Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 44 (3.11.1869)
- Date
- 1869-11-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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848 Möge der edle Cremieux die Reise nach Petersburg machen, unterstützt von praktischen Männern, die Rußland ans eigener Erfahrung kennen, möge der hochherzige Philantrop durch die Macht seiner Berediamkeit, die dortigen Staatslenker überzeugen, daß ne ihrem Lande selbst durch eine solche Maßregel de r allerbesten Dienst leisten, indem sie aus einer Schaar von Heloten brave Bürger schassen. Die Sammlungen könnten immer fortgesetzt werden, denn Geld viel Geld? — — wird immer gebraucht werden. Julius Lebegott. Belgard, 4. Octobcr. Während auf der einen Seit? die Sucht zum Materialismus sehr vorherrschend ist, wodurch häufig jedes religiöse Gefühl zurückgedrängt wird, erblicken wir auf der andern Seite oft Dinge entgegengesetzter Natur. Man ist auch auf dieser bestrebt, sich eine angenehme Existenz zu gründen, vergißt aber dabei nicht seines Schöpfers und wendet die von diesem verliehene Gaben auch zu Zwecken an, die den Geber bei Gott und Menschen beliebt machen. So ließ Herr Lonis Iakoby, Mitglied unserer Synagogen - Gemeinde, eine prachtvolle min “so von dem 121D Herrn Marcus Goldberg in Inowraclaw anfertigen und schenkte diese unserer Gemeinde. Die Zeit zur Einführung derselben in die Synagoge war nach beendigtem Lernen in der Nacht zu nun Nwm. ' tt p Rußland und Pole n. ^Warschau. Der jüdische Buchhändler Sch. Zimmermann hat vom Kaiser von Rußland den Stanislaus-Orden dritter Klasse erhalten. Diese Ordensverleihung zeigt uns wieder, daß der Kaiser keinen Unterschied unter seinen Unterthanen verschiedener Confessionen kennt. (Hamagid.) Türkei. Janina. Bei dem dahier im August ausgebrochenen Brande, wobei, wie wir berichtet haben, das Iudenviertel am meisten litt, haben sich die daselbst garnisonirenden türkischen Soldaten sehr schlecht betragen. Anstatt daß sie halfen, die Flammen zu löschen und die Waaren und Möbel zu retten, stürzten dieselben in die Häuser und plünderten und insultirten die Frauen. Die Einwohner, welche ihr Vermögen reiten wollten, wurden von denselben gewaltsam vertrieben, damit sie dann die Plünderung ungestört vornehmen könnten. All dies geschah ungestraft in Gegenwart der Officiere und des Stadt-Commandanten. Der Gouverneur war gerade abwesend gewesen. Wie man vernimmt haben die fremden Consuln an der Spitze des französischen Consuls gegen das unrechtmäßige Betragen der Localbehörden bei dieser Gelegenheit Protest erhoben. (Iew. RecI Asien. Damaskus, 5. October. Soll ich stets nur Trauerposten aus Syriens Gefilden senden? Wann wird der Beschützer Zions Leid und Trübsal von Israel fern halten? Za, eine zu traurige Botschaft habe ich Ihnen heute zu melden mitten aus der Freudenfeier des Hüttenfestes Es war am Freitag den 19. Tischri, gerade als wir den Eingang des heil. Ruhetages mit dem Gebete beginnen wollten, da erscholl die Trauerbotschaft in den Straßen des jüdischen Viertels: man hat einen Juden ermordet. Wen? keiner konnte eS noch sagen. Bange schaute eine jede Frau nach ihrem Gatten, ein jeder zählte die Häupter der Seinigen, bis bald eine jammernde Frau mit furchtbarem Angstgeschrei nach ihrem Manne fragte. Leider hatte die Unglückliche ihr herzzereißendes Geschick geahnt. Eilt jüdischer Geldwechsler hatte sich gegen Mittag in das Haus eines Muselmanns, seines Schuldners begeben und zwar auf Verlangen des Letzteren, welcher Tags zuvor zu dem Israeliten gekommen war, um ihn auf den folgenden zu sich zu bitten. Angelangt im Hause des Mohammedaners wurde unser armer Religionsgenosse bald rücklings angefallen und — ich will Ihre Leser mit den schauderhaften Einzelheiten verschonen — auf die grausamste Weise ermordet. Die Verbrecher halten schon Alles vorbereitet gehabt, um ihr Opfer einstweilen in einer Grube zu verbergen, von wo aus sie ihn des Nachts fertgeschafft hätten. Doch die ewige Gerechtigkert wachte, und noch hatten sie die Blutspuren nicht abgewaschen, als die Polizei gewaltsam in das Mörderhaus eindrang und bald den schon verscharrten Körper auffand. Die zwei Uebeltbäter wurden sogleich festgenomnen, und vergangenen Montag verurtheilte das Gericht einen derselben zum Strange. Donnerstag früh war er schon aufgehängt, eine Strafe, die er zehnmal verdient hatte. Es ist interessant, den frechen Fanatismus kennen zu lernen, welchen der Hauptübelthäter bei der Verhandlung an den Tag gelegt hat. Als man ihn befragte, ob und warum er den Juden ermordet hätte, erwiederte er: ja ich habe ihn getödtet und ihr Richter sollt mir noch sagen: Deine Hände seien gesegnet?? Was that ich? einen Juden, welcher unsre Religion verflucht hat, habe ich erschlagen, würdet ihr anders gehandelt haben? Und, fuhr er fort, sagt nicht das muhammedanische Gesetz, daß ein Moslim zehn Juden ermorden muß, um der Todesstrafe schuldig zu sein?! Gebet mir erst neun andre Juden, damit ich ihnen das Leben nehme, dann erst dürft ihr mich zum Hängetod verurtheilen!! Glücklicherweise läßt sich der Generalgouverneur von Syrien, S. E. Raschid Pascha auf derartige Auslegungen des Korans nicht ein, und ließ den frechen