Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1869-11-10 · Heft 45 (10.11.1869) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 45 (10.11.1869)
Date
1869-11-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447395-2447439--07739-2463354
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

863 ziehen. Auf die Einwendung des Schatzmeisters, daß eine Trennung der Confeffronen nicht wünschenswert s-i, entgegnete Herr Zox, dag die besonderen religiösen Ceremonien diese Unterscheidung nothwendig mache, weil für die jüdischen Armen in einer solchem öffentlichen Institution die Bobachtuna ihrer Religion schwer falle. Es wären jetzt 3000 -4030 Juden in der Colonie Victoria, die meist in Melbourne und in der Umgegend wohnten. Die Armenhäuser, die errichtet werden sollten, wären zwar noch nicht hinreichend, aber wenn einmal begonnen, würde stch das Weitere schon finden. Wenn ste auch ihre Armen von denen der übrigen Confessionen trennen wollten, so gäben fie doch stets auch für die Armen der andern Culte. Herr M'Culloch gab zu, daß die Iuren im Verhä tniß mehr als alle andere Confessionen für die Armen geben. Derse be theilte ferner mit, daß er das Gesuch in Betracht ziehen wolle. Feuilleton. Kraf oder Jude? vn. Bekehrungsverfuche. Graf Benno war auf seine Mutter zuzeeilt; er ergriff ein Fläshchen m>t Köln schein W isser, das auf dem Toil-lltentische der Gräfin stand und goß ihr den Inhalt ins Gesicht. „Was ist Dir, theure Mutter?" fragte er, als die Gräfin die Augen aufschlug. „„Mein Lohn Benno"", sagte die Gräfin leise, „„Dem Freund del Monte ist Niemand anders als Dein langvermißter Bruder Bruno!"" „O, meine Ahnung!" „„Wie me'n Sohn, auch Du hast es geahnt?"" „Ja. Mutter, vom erüen Augenblicke an, da ich ihn in Heidelberg sah! Aber über eine Ahnunz ging das Gefühl, das mich unwiderstehlich zu ihm hinzog. das mich alle Pormtherle des Standes und d'r R ligion vergessen ließ, nicht hinaus. Was aber, meine Mutter, g'bt Dir heute die Gewißheit?' Die Gräfin erzählte dann von chrer früheren Bekanntschaft mit del Monte und von der Rrche, die dieser ih er Meinung nach genommen hatte und daß das Mal auf der Brust Joseph's jeden Zweifel beseitige. „Lo w'll ich denn hineilen", rief Benno, „und den ' rüder umarmen und den Sohn an die Brust seiner Mutter legen." „ Gemach. junger Herr". sagte da der Pfarrer, Benno's Arm ergreifend, „Sie vergessen, daß Ihr Bruder ein Ketzer, ein Jude ist — freilich ohne sein Verschulden — daß er aber doch erst seine Irrthümer abschwören muß, ehe er als Graf Bruno von Dörnbach anerkannt werden darf." „Der Herr Pfarrer hat Recht", sagte die Gräfin. wie sehne ich mich danach, mein Kind an das Mutterherz zu drücken! Allein, hier gilt es Mäßigung. Selbstbeherrschung. Ich will nach Prag reisen und genaue Nachforschungen anstellen. Unterdeß bleibe Du mit Deinem — Freunde hier, während der Herr Pfarrer die Belehrung des Ungläubigen unternehmen wird. Gib mir Dein Ehrenwort, Benno, daß Dn nichts von allem dem Deinem — Freunde sagen wirst, bis ich zurückgekehrt bin." „Mutter", entgegnete Benno, „ist Joseph mein Bruder, so werde ich ihn als solchen lieben, mag er I lde oder Christ sein; doch will ich Dir das gewünschte Versprechen geben." Am andern Tage war Gräfin Dornbach reisefertig. Als ihr Joseph zum Abschiede die Hand küßte, sagte sie: „Lassen Sie mich Sie umarmen, junger Freund; den Freund meines Sohnes liebe ich wie das eigene Kind." Dann küßte sie ihn auf die Stirn, während die bisher mühsam zurückgehaltenen Thranen zu strömen begannen. „Ist das" fragte Joseph seinen Freund, als der Wagen fortgefahren war, „ist das dieselbe Frau, die Dir so intolerante, von Judenhaß strotzende Briefe geschrieben hat?" „„Sagte ich's Dir doch gleich"", entgegnete Graf Benno, „„daß meine Mutter Dich lieb gewinnen würde."" Nachmittags kam der Pfarrer des Orts zum Besuch ins Schloß. Der junge Graf stellte ihn seinem Freunde als den Lehrer seiner Jugend und den Berather seiner Mutter vor. „Sie studiren Medicin, Herr del Monte?" fragte der Pfarrer. „„Jawohl, Herr Pfarrer!"" ^Da muß ich Ihnen mein Compliment machen, daß Sie nicht, wie cs die Herren Mediciner gewöhnlich machen, die Religion über Bord geworfen haben." „„Es geschieht das, Herr Pfarrer, wenigstens bei uns Inden, in der Regel von solchen Medicinern, welche die heilige 8ehre unseres Gottes nicht kennen, und dieselbe durch die Naturwiffenschaften zu ersetzen streben. Da werden sie Materialisten."" „Und Sie, Herr del Monte, haben Sie Sich Kenntniffe in Ihrer Religion erworben?"" «„Ich bin im Studium des Talmuds und der Bibel berangewachsen."" „Haben ^ie auch den IefaiaS gelesen?" „„Gewiß!""

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.