst. Die Qual werden Sie Sich selbst zuzuschreiben haben. Ein Graf Dörnbach Jude — nimmermehr.'" " «Ich verzichte auf den Namen und die Güter der Grafen Dornbach. Lassen Sie mich auswandern, Eminenz! Gern Will ich meinen Verzicht urkundlich besiegeln, gernwill ich unerkannt in fremdem Lande leben.'" „„Und Jbre Mutter?"" „Welck e Bande fesseln mich an die Gräfin Dörnbach? Sie hat meine Jugend nicht gepflegt, mein Herz nicht gebildt; ihr erstes Auftreten als meine Mutter war eine unverc.nlwortliche Härte geg-n den geliebten Pfleg-vater, dem ich Alles verdanke, der die verlassene Waise in ftinen Datkrarm genommen und Mich geliebt hat wie sein eigenes Kind. Seine Gattin, die mich gepflegt und belehrt und zu allem Guten herangebildet hat, das ist mdne Mutter. Die Gräfin Dernbach aber, nachdem sie mich wiedergefunden , will sie den nicht in ihrer Obhut Erwachsenen umwandeln nach ihrem Willen, und da. das nicht gehe, will sie mich zu Grunde richten, will sie mich in ein Kloster sperren lassen' Nein, ich habe keine Verpflw tungen gegen diese Frau." „„Und dennoch ist sie Ihre Mutter und hat als solche die Pflicht, für Ihr Seelenheil zu sorgen. Folgen Sie mdnem Nathe, junger Mann, bekennen Sie Sich zum Cbristenthnme, wenn auch Anfangs nur zum Schein. Später wird Ihnen die Erkenntniß schon kommen!"" „Lieber will ich sterben!" „„So haben Sie Alles, was Ihnen bevorsteht, Sich selbst zuzuschreiben."" Der Kirchenfürst zog an einer Glockenschnur und befahl dem eintretenden Diener, dafür Sorge zu tragen, daß Graf Bruno von Dornbach nach Kloster Mair.bardtsbrmtransportirt werde. Der Prior des Klosters werde in Bezug auf die Behandlung des Grafen noch nähere Instructionen empfangen. Joseph wurde ergriffen, in einen Wagen geschleppt und nach dem drei Tagereisen entfernten Kloster gebracht, wo ihm eine düstere Zelle als Wohnung angewiesen wurde.! Kloster Meinhardtsbrunn war du geistliches | Gefängnis;, ein Strafaufenthalt sür widerspenstige | Geistliche. j Da Joseph von den ihm Vorgesetzten Speisen! nichts aß, so blieb ihm nur Wasser und Brot zu j seinem Unterhalte. Noch schlimmer als die körper- ' licken Entbehrungen, wurden ihm Anfangs die geistigen; man gab ihm außer katholischen Gebetbüchern und Tractatiein weder Bücher noch Schreibmaterialien. Täglich zweimal fcitn ein Geistlicher zu ihm, um ihn in der katholischen Religion zu unterrichten. Der Mann war aber so beschränkt, daß Joseph nicht einmal mit ihm disputiren konnte. In dieser emsetzlichcn Lage kam dem armen Ge-; fangenen sein gutes Gcdächtniß zu statten. Einen Theil des Tag-'s recitirte er Stücke aus der Bibel, der Mischuah und dem Taldmud und dachte darüber nach; dann brachte er Stunden damit hin, sich Theile der Wissenschaft zu vergegenwärtigen, die er studirte; wieder andern brachte er damit zu, den Lehrsätzen der Mathematik und der Psy'ik nachzudenken, und sie im Geiste zu entwickeln. Dies Verfahren schützte ihn vor langer Weile und Verdumpfung. Aber es sollte noch schlimmer kommen. Nach^ dem Joseph einige Wochen im Kloster verbracht hatte, verlangte man pract'sche Resultate des ihm ertheilten! Unterrichts. Man drang in ihn, endlich das Judenthum abrnschwvren, und da er sich weigerte, fcro^tej man mit körperlicher Züchtigung. Joseph blieb unerschütterlich. Unterdeß befand sich die Familie bei Monte in derl größten Angst um Joseph. Man wandte sich an die! Gräfin, die jede Auskunft verweigerte, an Graf Benno,| der selbst nicht wußte, was aus seinem Bruder geworden war. Graf Benno aber ging zum Kirchen! fürsten, um ihn zu fragen. Er fand ihn verschlossen! und nicht geneigt, Auskunft zu crtheilen. Durch einen! Diener des geistlichen Würdenträgers, den er reichlich! beschenkte, erfuhr Graf Benno, was aus Joseph gcß worden. Sofort thcilte er es Raphael del Monte miij und überlegte mit ihm, wie dem unglücklichen Gef fangenen zu helfen sei. (Forts, folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaktion: Ur. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-Schnellpresiendrulk von I. GottSleben in Mainz.

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