Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 48 (1.12.1869)
- Date
- 1869-12-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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923 Unghvar, 15. Nov. Eine» harten Verlust hat dieser Tage die Gemeinde Unghvar erlitten. Ihr allgemein beliebter und im hohen Ansehen stehender Rabt .4>iner Menachem EisenstLtter ist nicht mehr! Er war ein großer Talmudgelehrter und verbrachte den größten Theil seiner Zeit mit dem Studium in der Thora zu. An 200 Schüler (omrp) waren stets um ihn versammelt, für die er nicht bloS Lehrer war, sondern auch wie ein Vater sorgte. Nach dem Tode seines berühmten Vaters wurde ihm das Rabbrnat in Ü. übertragen, welche Stelle er 40 Jahre bekleidet hat. In ihm beweint nicht blos Unghvar einen treuen, guten, sondern auch die ganze ungarische Iudenheit ja das ganze orthodoxe Jndenthum einen seiner ersten Koryphäen auf dem Gebiete des Talmuds. Ign. Meisels aus MunkacS. Holland. Arnsterdanr. Herr E. Verveer hat vom König von Belgien den Leopoldorden erhalten. (N. I. W.) F r a n k r e Uch. Paris. Herr Achille-Paul Berr, Banquier zu Mostaganem, wurde zum griechischen Consul dieser Stadt ernannt. (Un. Isr.) Marseille. Der älteste Rabbiner Frankreichs, der fromme und ehrwürdige Oberrabbiner Cahn zu Marseille starb leider dieser Tage. (Un. IS.) BesanHvn. Dieser Tage wurde dahier eine neue Synagoge eingeweiht. Bei dieser Gelegenheit hat Herr Ad. Veit Picard dem Bürgermeister der Stadt 1000 frS., bestimmt zu einer einmaligen Fleifchvertheilung für arme katholische und protestantische Familien, übergeben. Türkei. Candra. Am nnoG? Abend wohnte ein hoher Beamte als Deiigirter der Regierung auf specielle Einladung des Rabbiners dem Gottesdienste in der Synagoge zu Canna bei. Die Synagoge war glänzend beleuchtet und mit Blumen und Fahnen geschmückt. Fenitleto n. Kraf oder Jude? X. Im Kloster. Alle Bitten und Thränen der Gräfin waren vergebens. Joseph beharrte fest bei seiner Weigerung. Nicht die Grafenkrone, nicht die Aussicht auf die ungeheuren Reichthümer, die er mit dieser erlangen würde, lockten ihn. Vergebens malte ihm die Gräfin seine Zukunft mit den schönsten Farben aus. Welche Carrivre konnte doch ein Graf Dornbach im Staatsdienst machen! Er konnte General, Gesandter, Minister werden, wenn er wollte; er konnte sich mit den vornehmsten und mächtigsten Familien des Reichs verschwägern, er konnte, wenn er das vorzog, wie ein Fürst auf seinen Gütern wohnen! All haS ließ Joseph gleichgiltig. Freilich, die Thränen seiner Mutter, ihr flehentliches Bitten, — sie warf sich ihm zu Füßen und umschlang bittend seine Knie — verursachten ihm viel Trauer und Herzweh. „Mutter", sagte er, „Du betrübst mich sehr, indem Du etwas von mir begehrst, was ich nicht gewähren kann. Verlange von mir jedes Opfer, nur dieses nicht. Ich kann von dem nicht lassen, was ich als mein größtes Glück empfinde; ich kann mich nicht zu einer religiösen Ueberzeugung bekennen, die nicht die meine ist. Mich dazu zu bewegen, wird Dir nie gelingen — Du machst mit Deinen Thränen und Bitten Dir und mir nur unnützen Schmerz." Auf Veranlassung der Gräfin ließ der ihr befreundete Kirchenfürst Joseph zu sich kommen. Er redete ihm sanft zu und suchte ihn von der Wahrheit des Christenthums zu überzeugen. „Eminenz", entgegnete Joseph, „um die Dogmen des Christenthums für wahr zu halten, ist eö nothwendig, darin erzogen zu sein. Was dem zarten Kinde eingeprägt worden, wird gleichsam ein Theil seiner selbst, so daß es der Erwachsene vielleicht glaubt. Ich aber werde nie daran glauben können, und keine Macht der Erde wird im Stande sein, mich zu bewegen, einen Glauben zu erheucheln, den ich nicht besitze oder mich zu einer Religion zu bekennen, die ich nicht für wahr halte." „Junger Mann", sagte der Kirchensürst, „Sie zwingen mich wider meinen Willen, auf die Milde die Strenge folgen zu lassm. Sie sind als kleines Kind getauft und als Christ in die Kirchenbücher von Dornbach eingetragen worden. Nach den Gesetzen der katholischen Kirche und nach denen des Kaiserstaateö verliert die Taufe niemals ihre Wirksamkeit. Sie sind also Christ, und die später an ihnen vollzogene Beschneidung hat keine Kraft. Da Sie Sich aber weigern, das Jndenthum abzuschwören und Sich zum Christenthume zu bekennen, so werden Sitz so langeIbrer Freiheit beraubt und in einem Kloster fejtgehalten werden, bis Sie Sich dazu entschließen, die verlangten Schritte zu thun." „Man will mich also zwingen zu glauben?" „„Man wird Sie zwingen zu glauben!"" „Und hat ein so erzwungener Glauben irgend welchen Werth?" „„Man wird Sie zu Ihrem eigenen Besten mit Gewalt hindern, auf ewig verdammt zu werden.""