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Der Israelit · 1869-11-10 · Heft 45 (10.11.1869) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 45 (10.11.1869)
Date
1869-11-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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868 und kultueller Beziehung die andern Confessionen übertreffen; die Zahl der geschiedenen Ehen ist bei den Juden verhältnismäßig eine verschwindend kleine gegen die der christlichen Confession. Es würde wohl der Nachw.'is, daß Sitte und Moral, die Grundlagen jeder Religion, bei den Juden abgenommen haben, sehr schwer zu führen sein. Wie hiernach das Staatsinteresse geschädigt werden kann, ist um so unverständlicher, da besonders in den letzten Jahren eine Reihe von Thatsachen gerade das Gegentheil bewiesen hat. „Wohl ist der jüdische Mann stolz und eifersüchtig auf seine Freiheit, auf die Autonomie im Judenthume, er kann dies um so mehr in dem Bewußtsein, daß seine Gemeinden, auch die kleinsten mit der größten Freudigkeit die schwersten Opfer bringen, um der Jugend den nöthigen Religionsunterricht ertheilen zu lassen. „Es ist aber hierbei auch noch ein Rechtsgrund, der schwer in die Wagschaale fallt. Die Communen, und besonders als helleuchtendes Vorbild Breslau, kämpfen schon seit langer Zeit gegen das herrschende Kirchenregiment, das unterstützt von der Autorität des Staats, ihnen ihre Selbstständigkeit verkümmert und ihre Gemeindefreiheit in Bezug auf die Errichtung der durch die Mittel der Communen erbauten Lehranstalten unterdrückt. Es ist eine heilige Pflicht der Juden, die Communen in diesen ihren Freiheitsbestrebungen zu unterstützen, damit die christlichen Confessionen die Gleichstellung mit den Juden in Bezug auf Religionsfreiheit und Selbstständigkeit der Gemeinden ebenfalls erreichen. Haben erst die Communen siegreich diesen Kampf durchgekämpft, so kann selbstverständlich von einer „geduldeten" Religion keine Rede mehr sein, da alsdann alle Confeffionen gleiche Rechte haben. „Nach den obigen Ausführungen können wir daher nur hiermit gegen Ihre „Petition" Protest einlegen und Ihnen erklären: „Wir richten unsere Schulen ein, wie wir wollen, wir erziehen unsere Kinder, wie wir es nach unserer religiösen Ueberzeugung mit unserem Gewissen vereinigen können. Wir halten unsere Religionsfreiheit und Selbstständigkeit unserer Gemeinde fest." „Wir hoffen, Ihr Versuch, die Staatsgewalt anzurufen, um in unsere Religionsfreiheit, in die Selbstständigkeit der Gemeinden einzugreifen, wird der erste und zugleich der letzte sein. „Hirschberg, den 13. September 1869. „Der Vorstand und die Repräsentanten der Synagogengemeinde. „ S. R o s e n t h al. vr. S a ch S." — Aber auch die Vorstände der zwei größten Gemeinden Deutschlands, Breslaus und Berlins, erließen einstimmig Proteste gegen diese „Petition", waö Herr vr. Gr ätz dermaßen erbitterte, daß er in die Breslauer Zeitungen, entgegen seinem Schreiben vom 2. September an die Redaktion der „Zukunft", folgende Erklärung — die durch ihre Gewundenbeit die grenzenlose Verlegenheit des Verfassers zur Genüge bekundet — einrücken ließ: „Meine Berichtigung" in der „Zukunft" in Betreff der „Petition" für den jüdischen Religionsuns terricht in den höheren Schulen hat zu meinem Bedauern die Mißverständnisse vermehrt. Es wird in der Breslauer Morgenzeitung angenommen, weil ich den Standpunkt der Petition im Ganzen in Schutz nahm, daß ich der Verfasser derselben bin und für die Confessionalität der Schulen schwärme und agitire. Dies ist indeß ein Jrrthum(?) und eine Absurdität (?!). Ich hatte die Obmannschaft bei dem jüdisch-theologischen Verein wegen überhäufter Geschäfte aufgegeben, und das neu gebildete Comitä verfaßte dieselbe während meiner Abwesenheit in Marienbad, ich bekam sie erst gleichzeitig mit den anderen Mitgliedern des Vereins zugeschickt Gegen den angegriffenen Passus derselben hätte ich freilich selbst remonstrirt, wenn ich bei Abfassung der Petition zu Rathe gezogen worden wäre. Ich habe also an derselben nicht den geringsten Antheil^ Ich habe lediglich in der „Zukunft" die Intention des jüdisch - theologischen Vereins beleuchten wollen, daß es demselben mit der Petition nur darum zu thun war, die Parität der Juden und des Judenthums zu erstreben, und daß Obskurantismus ihm fern liegt. „Uebrigens denkt auch das Comitö des Vereins nicht daran, diese Fassung der Petition als eine endgültige zu geben, überläßt es vielmehr den Gemeinden sie zu amendiren. Der Entwurf will lediglich (mir allerdings nicht zusagend) den Standpunkt des Ministers mit als Grund heranziehen, ohne ihn zu theilen. Aber nur Parteimachination kann daraus auf Vorliebe des jüdisch-theologischen Vereins für konfessionelle Schulen und auf „hierarchische Gelüste" schließen. „Breslau, den 5. September 1869. „vr. H. Gr ätz." Da hat man wieder ein Pröbchen von derMantelträgerei und Zweideutigkeit des Breslauer Semi-

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