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Der Israelit · 1869-11-24 · Heft 47 (24.11.1869) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 47 (24.11.1869)
Date
1869-11-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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X. Jahrgang. Erste Beilage zu Nr. 47 des Israelit. Hleöer das Schlachten der Miere.*) Von Thierarzt Hasselbach. Wie bekannt, entnimmt der Mensch seine Nahrungsmittel nicht allein dem Pflanzenreiche, sondern auch dem Thierreich. Die Menge der hiezu verwendbaren Thiere ist beträchtlich; doch sei im Nachfolgenden nur auf unsere Hausthiere, und hier besonders wieder auf diejenigen hingewiesen, welche zu den Familien der Zweihufer und Vielhuser gehören. Außer anderem Nutzen, den sie gewähren, werden sie auch für diesen Zweck gehalten und es wird dafür gesorgt, daß es nie an diesen Nahrungsmitteln fehle. Um uns das Fleisch, Fett u. s. w. dieser Thiere nutzbar zu machen, müssen dieselben erst gelobtet werden, Und es dürste wohl von Interesse sein, die Todesarten einigermaßen zu beleuchten, welche heut zu Tage angewendet werden, obwohl auch hierüber schon Mancherlei und vielfach geschrieben und gesprochen worden ist. Was die größeren Hausthiere betrifft, so werden, das Schwein mit einbegriffen, dieselben erst einigermaßen gefesselt und durch einen kräftig geführten Schlag vor die 'Stirn betäubt, was zu dem Zwecke geschieht, daß das Thier züsammenftürzen soll; sodann wird der Bruststich oder die völlige Durchschneidung der Halsarterie vorgenommen, in Folge deren das Thier durch Verblutung stirbt. Betrachten wir den Zweck dieser Manipulationen, so ffnden wir, daß durch den Schlag vor die Stirn, unter welcher sich das große Gehirn befindet, allerdings eine derartige Betäubung eintreten soll, daß das Thier die Durchschneidung des Halses oder den Bruststich nicht fühle. Es ist unbestreitbar, daß, wenn der Schlag kräftig ist und auf die richtige Stelle geführt wird, eine solche Betäubung entsteht, daß das Thier die weiteren Manipulationen nicht mehr fühlt, weil ihm das völlige Bewußtsein mangelt. Begeben wir uns aber öfter in Schlachthäuser, so wird es nicht lange währen und wir werden zu der Einsicht gelangen, daß Keule und Beil dort oft von Leuten gehandhabt werden, denen entweder die dazu erforderlichen Kräfte fehlen, oder Geschick und Wissen *) Anm. der Red.: Wir entnehmen der „Schkes. landw. Ztg." den obenstehenden Artikel und geben ihn bei der Wichtigkeit dieser in jüngster Zeit vielfach ventilirten Angelegenheit unverändert wieder. Unsere geehrten L?ser mögen dabei berücksichtigen, daß dieser Aufsatz von einem Nichtjuden verfaßt worden und daher so Manches enthält, was der jüdischen Anschauung nicht konform ist. abgeht, so daß durch deren Schlag das Thier nicht nur nicht betäubt wird, sondern durch den entstandenen Schmerz rasend gemacht, sich seiner Feffeln entledigt und wüthend herumirrt, wobei noch Menschenleben in Gefahr gebracht werden. Ein solch wuthembranntes Thier alsdann wieder zu bändigen ist nichts Kleines, und es ist nicht selten, daß man dann genöthigt ist, durch eine wohlgezielte Kugel dem armen, gequälten Thiere den Garaus zu machen. In Folge der Durchschneidung des Halses, wobei also die Luftröhre, der Schlund, die großen Halsnerven und die großen Blutgefäße durchschnitten werden, tritt durch den Ausfluß d?s eigentlichen LebenSelementes, des Blutes, der Tod ein. Wie aber bekannt, enthält gerade das Blut viel Eiweis und solche Bestandtheile, die, vom Menschen genossen, denselben kräftig nähren, während das Fleisch, dem der größte Blutgehalt fehlt, lange nicht so nahrhaft ist. Hieraus ist es erklärlich, daß geschossene Thiere für nahrhafter gebalten werden, als geschlachtete. Hierauf fußend haben Fleischer in großen Städten, zuerst in Hamburg, es versucht, die Tbiere durch den Genickstich zu tödten, damit das nahrhafte Blut im Fleisch bleibe, wodurch letzteres allerdings ein dunkelrothes Aussehen behält, dafür aber freilich nicht nach dem Geschmack unserer schlesischen Hausfrauen ist. Der sogenannte Genickstich wird in der Art ausgeführt, daß mittelst eines spitzen, dabei aber starken Messers (Genickfänger) zwischen dem ersten und zweiten Halswirbel eingedrungen wird, um auf diese, Weise das sogenannte verlängerte Mark vom Gehirn zu trennen, wodurch, wenn es vollständig gelingt, das Thier plötzlich zusammenstürzt, welches eine Folge schnell eintretender Lähmung ist. Thatsache aber ist es, daß die Thätigkeit des großen Gehirns selbst nach Durchschneidung des verlängerten Markes noch eine Zeit lang fortbesteht, woraus also hervorgeht, daß Thiere, auf diese Weise geschlachtet, unter großen Qualen sterben. Die Ausführung des GemcksticheS ist auch nicht so leicht, wie allgemein angenommen wird, weil der Raum zwischen dem ersten und zweiten Halswirbel bei keinem Thiere so groß ist, daß man in demselben eine mehr schneidende Bewegung mit dem Messer machen könnte, und so sicher alle Fäden des Markes durchschnitte. Hieraus erklärt eS sich, daß sehr häufig nach dem Genickstiche die eine Hälfte des Thieres gelähmt erscheint, während die andere noch fortfährt, lebendig zu sein und ein abermaliges Einfuhren des Genickfängers nöthig macht, was wiederum die Qual des armen Thieres erhöht. Betrachten wir jetzt das rituelle Schlachten, wie

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