Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 47 (24.11.1869)
- Date
- 1869-11-24
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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910 Mädchen heirathen, wie dies vor Kurzem in Wien geschehen. Cdmund Kallay stimmt ebenfalls für Jranyi'S Entwurf, während Paul Szontagh (aus Csanad) sein Votum für Tisza's Antrag abgibt. Domherr Johann Krajcsik bemerkt, Gleichheit sei ein großes Wort, allein wie jedes Ding, so habe auch sie ihre Grenzen. Er wünscht den Ausgleich in der obschwebenden Frage, nur möge er in solcher Weise zu Stande kommen, daß die Rechte und Pflichten der Katholiken nicht über den Haufen geworfen werden. (Allgemeines Lachen). Der Gesetzartikel XX. vom Jahre 1848 trug den vaterländischen Verhältnissen Rechnung, Zranyi's Entwurf aber sei kosmopolitisch (große Heiterkeit); er entwickle ganz falsche Begriffe von den ehrbaren Confeffionen. (Anhaltendes allgemeines Lachen.) §. 4 deS Gesetzentwurfes sagt: Alle Religionen und Kirchen .sind unter einander hinsichtlich ihrer Rechte und Pflichten gleich. Dies hat doch jetzt keinen Sinn (allgemeine Heiterkeit), dies werde nur dann einen Sinn haben, wenn nur eine Heerde und Ein Hirt sein wird. Redner erklärt, er wolle keinen humoristischen Vortrag halten und beschränkte sich darauf, für die Central-Commission zu stimmen. Ladislaus Tisza illustrirt Krajcstk's Ansichten über die Gleichheit, bei welcher aber die Vorrechte der Katholiken aufrechterhalten werden sollen, und stimmt für seines Bruders Antrag. Noch sprechen Emerich Ivanka, Csiky, Ernst S i m o n i und Alexander Horvath. Hiermit war die Reihe der vorgemerkten Redner erschöpft und wurden die Schlußreden der Antragsteller und des Berichterstatters auf morgen verschoben, da ohnehin 20 Abgeordnete schriftlich die namentliche Abstimmung forderten. Die Sitzung wurde nach 2 Uhr geschloffen. Schweden. Stockholm. Herr Gabriel Heimann, Sohn des jüngst in Gothenburg verstorbenen Z. Heimann hat 10000 Thlr. und dessen Schwester Hilda 3000 Thlr. dem praktischen Erziehungsinstitut,in welchem arme Mädchen ohne Unterschied der Confession unterrichtet werden, geschenkt. Die Stiftung trägt den Namen I. Heinmann',che Stiftung. Der General-Consul für Norddeutschland, Herr Karl von Heinemann wurde vom Sultan zum Commandeur des Medjidie-Ordens und vom Herzog von Anhalt zum Ritter des Albrechts - Ordens ernannt. Herr Heinemann hat nunmehr neun Orden. | e tt tl I e t o tt. gilt noch ungedruckter MriefA. von Knmöoldt's an einen Juden.*) Zn Folge unseres Artikels in Nr. 4L dieser geschätzten Zeitung über „Alexander vonHumbold und die Bibel" ist uns von hochachtbarer Seite ein herrliches Schreiben (dessen Authentieität unanfechtbar ist) aus der Feder Alexanders von Humbold zur Veröffentlichung desselben zugestellt worden. Dieser Brief ist ohne Zeit- und Ortsbestimmung an einen vr. Emil Löw gerichtet, der, wie es scheint, zu den Schützlingen des großen Naturforschers gehörte; das hochinteressante, charakteristische, unsere narnpn wmm betreffende Schreiben lautet wie folgt: „An Herrn vr. E. Löw. „Werthester Herr! „Zu meinem tiefsten Bedauern ist es mir erst heute möglich, Ihre schöne sympathisirende Zuschrift nebst Büchlein zu beantworten. „Sie sind unstreitig im Rechte, wenn Sie die Poesie der alten Hebräer das intensiv Beste aller Morgen ländischen Naturpoesie nennen, und in dieser Hinsicht hat Ihr Büchlein den richtigsten Weg eingeschlagen. Rem acu tetigisti; was mir um so lieber war, als die Hauptanstchten derselben mit meinen eigenen, durch jahrzehntelange Erfahrung gewonnenen Resultaten wesentlich übereinstimmten. Ich bitte Sie, noch die Stelle in meinem „Kosmos" gebührend zu bedenken, die sich im B. III. S. 4 t befindet: „Es ist ein charakteristisches Kennzeichen der Naturpoefie der Hebräer, daß, als Reflex des Monotheismus, sie stets das Ganze des Weltalls in seiner Einheit umfaßt, sowohl das Erdenleben als die leuchtenden Himmelsräume. Sie weilt seltener bei dem Einzelnen der Erscheinung, sondern erfreut sich der Anschauung großer Massen. Die Natur wird nicht geschildert als ein für sich Bestehendes, durch eigene Schönheit verherrlichtes; dem hebräischen Sänger erscheint sie immer in Beziehung auf eine höher waltende, geistige Macht. Die Natur ist ihm ein Geschaffenes, Angeordnetes, verlebendige Ausdruck der Allgegenwart Gottes in den Werken der Sinnenwelt. Deshalb ist die lyrische Dichtung der Hebräer schon ihrem Inhalte nach großartig und von feierlichem Ernst. — *) Aus meinem unter der Presse sich befindenden Buche: „Alexander v. Humboldt und das Judenthum"