Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 45 (10.11.1869)
- Date
- 1869-11-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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666 auch höchst nachtheilig sind da nicht die Folgen, für die religiöse Ausbildung der jüdischen Kinder, ganz abgesehen von den oft noch weit nachtheiligern Sitten des Hauspersonals, in deren Umgebung die Kinder sich gewöhnlich außer der Lehrzeit befinden! Dazu kömmt noch der Uebelstand, daß sich der jüdische Religionslehrer hinsichtlich der Ertheilung des Religionsunterrichtes nach den in den Volksschulen getroffenen Einrichtungen accomodiren und denselben für solche Tageszeiten ansetzen muß, in denen die Kinder vom Elementar - Unterrichte dispensirt find. Wird dieser nun in den besten für den Religionsunterricht geeignetsten Stunden des Tages — die Morgenstunden sind dafür die passendsten — ertheilt, so kann es nicht fehlen, daß die jüdische Kinder während der Ertheilung des Religionsunterrichtes abgespannt find und deßhalb alle Lust und alles Interesse an demselben verlieren und denselben nur als etwas Nebensächliches betrachten, zumal wenn dieser, wie das in der Jetztzeit so häufig vorkömmt, in 2—3 wöchentlichen Stunden abgemacht ist, und sich in vielen Schulen nur auf den sogenannten systemathischen Religionsunterricht nach einem Katechismus und auf bibl. Geschichte erstreckt. Wie ist es unter solchen obwaltenden Umständen möglich, die Kinder zu guten omn» heranzubilden? Wissen sie ja, wenn sie einen Katechismus 1 oder 2 mal dnrchgemacht haben, noch nicht viel mehr vom Judenthume, als vorher und wie bald ist das Wenige, was sie gelernt, wieder vergessen? — (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. München. „Ich will Frieden haben mit meinem Volke." Dieser weltbekannte Ausspruch unseres verstorbenen Königs Max hat sich überall eines großen AnklangS zu erfreuen. Ganz besonders aber hat die hiesige israelitische Gemeinde diese Worte des Friedens auf ihre Fahne geschrieben. „Frieden wollen wir haben um jeden Preis"; damit werden alle religiöse Bedenken zum Schweigen gebracht. Und wirklich herrscht hier in religiöser Beziehung ein so tiefer Frieden, daß nur selten über unsere jüdischen Institutionen hier ein Laut in die Oeffentlichkeit dringt. Doch trauet nicht allzusehr diesem Frieden; es gibt eine Windstille vor dem Sturme, die gerade das kommende Unwetter anzeigt. Einer solchen Ruhe gleicht der hier herrschende Friede in der israelitischen Gemeinde, denn nur dem höchsten Jndifferentismus ist er entsprungen. Wohl wissen auch wir nbb npj* rma pmo n"npn und darum schätzen wir die Segnungen des Friedens sehr hoch und wünschen nichts sehnlicher als den Frieden; aber wo er unsere Existenz, unsern Lebensnerv angreift, da verwandelt er sich uns in unsern schlimmsten Feind, den wir mit aller uns innewohnenden Kraft zu bekämpfen suchen müssen. Darum, und nur weil der Friede hier in unserer Hauptstadt sich uns in dieser gefährlichen Gestalt zeigt, haben wir es unternommen auf die Gefahr, welche dem Judenthum, welche denen, die noch Jehudim sein wollen, droht, aufmerksam zu machen, wh nrn1? ‘nrwn Gipoa ’j; und das ist leider hier der Fall. Man fürchtet hier, wie anderswo, den ersten Schritt zu thun, der vielleicht Jwist und Kampf, der Unfrieden in der Gemeinde Hervorrufen könnte. Deßhalb läßt man so Manches hingehen, was in der That unverzeihlich ist. Wir können es mit unserm schwachen Verstände leider nicht begreifen, wie brave Jehudim in einer Synagoge ihre Andacht verrichten, wo Nichtjuden als Choristen fungiren, abgesehen von manch anderen Ursachen, die den Besuch der Synagoge hier verbieten könnten. Doch sind das nur Kleinigkeiten, wenn wir in Betracht ziehen, wie es mit der ,iü'n& aussieht. Jeder darf als Schächter fungiren, der den Beruf in sich dazu verspürt. Er kündigt einfach an, daß man bei ihm schlachten lassen kann, sängt sich eine eigene „Bänk" an und verkauft -»^-Fleisch. Wer vom Juden das Fleisch haben will, geht zu ihm, und wer noch darauf sieht, streng rituell geschlachtetes Fleisch zu genießen, der kauft dort nicht und holt sich seinen Bedarf beim Gemeindeschochet oder bei einem der anerkannt frommen Schochtim. Immerhin aber muß man sich auf Gnade oder Ungnade auf den Schochet verlassen, da keine Spur von Aufsicht vorhanden ist. Wie weit sich der Jndifferentismus (si^o Friedensliebe) in dieser Beziehung versteigt, geht schon daraus hervor, daß der Schwiegersohn ohne Beanstandung beim Schwiegervater, der sein eigenes Vieh schlachten läßt, Schächterdienste versieht. Und ein großer Theil verläßt sich eben darauf, daß es iw* Fleisch ist, ohne zu wissen oder auch nur zu ahnen, wie arg sie betrogen werden. Ueber die mpo selbst will ich schweigen, da sie der Beurtheilung des Laien dadurch ganz und gar entzogen ist, weil dieselbe ihr Wasser von der städtischen Wasserleitung erhält. Wahrscheinlich wird aber der löbliche Vorstand immer in Kenntniß gesetzt werden, wenn bei der Wasserleitung Reparaturen nöthig sind, damit derselbe überwache, daß kein ’to angebracht werde; denn sonst, wenn die mpo überhaupt von vornherein "uso ist, können wir uns nicht erklären, wie diese nipv für die Dauer heg sein kann,