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Der Israelit · 1869-11-17 · Heft 46 (17.11.1869) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 46 (17.11.1869)
Date
1869-11-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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882 Holland. Amsterdam. Herr vr. B. Cohen, Advokat in Groningen, wurde zum Procurator am dortigen Provinzial-Gerichtshof ernannt. Frankreich. Paris, 8. Nov. Donnerstag, als am ersten Todestage des Baron James von Rothschild, fand im Beisein aller Mitglieder der Familie und der intimsten Freunde derselben in dem israelitischen Bethanse des Rotschild'scken Hospitals in Paris ein Trouergottesdienst statt, welcher von Rabbiner Cohn geleitet wurde. Hieran schloß sich ein Vortrag des Groß - Rabbiners von Frankreich, Herrn Isidor, in welckem u. A. die Mittheilung gemacht wurde, daß der Verewigte in seinem Testament neben bereits bekannten Wohlthätigkeitsacten eine Stiftung zur Erbaung eines Versorgungshauses für 125 altersschwache Personen beiderlei Geschlechts gemacht hat. England London. Bei der letzten Versammlung des Loarck ok Guardians zeigte Herr N. M. von Rothschild an. daß die Liste der von ihm gesammelten Gaben für die Wintersaifon die Summe 500 L. (60OO st.) aufweist. Diese Summe wurde kurz vor der Versammlung gezeichnet. Türkei. Aus dem Orient. Anfangs der Zwanziger dieses Jahrhunderts stand Lord Mettlen an der Spitze der Regierung der jonischen Inseln. Unter der Verwaltung dieses edlen und energischen Lord Ober-Commistärs begann für die jüdischen Bewohner Corfus und dessen Umgegend die Aera der Gleichberechtigung. Zwei Züge aus dem Leben des erwähnten toleranten Gouverneurs werden beweisen, wie sehr er es verstand, unsere Glaubenöbrüder gegen den Fanatismus einer unwissenden Bevölkerung zu schützen. Zu Corfu war es Gebrauch, daß an Ostern nächtlicher Weise eine Prozession in den Straßen der Stadt veranstaltet wurde; der Zug nahm seinen Ausgangspunkt von der größten Kirche Saint Esprit und endigte gewöhnlich mit einem heftigen Tumulte gegen die Juden und in deren Abwesenheit gegen die jüdischen Häuser. Da wurden die Thüren zerschlagen, Steine in die Fenster geschleudert und wehe dem armen Juden, der sich blicken ließ in dm Gassen. Er konnte von Glück reden, wenn er mit einer derben Tracht Prügel davon kam. — Lord Mettlen war angekommen; seine Anwesenheit hatte jedoch den Pöbel nicht verhindert, die gewohnten Bubenstreiche auszuüben. Tags darauf führten die jüdischen Vorsteher Klage bei dem Lerd-Ober-Cowmissär, welcher sie sehr freundlich aufnabm, ihnen jedoch bemerkte, daß sür dieses Jahr schon darum nichts m thun sei, weil man die Schuldigen aus zwei Ursachen nicht ermitteln könne: einmal da die kirchliche Feier bei Nacht stattfinde, sodann ob der großen Anzahl, welche sich daran beiheiligt und unter welcher es schwer sei, die eigentlichen Ruhestörer und Anstifter zu entdecken. „Kommen Sie künftiges Jahr acht Tage vor der Osterwoche zu mir, und es soll alsdann abgebolfen werden." Die Vorsteher Cvrsus hatten es vernachlässigt, Lord Mettlen an sein Versprechen zu erinnern, doch er selbst hatte es nicht vergessen. Er ließ die Parnaßim rufen und stellte sie zur Rede ob ihres Vcrgessens; sie erwiderten ihm, daß sie seiner Sorgen um die Juden zu gewiß waren, um es für nöthig gehalten zu haben, ihn nochmals daran zu erinnern. „Gut", sprach cr, „Euer Vertrauen soll gerechtfertigt werden". Kaum hatten sie sich entfernt, so ließ er den Erzbisäof von Corfu holen und verlangte von ihm den Schlüssel zur Hauptkirche St Spirito. Der geistliche Herr säumte nicht, denselben seinem Gouverneur zu bringen. „So", sprach Mettlen, „gehen Sie setzt nach Hause, nach 14 Tagen können Sieden Schlüssel wieder haben." „Wie", erwiderte der Erzbischof, „wissen denn Eure Gnaden nicht, daß wir diese Woche die h?. Osterwoche haben und Prozessionen von dieser Kirche aus abhalten müssen?" — Gerade deshalb, sprach Lord Mettlen, möchte ich die Kirche verschlossen wissen, um dem alljährlichen Unfuge gegen die Juden vorzubeugen. Nach langem Bitten übergab Mettlen den Scklüssel dem Erzbischof, welcher vorher ein Schreiben unterzeichnet hatte, worin er sich für jedwede Ruhestörung verantwortlich machte. Wirklich lief in jenem Jahre die Prozession ganz ruhig ab, da der Erzbischof und seine Vicare jeden Augenblick aus den Reihen traten und das Volk zur Ordnung und Ruhe ermahnten. Von jenem Jahre an und weiter durfte die Prozession nur bei Tag abgehalten werden, wodurch unsre Glaubensgenossen von vielen Aengsten und Nöthen befreit worden sind. — Ein andermal war Lord Mettler in Zante; auf einem Spazierritt durch die Stadt, bemerkte er eine große Menschenmenge, welcher er sich sofort näherte, um den Grund dieser Bewegung zu erfahren. Man gab ihm zu verstehen, daß es Gebrauch der Inselbewohner sei, an diesem Tage einen Juden (aus Stroh) zu verbrennen. Ha, war das ein Jubel und ein Jauchzen! Mettlen schwieg, ritt eilends in das GerichtSgebäude und befahl einige gewandte englische Genie- Ossiziere zu sich. Meine Herren, redete er sie cm,

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