Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 48 (1.12.1869)
- Date
- 1869-12-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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921 „Zu überzeugen fällt keinem Ueberzeugten schwer." Dies Schillersiche Wort mag Herr Rabbiner Hildesheimer wahrmachen. Es stehen ihm, wie selten Jemandem, hierzu die Naturanlagen zu Gebote." So weit das christliche Blatt. Daß natürlich die Reformer Alles aufbieten, um Herrn vr. Hildesheimer und der heil. Sache, die er vertritt, zu schaden — das versteht sich selbst. Sv hören wir, daß die Anhänger der Herren Geiger und Aub, Geld zusammenschossen, um hier ein Resormblatt zu gründen, wozu sich jedoch kein Redakteur finden wollte. Es ist ein bekanntes und weitverbreitetes Geheimniß, daß die Herren Reformer seit einer Reihe von Decennien geistig bankerott sind. Da kerne Redaktion der hier erscheinenden Tagesblatter Artikel gegen Herrn Rabbiner Hildesheimer ausnehmen will, bedienen sich die Herren Aubianer und Geigerianer des schnöden Mittels, in gutbezahlten Inseraten Herrn vr. H. mit Gift und Galle zu überschütten. So brachte u. A. die „Vossische Zeitung" vom 11. dieses folgendes „Eingesandt": „Zur Charakteristik des religiösen Eifers. „Herr Vr. Hildesheimer, der jüngst von einer strenggläubigen Partei der hiesigen jüdischen Gemeinde aus Ungarn herbernfene Rabbiner, hielt am letzten Sonnabend in dem großen Saale der Gesellschaft der Freunde einen religiösen Vortrag. Es ist selbstverständlich hier nicht der Ort und die Absicht, über Inhalt unv Form, Logik und Zusammenhang desselben eingehend zu referiren, wohl aber ist es eine sittliche Pflicht hier ein fanatisches Gebahren zu kennzeichnen. Der Lehrer des göttlichen Wortes, des Friedens und der Liebe, proklamirte wörtlich als die Devise seiner hiesigen Bestrebungen Herweges Aufruf: „Wir haben lang genug aeliebt, laßt unS endlich Haffen!" —-- und rief auf 1 zu „unermüdlichem Kampfe" gegen die Abtrünnigen und Neuerer in der heiligen Religion der Väter. Erst wenn der Sieg in diesem Kampfe errungen, werde er auftreten und rufen: „Sir, geben Sie Gedankenfreiheit!" — (Es hat auch nicht viel gefehlt, daß ein frommer Zelot mir beim Hinausgehen schlagende Beweise für diesen Knaakjanismus im Iudenthumr applizirt hätte.) — — Wird aber die Stätte, welche in dem Andenken an Mendelsohn, Friedländer, nur edlen Freunden und Humanitären Bestrebungen geweiht ist, auch ferner eine Stätte sein zur Aufreizung zum Zwiespalt und zum Hasse?" „I. Lö wenberg." Auf diese Denunciation des Herrn I. Löwen - berg erwiderten die Herren vr. G. Karpeles und vr. I. Holländer, unter dem heuttgen Datum, in der „Voss. Z.", wie folgt: „Obwohl die Unterzeichneten nicht Mitgliederder strenggläubigen Partei der hiesigen jüdischen Gemeinde" sind, die Herrn vr. Hildesheimer hierhergerufen, fühlen sie sich doch verpflichtet, dem entstellenden „Eingesendet" in Nr. 264 d. B. folgendes zu erwidern; „Es ist sehr leicht, selbst die freisinnigste Ansprache durch willkürliches Herausreißen von Citaten zu einer wahren Kapuzinerpredigt umzuwandeln. Gerade diese beiden Citate „Wir haben lange genug geliebt, wir wollen nun auch einmal hassen" und „Sir, geben Sie Gedankenfreiheit" hat Herr I. Löwenberg aus dem logischen Zusammenhänge herausgerissen und m eine unrichtige Verbindung zu bringen gesucht; wahrend Herr vr. H. sofort nach dem ersten Citate das Wort „hasten" dahin erklärte, „daß die glaubenstreue Partei nurinderVertheidigunihrer heiligsten Interessen, sonst aber niemals den Kampf gegen An dersdenkende aufnehmen, und nurapologetisch, nie aber aggressiv Vorgehen werde." Daß aber H. Löwenberg nicht auf „Inhalt, Form und logischen Zusammenhang des Vortrags" einggegangen, ist unS ein „schlagender Beweis" dafür, daß Herr vr. I. Löwen berg die Predigt des Herrn Vr. Hildesheimer — gar n i cht verstanden hat." Wir haben wohl viele Feinde unter den Abgefallenen vom Ewigen n"a, aber wir haben auch viele Freunde und Gönner, denn wir kämpfen für das heilige, ewige Recht — für das göttliche Recht! Adolph Kohut. Berlin, 17. Nov. Die „Gerichtsztg." theilt nachstehende sehr pikante Geschichte mit. Das genannte Blatt erhalt aus Neusatz eine Sensationsnachricht, die ihr durch einen „hochachtbaren Mann, der jedes seiner Worte öffentlich zu vertreten sich verpflichtet" mitgetheilt wird. Die Mittheilung lautet: „Im Jahre 1861. wurde ein junger Kaufmann, jüdischer Religion, Hermann Caro aus Neusalz, wegen religiösen Wahnsinns in das Irrenhaus zu Lenbus gebracht und von dort nach viermonatlichem Aufenthalte als unheilbar entlasten. Von feinem, ihm zum Curator, bestellten Stiefbruder wurde er 1868 dem Iohanniter-Krankenhaufe in Neusalz zur Pflege übergeben. In dieser Anstalt wirken zwei Diakonissinnen, denen, laut Statut, ausdrücklich untersagt ist, an Andersgläubigen Bekehrungsversuche zu machen. Während der Zeit von 1862 bis 1868 war Caro von seinen Verwandten beschäftigt und beaufsichtigt und erst dann jener Anstalt übergeben worden, als sich die Wahnsinnsanfälle in bedenklicher Weise steigerten. Schon im Jahre 1861 hatte Caro dem katholischen Pfarrer Plüschke zu Neusatz den Wunsch ausgesprochen, Katholik zu werden; der Pfarrer aber hat ihm erwidert, er möge erst körperlich und