Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 47 (24.11.1869)
- Date
- 1869-11-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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900 Joseph stutzte. Offenbar hielt ibn das halb- Llödfinm'ge Weib für den verstorbenen Grafen Dörnbach. Aber sollte vielleicht hier der Schlüssel zu dem Rätbsel zu finden sein, das seinen Pflegevater ins Geföngniß gebracht hatte? . Er eilte zurück an die Pforte des Klosters und Lat den Pförtner, den Pater Hubertuö herbeizurufen. Als dieser kam, erzählte er ihm in geflügelten Worten, was er soeben gehört hatte. Drr Pater rief einige Klosterdiener herbei und ließ daS Frauenzimmer ins Spital führen. Hier erkannte man bald, daß es an einer ledtlichcn Krankheit leibe; doch gelang es der sorgfältigen Pflege, das Bewußtsein wieder zu wecken. Als das fremde Frauenzimmer soweit hergestellt war, daß es im Zusammenhänge denken und reden konnte, ließ sich Pater Hubertus zu ihm führen und forderte es auf, ihm mitzutheilen, was für eine Bewandtniß es mit dem Kinde des Grafen Dernbach habe, von dem es an der Pforte des Kreuzherrenklosters gesprochen. Das Weib erschrak heftig und gab vor, daß eS sich nicht mehr erinnere, etwas Derartiges gesagt zu haben. „Meine Tochter", sagte Pater Hubertus sanft „ich muß Dir mittheilen, daß Du nach dem AuSspruche der Aerzte an der Pforte des Todes weilest. Menschliche Gerechtigkeit wird Dich nickt mehr strafen können, aber droben harrt Dein der himmlische Richter. Gestehe hinieden das Verbrechen, das Du begangen, und um desfeutwillen ein Unschuldiger leidet, damit Dir dort oben Verzeihung werde." Da fing das fremde Weib an zu weinen und versprach, ein offenes Bekerntniß ihrer Schuld abzulegen. Der edle Pater ließ hierauf GerichtSpersonen herbeirufen, und in ihrer Gegenwart erzählte das fremde Weib, daß eS Marinka heiße und aus Brünn stamme, daß es aus Racke gegen feinen Verführer, den Grafen Arthur von Dornbach, dessen Kind geraubt und es einer jüdischen Bettlerfamilie, die es aufzuziehen versprochen, überlassen habe. Nun war Raphael del Monte's Unschuld erwiesen. Als man die in Erfahrung gebrachten § Hatsachen der Gräfin mittheilte, erinnerte sie sich der Worte ihres sterbenden Gatten: „Marinka, Du bist gerächt!" Nun war Alles klar. Marinka hatte, nachdem sie ihre grausame Rache vollbracht, ein Leben des Lasters und deS Elends geführt. Nirgendwo batte sie Ruhe gefunden, bis sie halbtodt nach Prag kam und in dem vorübergehenden Joseph, getäuscht durch die wunderbare Aehnlickkeit, den Grafen Arthur von Dornbach zu erkennen glaubte.! Drei Tage, nachdem sie ihre Geständnisse gemacht hatte, starb sie. > Raphael del Monte wurde sofort in Freiheit ge j setzt und seiner jubelnden Familie zurückgegeben. Jo- > seph hängte sich an den Hals des theuren Pflegevaters und weinte und lackte und jubelte. „Vater!" rief er, „wie kann ich Dir genug danken für all das Gute, das Du der verlassenen Waise erwiesen hast!" I „Laß es gut sein, mein Sohn", antwortete del j Monte. „Du hast mir so viel Freude bereitet, seitdem ick so glücklich bin, Dich Cohn zu nennen, daß ich reichlich dafür belohnt bin!" Die Gräfin Dornbach wurde gemeldet. Als sie cmgetreten war, schritt sie aus Raphael zu und reickte ihm ihre Hand. „Del Monte", sprach sie, „können Sie mir das große Unrecht verzeihen, das ich Ihnen zugesügt habe?" „„Ich verzeihe es Ihnen, Frau Gräfin, glaubten Sie doch im Rechte zu sein."" „So empfangen Sie meinen Dank für alle die Liebe und Sorgfalt, die Sie und Ihre Frau Gemahlin meinem Sohne haben zu Theil werd n lassen." „Und Du, mein Sohn", wandte sich die Gräfin an Joseph, „weigerst Du Dich noch immer, an oaö Murterhcrz zu eilen, das Dir so laut entgegenschlägt?" Da konnte Joseph nicht widerstehen; er schloß die weinende Mutter in ferne Arme, selbst in Thrä^ nen auslreckend. Jos-pH begleitete seine Mutter in ihren Gasthof^ wo er seinen Bruder Benno fand. Auch die Brüder unifli mten sich aufs Herzlichste. „Bruno", sagte Benno, „Du wirft jetzt Henj von Dornbach sein, denn die Güter sind Lehnsgüter, die nur ans den Erstgeborenen übergehen." „Lieber Bruder", entgegnete Joseph, „ich werde! Dir den ganzen Dornbachschen Gütercomplex überlas! sen, da der Kaiser wohl schwerlich einen Juden wiri^ belehnen wollen!" „„Einen Juden?"" fragte Gräfin Agnes er! staunt, „„Du wirst dock wohl zum Glauben Deines Väter zurückkehren wollen!"" „Nicht doch, Frau Mutter, ich werde in bcß| Glauben verharren, in welchem ich bin erzogt worden." „„Unglücklicher"", ries die Gräfin, „wollte Gott! ich hätte Dich niemals wiedcrgesehen!"" (Forts, folgt.! Hierzu drei Beilagen. 'Verantwortliche Redaktion: I>r. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. von I. GortSleben in Mainz. Dampf»Schnellprefjendruck.