Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 45 (10.11.1869)
- Date
- 1869-11-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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861 ich hatte einen köstlichen geistigen Genuß, ich wurde wahrhaft überrascht durch die treffenden Antworten der Schüler, die genügende Beweise für ihren und der H. Lehrer Fleiß und Eifer lieferten. Es war dies kein zum Schaugepränge eingedrillter mechanischer Apparat, sondern man überzeugte sich in der That, daß die Kinder vieles gründlich wissen. Die Prüfung in den profanen Gegenständen leitete Herr Canonicus Stöger, ein würdiger Geistlicher, durch seine liberalen, menschenfreundlichen Ideen rübmlichst bekannt in Gegenwart der Herren Vorsteher Berger, Bing, FreistadN, Friedländer. Fleischmann, Freund, Kohu, Kreissel und Wassertrilling. Ueberall merkte man die vortreffliche Leitung des Dir. Herrn Lowit, der von seinen vielseitigen practischen Erfahrungen, wie auch von den neuesten Fortschritten aus dem Gebiete der Pädagogik Gebrauch macht. Herr Deutsch, Lehrer der L Klasse bekundet im Anschauungsunterrichte eine vorzügliche Methode; nicht minder glänzte H. Groak, Lehrer der 3. Klasse durch Gewandtheit und Routine, wie durch seinen schönen, anregenden, die kindlichen Anlagen weckenden Vortrag, ebenso leistete Ueberraschendes Herr Deursch, der die 2. Klaffe und alle Schüler im Gesang; unterrichtet. Am meisten aber that sich hervor die 4. Klasse, der Herr Löwit Unterricht ertheilt. Wahrhaft staunenerregend waren die Kenntnisse der Schüler in deutscher Sprache, vaterländischen Geschichte, Geographie. Physik, im Rechnen und Zeichnen u. s. w. Zum Untern bte in der Naturgeschichte besiyt die Anstatt eine schöne Sammlung. Herr Schulvisitator Stöger sprach seine vollste Zufriedenheit aus über das Prüfungsresultat und ermunterte L hrer und Schüler zu fernerem Fleiße, letztere auch zur Dankbarkeit für die empfangenen Wohlthaten durch gute Aufführung im ganzen Leben. Der freundliche Leier wird sich wundern, daß ich hier über eine deutsche Prüfung berichte, aber ich thue es in der Absicht. um das allgemein herrsch,'nve Vorurtheil zu widerl'g'n, daß an 7>"a Schulen in den weltlichen Gegenständen Vernachlässigung stattftude, während doch diese Schule augenscheinlich andere Volksschulen überflügelt, obwohl sie im Hebräischen Ausgezeichnetes leistet, was nur möglich ist durch den stets regen Ester der Lehrer, die A ce Lust und Lieb? zu ihrem heil. Berufe hchen. D^es sah man kurz darauf bei der, jüdischen Prüfung, bei der H. Prediger Rab. Or. *M. Gnoemann und Rabbi Sal. Spitzer anwesend waren. Mm staunte über die schlägst tigen Antworten der' Kinder und rhr gründliches Wissen in Bibel undConment'r die viele Schüler auswendig citirten, Grammatik. Gebetnbers. und heb. Stylübungen, wie man dergleichen hier oder in der Provinz zu suchen hat. Besonders erfolgreich wirken die m diesem Jahre accevtirten Talmudlehrer S. Aschkenas aus Nieolöburg und H. Skudesky aus Preßburg, die in dt-svai njffD 4 Abtheilungen unterrichten. Der gelehrte Talmundlehrer H. Brendiner ist durch sein Alter verhindert, nunmchr den Unterricht, den er viele Jahre mit vorzüglichem Erfolge ertheilte, fortsetzen zu können H. vr. Güdemann richtete an die Kinder im Namen der Vorsteher einige Worte des Lobes f ermahnte sie zu religiösem Lebenswandel, daß sie sich würdig zeigen dieser Schule, die eine besondere Wohlthat für die Armen ist, welche ohne Unterricht physisch und psychisch verkümmern würden — ü’Mj/ »jdj nn?n. Diese Schule erhielt das Recht, staatsgiltige Zeugnisse zu erthei'en und wird sie zu einer sechsklajsigen erweitert nach dem neuen Systeme, das auch den Vortbeil hat, daß die K'nder sie nicht schon nach 4 Jahren verlassen und nicht länger Hebräi-ch lernen würden; auch besteht daselbst die Einrichtung, daß täglich Abends nach Schluß des Unterrichtes gebetet wird, wobei ein Schüler vorbetek, ebenso ist am Samstag ein besonderer Gottesdienst, verbunden mit einem den Kindern entsprechenden Vortrage a:s dem Wochenabsch intte. Möge diese Anstatt ferner blühen, gottgesegnete Früchte tragen noch viel; Jahre zur Verherrlichung Gottes und zur Ehre der Juden, die ihr ihre Theilnahme zuwenden, und möge auch das Gute überall anerkannt und nachgeahmt werden! Donaufürstenthümer. Bukarest. Das dahier erscheinende „Echo Danubien", ein Blatt, welches sich stets der bedrückten rumänischen Inden sehr warm angenommen hatte, war einige Zeit unterbrochen worden, weil dessen Verleger und Reoacteur eine größere Reise durch Rumänien unternommen batt *, um die Lage der Israeliten einer eingehenden Prüfung zu unterwerien. Die neueste Nr. schildert die traurige Lage der Israeliten. Unter anderem lesen wir daselbst folgende Bedrückung: Zu Bera bei Roman drang der Bürge Meister mit vielen Gendarmen in die Synagoge, und da eö gerade das jüd. Neujahrsfest war, fand er die ganze isra lilifche B Völkern lg daselbst versammelt. Er zwang die andächtig Veriainmelte i. ihre r Gottesdienst zu nute,brechen, um auf der.Straße Frohndienste zu verrichten. Mit R cht erst ru lt über dieses Ansinnen, gehorchten sie nicht gleich a ls diesen willkürlichen Beseht. Da drohte der wüthende Bürgerinerster, auf sie schießen zulasten, wenn st'noch einen Augen stick zö gern würden.' Sie mußten der G-- wa't ve'idtj’n Ein Greis erho'te sich nicht mehr von seinem Shrecken, er starb daran; schwangere Frauen sahen der Zeit ihrer Entbindung in Folge der auSgestanden'n Angst früher entgegen. Als diese Unglücklichen beim Magistrate reclamiren