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Der Israelit · 1869-11-24 · Heft 47 (24.11.1869) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 47 (24.11.1869)
Date
1869-11-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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694 Wie war. doch dieses griechische Heidenthum so schön und blendend! Jede einzelne Naturkraft war aufgefaßt als ein Gott oder eine Göttin — und wie «aufgefatzt! Bildhauer, deren Kunst wir noch heute bewundern, verstanden es, die lieblichsten Gestalten in Marmor darzustellen: den mächtigen, würdevollen Zeus, die erhabene Here (Juno), die gedankenvolle Pallas Athene (Minerva), die scköne Aphrodyte (Venus), den listigen Merkur, den lieblichen Amor, die jugend- * liche Hebe, den herrlichen Apollo, die jagdkundige Artemis (Diana), den kriegerischen MarS und all die andern Götter und Göttinen ohne Zahl, deren kunstvolle Bilder die Tempel schmückten und die öffentlichen Plätze, und deren Anblick, das Auge entzückte! Aber nicht b*oß die Hand deö Bildhauers, auch der Pinsel Wirter8 schuf köstliche Gebilde, und die Dichter sangen jene wundervollen Lieder, welche die Götter verberrlichten, und der Mime stellte die Tragödien der erhabenen Meister dar, die uns noch beme mit Bewunderung erfüllen, und der Philosoph brachte daS Alles in ein System und lebrte, daß es nur die Hülle hhherer Wahrheiten sei! Dazu kam noch, daß die Griechen als Herrscher auftraten — hat doch der herrschende überall Recht, der Beherrschte aber Unrecht! ArmeS Juda, wirst du widtrstehen können diestm berauschendin, entzückenden, verlockenden Griechenthume, du, das du all dem nichts enlgeg'nsttllen kaynst als deine ewige Wahrheit, deine reine Sitte? Und in der That, Juda konnte nicht widerstehen; die Reick en und Vornehmen in seiner» Mitte ließen sich pflocken und berauschten sich im heidnischen Sinnentapmel, bis daß sie mit Hilfe des griechisch-syrischen Tyrannen, des wahnsinnigen Seleuciden, auch das Volk zwingen wollten, den griechischen Götzen zu dienen. Da ermannte sich das Volk und opferte sich NUd ließ sich nicht zwingen; dann aber leistete es Widerstand unter der Führung gottbegeisterter Helden, BTQ rvPE”S Dini ojnju mcon „Gottes Ruhm in Hrer Kehle und zweischneidiges Schwert in ihrer Hand," upd daS Griechenthum ward besiegt, und rein und hehr rrstand wieder die L hre unseres Gottes, als deren Symbol noch heute das Chanukah - Licht leuchtet in unfern Häusern. Lange, lange war das Griechenthum besiegt und begruben, bis es vor ungefähr drei Jahrhunderten j wiedererwachte und allmählich wieder Kraft gewann. Roms Koloß hat unsere Notion erdrückt, ohne sie zerdrücken zu können; er hat unfern Naticnalkörper rerstücht, ohne uvserm Nationalg eiste zu schaden. Zerstreut über den Erdboden, sind wir unserm Gotte und Seiner heiligen Lehre treu geblieben. Die ungeschlwchten Völker des Mittelalters hohen uns tu* Mzt und gequält, aber unser geistiges Leben haben Mnicht berührt. Hoch erhaben stand Israels r>ine, göttliche Lehre üb« dem Wahne Md der Finsterniß. j Erst als im vorigen Jahrhundert der Geist des GriechenthumS hinausdrang aus den Stuben der Gelehrten in die Masse des Volkes, erst als die Encyclopädisten in Frankreich und die Aufklärer in Deutschland die Ideen zu kleiner Münze prägten und gangbar machten, welche die großen Denker aus den griechischen Schriftdenkmälern geschöpft hatten, erst da drobte wiederum dem Judenthume Gefahr; den« die Gefahren des Mittelalters hatten nur die Judenheit bedroht. Und siehe — es ist beinahe wieder so gekommen wie einst, da die abtrünnigen Hohenpriester Jason und Menelaos im heiligen Tempel dem Herakles opferten? Auch heute wandeln falsche Priester die Synagogen in Theater und Concertsäle um; auch heute ist vergessen von den meisten Reichen und Vor^ nehmen unseres Volkes Sabbat und Festtag, Ehegesetz und Speisegesetz, auch heute tummelt sich JsraÄs Jugend in der Ringschule (Palcstra) unjüdischen Lebens, auch heute sind die Familnn entjüdischt, ist die Reinheit deS jüdischen Familienlebens, die Unschuld der Jünglinge fast zur Mythe geworden. Aber auch heute scndert sich ein Kern aus der großen Masse^ bereit, Alles zu opfern für die Erhaltung deS väterlichen Glaubens, des Gottesgesetzes, aufzunehmen den Kampf gegen daS moderne Griechenthum, zu erhalten die ererbte Sitte, einzusiehen für Gott und Seine Thora! Gott sei Dank, unfern modernen Hellenisten steht kein Antirchus Epiphanes zur Seite, der mit Mord und Scheiterhaufen uns zum Abfall zwinge; nicht brauchen wir zu sterben für die Wahrheit, aber wir müssen mehr thun als das, wir müssen leben für sie. Allüberall entbrannt der Kampf, der Kampf des Geistes, in der Schule und im Leben, in der Synagoge und im Hause, in der Wissenschaft und auf dem Markte. Wo der moderne Hellenismus daS Judenthum schon lange überwunden zu haben schien, da grünt und blüht es wieder hervor, stark, mächtig, lebensfrisch. Die schwächliche, kränkliche sogenannte Reform, die in den dreißiger und vierziger Jahren so groß tbat, liegt in den letzten Zügen; ihre Heroen — kleine, schwächliche Geister, Pygmäen, die den Rieser.berg des Judenthums abtragen zu können vermeinten — sind todt oder altersschwach; der Nachwuchs geht nach Amerika; denn kt, 0’!? iDya tei dort, wo man die Thora nicht kennt, gilt noch die Unwissenheit und das Phrasenthum, welches diesen Nachwuchs auszeichnet. Aber an den alten Statten des jüdischen Lebens erwacht die Sehnsucht nach Gott und der GotteSleh« und den GotteSgeboten wieder mit Macht. AWberqA erstehen wieder orthodoxe Gemeinden, welche die Thve Ta und deren Gesetze sich erhoben wolle« unh ihren Kindern — ein rrcnrS MqckabZerKeschlchHb

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