Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 48 (1.12.1869)
- Date
- 1869-12-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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920 reuten sich recht herzlich, daß nunmehr dem historischgeoffenbarten Herligen Glauben in der Hauptstadt der preußischen Intelligenz jeder Halt und jede Stütze genommen wäre; die Halben endlich, die Schwankenden und Wankenden, die die Prinzipienlosigkeit zum Prinzip erhoben haben, welche, ohne jede innere wirkliche Ueberzeugung, eö stets mit der herrschenden religiösen Majorität halten — die R ati onalliberalen des Iudenthums — wenn ich so sagen darf — fingen sogar in Chorus zu schreien an, es gebe nur Einen Gott und — D. Aub wäre sein Prophet! Wahrlich, es hat sich erfüllt das prachtvolle Wort des Propheten Ieschajah: by nnsx pw D»a-Da»t> "imo nwtt niryo myw "jinai nnn: 0"d “huid'? .->"L „Ich öffne auf den Anhöhen Ströme, und in den Thälern Quellen; ich mache die Wüste ZUM See, und das dürre Land zu Wasserquellen" (Jeff. 41, 18), im Schooße der hiesigen Gemeinde glänzend erfüllt; durch die Berufung des Herrn Rabbiner Dr. I. Hildesheimer aus Eisenstadt ist in der Hauptstadt Preußens, wo nicht nur der klassische Boden des märkischen Sandes und der norddeutschen Steppen ist, sondern wo auch das religiöse Gefühl überhaupt fast gänzlich schon versandet ist, eine D”n D'D -na, eine stets frisch sprudelnde, stets fügendlichischäumende Quelle des wahren, echten Judenthums, deS ernsten Studiums unserer rwnpn u»mtn und — wir sagen es mit stolzem Bewußtsein — eine neue Aera der jüdischen Orthodoxie in Europa eröffnet worden. Verzeihen Sie mir, geehrtester Herr Redakteur, wenn ich ein wenig überschwänglich werbe; aber sollte es nicht dem mühe- und sorgenvollen Arbeiter, der mit fleißiger Hand den Samen des Guten, Wahren und Schönen ausgestreut hat, der den Acker der Religion sorgsam gepflegt und ihn vor den Stürmender Neologie nach Kräften zu schirmen gesucht hat, veröNNt sein, wenn der Saamen zur herrlichen Frucht eranreift, sich seines Händewerks zu freuen? Es thut mir im Herzen wohl, daß ich eS aussprechen kann, daß Ihr Blatt es war, welches, im Vereine mit den hiesigen Anhängern unserer heiligen Sache, das Meiste zum glücklichen Erfolge der Consolidirung der hiesigen orthodoxen Partei beigetragen hat! — Herr Rabbiner Dr. Hildesheimer wirkt seit der Stunde seines Hierseins höchst segensreich nicht nur in seiner Gemeinde — die den schönen Namen my führt — durch Errichtung einer ausgezeichneten Elementarschule, wo neben den profanen Unterrichtsgegenständen die heil. Schrift mit 'an, und anderen Commentatoren, wie auch einzelne Talmudabschnitte vorgetragen werden, sondern auch vorzüglich durch sein eminentes Rednertalent auf das ganze Berliner jüdische Publicum. Die Predigten des Herrn Rabb. Dr. H i Ilvesheim er sind kein hohles Phrasengeklingel, keine Wortdrechselei; sie entfließen aus dem tiefen Börne seiner ausgezeichneten Begabung und seiner gottbegeisterten Frömmigkeit. Herr Dr. I. Hildesheimer sucht nicht zu blenden, sondern zu überzeugen, er schmeichelt nicht dem verwöhnten Gaumen seiner Zuhörer, sondern sucht sie — wenn auch hie und da in derber Sprache — als wahrhafter oy mio zu b elehren. So hielt — um nur ein Beispiel zu erwähnen — Herr Dr. H. am vergangenen nataf int großen Saale der Gesellschaft der Freunde eine Predigt über eine Stelle aus dem laufenden Thora- Wochenabschnitte, 1. B. Mosis, Cap. 26, V. 18 — 22. Lassen wir hierüber ein christliches, unparteiisches Blatt berichten. Das „Berliener Fremden- und Anzeigeblatt" berichtet in Nr. 263, vom 10 November hierüber, wie folgt: „-Der Redner sagte zuvor Einiges von sich selbst: daß er nämlich in den zwanzig und einigen Jahren, während derer sein Leben der öffentlichen Wirksamkeit angehöre, stets Frieden gehabt habe mit Allen, selbst denen, welche seinen Standpunkt nicht theilten, daß er stets für seine Ueberzeugung mit seinem ganzen Sein eingetreten sei, ohne jedoch jemals aggressiv zu verfahren. Doch habe er andererseits auch niemals verabsäumt, sich und seine Gesinnungsgenossen vor jeglicher Unbilde zu schützen; denn der Selbsterhaltungstrieb sei dem Menschen angeboren, mag es sich nun um die Erhaltung des physichen oder des geistigen Seins handeln, und die Energie sei mit der Friedensliebe wohl vereinbar. Nur an einem Punkte habe die Friedensliebe ihre Grenze, nur an ein er bestimmten Sorte von Menschen gegenüber könne sie nicht mehr vorwalten: nämlich da, wo eS sich um Glaubens- und Gewissensfreiheit handelt, und denen gegenüber, welche bösen Sinnes absichtlich besserer Erken ntniß sich verschließen. — Es würde uns zu weit führen, wollten wir unseren Lesern erzählen, was Herr Dr. H. noch weiter über die Pflichten eines Rabbiners und die an denselben za stellenden Anforderungen gesprochen. Wir müssen uns begnügen, zu erwähnen, daß Herr Rabbiner Hildesheimer jener eigenthümtichen geistreich-pikanten mit den scharfsinnigsten Bemerkungen durchwobenen Redeweise sich bediente, welche die Vorträge der alten Rabbinen so wirkungsvoll machte. Das uns zu Ohren gekommene Gerücht, Herr Dr. Hildesheimer wolle dem vielfach laut gewordenen Wunsche, seine Reden drucken zu lassen, Nachkommen, entbehrt hoffentlich der praktischen Begründung. Denn in keinem Gebiete ist der Einfluß einer Persönlichkeit ein so mächtiger, als in dem Gebiete der Religion, der Glaubeussachen. Nicht blos die Gründe, nein, auch di e Art, wie die Gründe vorgebracht werden, und von wem sie vorzebrach t werden, alles Das im Verein ist in Betracht zu ziehen.