Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 47 (24.11.1869)
- Date
- 1869-11-24
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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911 „Zn Betreff nun des zweiten Theils Ihrer liehwerthen Zuschrift thut es mir unendlich wehe, Sie in einem so schweren Seelenkampfe zu wisstn, der gleich schädlich Ihren Lebenszielen wie Zhrem menschlichen Bewußtsein sein muß. Um Alles aber möchte ich Sie von dem Schritte abreden, Ihre Religion, noch die mit denForschungen objectiver Wissenschaft amL eichtesten zu vereinbarende, mit der in Ihrem Lande dominirenden Tri nitas zu vertäu s ch e n. Ein solcher Religionswechsel scheint mir, weil nur in den seltensten Fällen von redlichen Absichten ausgehend, alF das verwerflichste Product unserer socialen Zustände. Harren Sie aus bei ihren Brüdern, die einen so merkwürdigen Märtyrergang durch die Jahrhunderte vollbracht haben, und jetzt an der Schwelle ihrer Freiheit stehen; widmen Sieder GeistesarbeitIhrer tausendjährigen Geschichte Ihre Kräfte und Ihren Gei st; der Erfolg kann und wird nicht auSbleiben, und die Resultate, die Sie, junger Freund, aus dem S ch ach te fr eier Wisse n s ch a f t e r ri n a e n , w erd en Siefürso manche trübe Erfahrung der nebelgrauen,vorAnbruchdeslichten Freiheitsmorgens stehenden Gegenwart trösten und beruhigen. „Ich habe die Ehre zu zeichnen Ihr gewogener Alexander von Humboldt." Welch eine prachtvolle Perle des Edelmuths, der Hochherzigkeit und des hohen Adels der Gesinnung ist dieser Brief Humboldt's! Hätte A. v. Humboldt auch nur diesen einzigen Brief für die Juden geschrieben, — er allein reichte schon hin, in Humboldt den Mann zu erblicken, auf den da- Judenthum mit Recht stolz sein kann! B e r l i n, am 110. Geburtstage Friedrich Schillers. Adolph Kohut. Kannah und ihre Söhne. Aus dem schriftlichen Nachlasse des sel. I. Kra. Wieder mar der Feind gekommen. Wieder war die Stadt genommen Jerusalem — dem Herrn eweiht; Wieder tobt es durch die Gassen, Wieder schänden Feindesmassen Juda's Stolz und Herrlichkeit. Armes Volk! noch kaum geboren, Scheint dein Leben schon verloren Erstickt in Haß und Völkerneid. Sag', mein Volk, mir dein Vergehen, Das so oft, wie's dir geschehen, Dein Glück begräbt in Traurigkeit? Mein Verbrechen, willst du's kennen? Mein Verbrechen? — will dir's nennen. Der Glaube ist's an meinen Gott. Daß mein Glaub' ihn einzig lehret, Keinen außer ihm verehret. Erzeugt' den Haß, gebar den Spott. Glaubenshaß — Gebild der Hölle, Thränen-, Schmerzens-, Trübsalsquelle! — Der Bruder gegen Bruder hetzt: — Wo der Mensch zum Thier geworden, Wo die Menschen Menschen morden — Da ward durch dich das Schwert gewetzt! Haßerfüllt drang Jawans König — Ihm war Juda unterthänig — In Davids Burg und Tempel ein; Hierher bracht er seinen Götzen Allen Gläub'gen zum Entsetzen Verbot'nes Thier und Opferwein. Daß nicht Gott den Donner sendet! — Wie der Heid' den Tempel schändet Und seinen heil'gen Namen höhnt. — Blitze nicht herniedersahren, Und die Erd' nicht wie vor Jahren Sich spaltend zittert und erdröhnt! — So verhallt in bangem Zagen Juda's Seufzen, stummes Klagen, Und wachsend steigt des Grimmen Wuth. Männer, Frauen Kinder, Greise, Priester, Laien, Fürsten, Weise Verharren treu in Flammengluth. Wenn auch Mancher furchtsam schauend, Nicht mel r fest auf Gott vertrauend. In Feigheit seine Fahn' verläßt; Wenn Beruf'ne zum Belehren Ihrem Volk den Rücken kehren — Das Volk stand treu und gläubig fest. Drum erneut mit jedem Tage Der Feind des armen Volkes Plage, Verfolgend es mit Feu'r und Schwert. Scheiterhaufen sind errichtet, Ohne Gnade wird gerichtet, Wer Andres übt, wer Andres lehrt. Sieh' was mitten im Gedränge Dort bewegt des Volkes Menge? Was soll die ganze Kinderschaar? Eine Frau mit sieben Söhnen Bringt der Scherge unter Höhnen Als Opfer dem Tyrannen dar. Teuflisch lächelnd blickt er nieder Auf die Mutter und die Brüder, Die Rettung suchen hier unv dort; — Drohend sich zum Ael'sten wendend, Aus dem Auge Blitze sendend, Beginnt er dann mit gift'gem Wort: Hältst du, Knabe, mir zum Spotte Immer fest an deinem Gotte, Der einzig, einig und allein — Wie s erklären die Gelehrten — Herrscht im Himmel und auf Erden? — Es soll und darf nicht länger sein. Meine Unterthanen sollen Meinen Göttern Ehrfurcht zollen! So hör' denn nun mein ernst Gebot: Willst du nicht sogleich erblassen. Sollst du deinen Glauben lassen. Du endest sonst im Flammentod. „Hör' o König! Jakobs Erben „Fürchten nicht für Gott zu sterben, »Für Ihn und Seine heil'ge Lehr'; „Wie der Kinder erstes Lallen „„Gott ist einig!"" wird's erschallen „In Ewigkeit „„Und Keiner mehr!— Bube! deine frechen Worte Büßest gleich du, hier am Orte! — Den Flammentod erleidet er- Kaum hat dieser noch geendet, Zu dein Zweiten er sich wendet: Erweise meinem Gott die Ehr'! „„Neben mir, der hoch erhaben, „„Sollst du keine Götter haben!— „So lautet Gottes ernst Verbot. „Bücke dich vor keinem Götzen, „Ihn kann keiner dir ersetzen, „Im Leben nicht und nicht im Tod.- Nicht im Tode? In den Flammen Sterbet denn ihr All' zusammen! Nicht einer bleib' von dieser Brut, Die es wagt zu widerstreben, Ihren Gott so hoch zu heben — Bezahlen's All' mit ihrem Blut. Schonungslos und ohn' Erbarmen Reißt man sie aus Mutterarmen Und wirst sie in den Feuerschlund. — Alle ziehen vor zu sterben — Aechte Jacobs Glaubenserben — Für Gott und seinen heil'gen Bund.