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Der Israelit · 1869-11-17 · Heft 46 (17.11.1869) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 46 (17.11.1869)
Date
1869-11-17
Page
– (sequence 12)
Language
German
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gayzer Seele Jude bin, mich auch glücklich schätzen würde, wenn meine Kinder tüchtige Talmudisten werden würden. Auch Herrn vr. Rülf's Aeußerung über die dortigen Mädchen ist zutreffend, wenn diese ihre Jugendzeit auch nicht im Bette verbringen, aber mit Nichtsthun. Vor 14 Jahren — häufig noch früher — werden sie verheirathet; hat der Mann ein offenes Geschäft, welches in der Regel außerhalb des Hauses ist — dann ist sie Leiterin desselben und ernährt allerdings , wie Herr L. behauptet, die Familie, während der Mann im tcmon rro sitzt. Aber gehört die Frau nicht in die Häuslichkeit, ist dies nicht ihr Beruf? Dadurch sind die Kinder von frühester Jugend ohne Aufsicht, sie müssen sich selbst erziehen. Die Wirtschaft wird vernachlässigt, die Unsauberkeit nimmt derartig überhand, daß ein längerer Aufenthalt in solcher Wohnung mitunter unmöglich wird. Wo findet man noch so viele körperlich unglückliche Personen als in Rußland unter unfern Glaubensgenossen, und woher kommt dies? weil die Kinder ohne Aufsicht sind und als solche verunglücken. Die volle Freizügigkeit im ganzen russischen Reiche würde allerdings eine Wohlthat für die dortigen Juden sein, aber diese wird selbst der hochgeehrte edle Herr Cremieux nicht erwirken, daher kann einstweilen nur die Auswanderung helfen. Die Handwerker mögen nach dem Innern Rußlands einwandern, wenn ihnen ihre Niederlassung dauernd gesichert wird. Herr Lebegott, den ich persönlich kenne und achte, hat gewiß beim Niederschreiben seines Artikels Niemanden verletzen wollen; nur hat er sich zu sehr von seinem Gefühl für jene Unglücklichen hinreißen lassen, und dadurch Männer verletzt, die mit ihrer ganzen Kraft für die Nothleidenden eingetreten sind. Auch ich bin von gleichem Gefühl für sie beseelt; das hält mich aber nicht ab, ihre Fehler aufzudecken und der Wahrheit die Ehre zu geben. M. Alexander. Memel, 7. November. In einem einsamen Kruge (Wirthshaus) nahe bei Skud oder Schodon in Litthaucn, an der kurländischen Grenze, wohnte eine jüdische Familie bestehend aus Mann, Frau, fünf Kindern und einer andern verwittwetm Frau. Der Krüger, Jossel mit Namen, war gegen Abend nach Skud gegangen, um das älteste der Kinder, welches daselbst die Schule besuchte, nach Hause zu holen. Während dessen waren fünf Bauern daselbst eingekehrt, hatten sich betrunken und wollten schließlich nicht bezahlen; darüber entstand Streit zwischen der Wirthsfrau und den Säufern, und Einer versetzte der Frau einen Schlag, daß sie entseelt zu Boden stürtzte. Ob bas von Anfang ihre Absicht gewesen, oder ob aus Furcht vor den Folgen der That — sie machten sich auf, ermordeten nun auch noch die vier Kinder, die gekannte Wittwe und ein fremdes jüdisches Bettelkind, welches für diese Nacht daselbst ein Unterkommen gefunden hatte; das HauS aber zündeten sie an. Indessen kam der Mann, das andere Kind an der Hand, in jähem Schreck über sein brennendes Haus angestürzt und die Ungeheuer ergriffen den Mann und das Kind und warfen beide in die Flammen. — DaS hat sich etwa acht Meilen von unserem Orte zugetragen, man kennt die Verbrecher, aber die russischen Behörden suchen durch fasche Maßnahmen, durch Drohung und Einschüchterung die Sache hinzuhalten oder wohl ganz zu vertuschen. Ihr edlen Mmschen der civilisirten Welt! dulden wir nicht solch einen Frevel an der gesammten Menschheit! Erheben wir mit Macht unsere Stimme, daß solch entsetzliche That gerochen werde nicht blos an den Verbrechen, sondern auch au den lässigen Beamten. Für die Wahrheit bürgt Dr. Rülf. N. S. Zur freudigsten Genugthuung erfahren wir soeben, daß die höhere russischen Behörden sich in's Mittel geschlagen, die betreffenden Beamten zur Rechenschaft gezogen hätten und nun die Untersuchung im vollen Ganze sei. A m e r i k a. Washington. Der berühmte Neger Friedrich Douglas schrieb jüngst an Herrn Simon Wolf (Israelit) einen Brief, in welchem er um die Erlaubnis zur Abhaltung einer öffentlichen Versammlung im Districte Columbia bat. (Die Beanfsichtigungsbehörde steht nämlich unter der Controlle des Herrn W.). Herr Wolf gewährte dieses Gesuch und bezeichnete, Herrn Douglas in seinem Antwortschreiben, seine besondere Sympathie, indem.er sagte, daß er selbst einer Race angehöre, welche so lange und so viel von Vorurtheit und Verleumdung zu leiden hatte. Feuilleton. Jüdische Kaufleute im sechzehnten und steözehnten Jahrhundert. Die Sammlungen von GeschichtSquellen, wie sie in unsrer für die historische Wissenschaft so eifrig tätigen Zeit zahlreich an die Oeffentlichkeit treten, liefern trotz der verschiedenen Rücksichten, in denen sie unternommen sind, doch großen Theils auch für die jüdische Geschichte einige Ausbeute; sie geben UnS über die Beziehungen Aufschluß, welche die Inden der vergegangenen Jahrhunderte mit den engeren und weiteren Kreisen ihrer Zeitgenossen unterhielten. Wir müssen aber jede Nachricht, die nach dieser Seite hin das über der jüdischen Geschichte liegende Dunkel erhellt, doppelt freudig begrüßen. Denn was die allerwärts zerstreuten Juden für die allgemeine Culkur,

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