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Der Israelit · 1869-11-17 · Heft 46 (17.11.1869) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 46 (17.11.1869)
Date
1869-11-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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884 „Besitzen Sie noch Etwas aus dem Nachlasse des Händlers?" „„Kleinigkeiten."" „Holen Sie dieselben herbei!" Raphael holte sie. Als Gräfin Dornbach das Medaillon erblickte, welches das Bild ihres Gatten enthielt, stieß sie einen lauten Schrei aus. „Das ist das Medaillon", rief sie, „welches mein Bruno an seinem Halse getragen. Es enthält das Bild meines verstorbenen Mannes, beS Grafen Arthur von Dornbach! Elender Jude, leugnen Sie noch, daß Sie mein Kind geraubt haben oder haben rauben lassen?" „Sie sehen", sagte der Polizeirath, „daß Alles gegen Sie spricht, Herr del Mont?. Es hat sich nämlich unzweifelhaft herausgestellt, daß der junge Mann, welcher bisher Joseph del Monte hieß, in Wirklichkeit Graf Bruno von Dornbach ist, der als kleines Kind aus dem Schlosse seiner Väter gestohlen worden. Folgen Sie mir, Herr del Monte." „Ich folge Ihnen", sagte del Monte ruhig. „Der allgerechte Gott wird meine Unschuld an den Lag bringen." — „Gräfin" , fuhr er zu reden fort, sich an diese wendend, „Sie treten stets unglückbringend in meinen Lebenspfad. Einst hätten Sie mich beinahe zum Verbrechen und zum Todte geführt - heute bringen Sie durch eine falsche Anklage Trauer und Betrübniß über meine Familie. Doch ich zürne Ihnen nicht. Aber eine-Frage beantworten Sie mir: Weiß mein Sohn Joseph von den Schritten, die Sie gegen mich gethan haben?" „Nein", entgegnete die Gräfin, „er weiß noch nicht, daß er mein Sohn ist, er hält Sie noch immer für seinen Vater und spricht leider mit nur zu großer Begeisterung und Liebe von dem Manne, der ihn um Rang, Stand, Reichthum und, was mehr ist als das Alles, um sein Seelenheil betrügen wollte." „So danke ich Gott, dem Allgütigen", sagte del Monte feierlich, „daß er mir diesen schmerzlichen Gedanken erspart hat." „Meine Theuren", redete er bann seine lautjammernd.' Frau und die stillweinende Tochter an, „seid ruhig und gefaßt. Gott wird uns in Fröhlichkeit wieder zusammenführen." Hierauf folgte er den Beamten, die ihn ins Gesängniß führten. Die Verhaftung del Monte's erregte ungeheures Aufsehen. Wiewohl seine Angaben sich bestätigten, wiewohl die Hospitalcommission die Wahrheit derselben bezeugte und aus ihren Büchern nachwies, so blieb doch der Verdacht auf del Monte haften, den verstorbenen Händler Kalmann zum Raube des Kindes veranlaßt zu haben. Denn, daß dieser das Kind gestohlen, schien außer allem Zweifel. Aber was sollte ihn dazu veranlaßt haben, wenn nicht der Auftrag del Monte^S, der sich an der Gräfin rächen wollte, der überdies das Kind später bei sich ausgenommen hatte? So blieb del Monte im Gefängnisie. Genügte doch damals in Oestreich eine auf Wahrscheinlichkeit beruhende Anklage, um die davon Betroffenen Jahre lang im Kerker schmachten zu lassen; zumal hier, wo die Anklage von einer Gräfin ausging, einen Juden betraf und außerdem ein Verbrechen behauptete, das zu bestrafen der Geistlichkeit besonders gebeten erschien! Als die Gräfin nach Dornbach zurückgekehrt war, ließ sie Joseph zu sich kommen. „Herr del Monte", sagte sie mit bewegter Stimme, „ich habe Ihnen eine wichtige Mittheilung zu machen. Sie wissen, daß mir vor mehr als zwanzig Jahren ein Kind gestohlen wurde; ich habe dieses Kind wiedergefunden." „„Da wünsche ich Ihnen Glück, Frau Gräfin. Weiß Graf Benno schon von diesem freudigen Ereignisse?"" „Er weiß davon. Durch ihn erfuhr ich, daß Jemand, der ihm sehr ähnlich ist, einen sternförmigen Leberfleck an der linken Brust trägt" „„Frau Gräfin"", stammelte Joseph verwirrt. „Komm' an mein Herz", rief die Gräfin zärtlich, „mein Sohn, mein Bruno, mein langvermißter!" Der junge Mann blieb stehen, starr wie eine Bildsäule. „Ich, Frau Gräfin, ich, Ihr Sohn? Sie täuschen sich. Das Mal wird ein Spiel des Zufalls sein wie die Aehnlichkeit. Ich bin ja ein Jude, der Sohn eines Juden!" „„Nein, Du bist mein Bruno, das Kind, das ich unter meinem Herzen getragen. Der elende Jude, den Du für Deinen Vater hälft, hat Dich mir stehlen lassen. Man hat bei ihm das Medaillon gefunden, das Du einst an Deinem Halse getragen und das Deines Vaters, des Grafen Dornbach Bildniß enthält!"" „Wie, mein Vater del Monte hätte Ihr Kind stehlen lassen! Frau Gräfin, das ist unmöglich!" „„Er selbst hat ja eingestanden, daß Du nicht sein Sohn bist; er wird jetzt den Lohn ernten für seine Frevelthat; schon schmachtet er im Gefängnisse!"" „Mein Vater im Gefängnisse? Da muß ich gleich nach Prag eilen, ihn zu befreien!" „„Und mich, Deine Mutter, lässest Du vergeblich die Arme ausstrecken nach ihrem langentbehrten Kinde?"" Joseph hörte sie nicht mehr; er war hinweggeeilt. (Forts, folgt.) Hierzu eine Beilage. Verantwortliche Redaction: I>r. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf- Schnellpreffendruck von I. Gottsleben in Mainz.

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