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Der Israelit · 1869-11-03 · Heft 44 (3.11.1869) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 44 (3.11.1869)
Date
1869-11-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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846 In der Norberathung des Count« der Alliance > I-r. Univ., welche am 11. October in Berlin abge-! halten wurde, schleuderte Herr KarnowSky aus Königsberg eine solche Masse von Anklagen, Verleumdungen und Gehässigkeiten gegen seine rnnischen Glaubensbrüder und ehemaligen Compatrioten — daß dergleichen nur mit Schmerz und Indignation j füllen muß! — Herr K. sagt, daß nicht die schlechte Behandlung von Seiten der Regierung, nicht der Mißwachs oder di'' Abnahme des Handels und Verkehrs, sondern Gasig und allein ihre Unwissenheit, ibre Untauglichkeit zu jeder soliden Arbeit, jedem Handwerke, selbst dem Handel, ihr Zurückblcib n hinter der Bildung der russischenIChristen — die Schuld an der jetzigen Noch tragen; und schmerzlich ist es, daß seine Auslassungen noch den Bellall der Zuhörer erhielten! — Allerdings waren dies größtentheils Persönlichkeiten, welche die Umstände aus eigener Anschauung nicht kennen, — aber dieser Umstand hätte Herrn K. gerade vorsichtiger und gewissenhafter machen und ihn davor bewahren sollen, denselben ein falsches Bild auözumalen. Würde Herr K. es nicht selbst sagen, daß er in Nußland geboren, und sein halbes Leben daselbst zngebracht, — man könnte glauben, daß er niematS einen Blick hineingethan; — so aber muß man nur sagen, daß Herr K. ein schlechter und vorurtheilsvoller Beobachter und — ein noch schlechterer und parteiischer Beurthciler ist. Schreiber dieses hat gewiß keine Veranlassung sich der russischer: Glaubensbrüder besonders anzunehmen, er har leider im Verkehr mit ihnen fast wir: ganzes Vermögen verloren — aber dies hält ihn doch nicht ab, der Wahrheit die Ehre zu geben, wie es die Psticht eines jeder: Ehrenmannes ist! — Auch wir kennen Rußland und die dortigen Juden, wir haben ein Mensll enalter lang mit ihnen im Verkehr gestanden, wir haben häufige Reisen daselbst gemacht und Gelegenheit gehabt, alle Bewohner des Nachbarstaates nach verschiedenen Richtungen hin, zu beobachten und kennen zu lernen; und auf Grmro gemachter Erfahrungen erklären wir die Beschuldigungen, welche Herr K. gegen seine dortigm Glaubensbrüder aus stößt, theils für gänzlich aus der Lust gegriffen, theils für maßlos übertrieben! Sie sollen hinter der Bildung der dortigen Christen zurückgeblieben sein, — aber welche Christen haben dem Herrn K. hierbei vor Augen geschwebt? — Gibt es in den neben Gouvernements, in welchen den Juden bisher der Aufenthalt gestattet war, einen gebildeten Bürger- und Gelehrtcnstand? — Giebt es so viele christliche tüchtige Handwerker und Künstler, welche als mustergiltige Vorbilder zur Nacheiferung dienen können? — Das Gros der dortigen Bevölkerung besteht außer den Juden ans Schlachtizen — kleinen Gutsbesitzern und Bauern. Die Bildung der Ersteren ist nothdürftig genug; und die der Letzteren? -Nun Herr K., möchten Sie den Juden es als Verdienst anrechnen, wenn sie ihre freie Zeit anstatt in den Lute mickrusolrini lieber in Schänken und Wirthshäusern bei Saufen, Spielen und sonstiger Vollerer hinbrächten?! DaS durch und durch corrumpirte Beamtenthum ist wahrhaftigauch kein nacheiferungswerthes Vorbild —, u n d so sind es gerade d i e I u & e h , welche ihren Umgebungen in Bildung, in Sittlichkeit und jeder bürgerlichen und menschlichen Tugend bei Weitem Voraus sind! Sie sind keine schlechten, sondern im Gegentheile, sehr gute und tüchtige Handwerker, die überall geschätzt und gesucht werden. Es sind sätNMlliche Gewerbe, auch die schwere« und anstrengenden, wie Maurer, Zimmerleute, Gerber, Schmiede, Schornsteinfeger unter ihnen vertreten. Sie scheuen auch vor keiner, selbst der schwersten 'Arbeit zurück; und bei Ihren vielen Reisen, Herr K., werden Sie wohl häufig Juden als St ein - klopfer au den Chausse'en gefunden haben! Auch müssen Sie es wissen, daß man unter ihnen Holzfäller und „Flösser,, Kärrner, Fuhrleute, Dachdecker u s. w. findet, alles Beschäftigungen, die gerade nicht leicht und angenehm zu verrichten sind. Der, so oft gemachte Vorwurf der Faulheit und Trägheit, ist also wie so viele andere — unverdient. Daß sie ihren sauer erworbenen Verdienst, nicht wie ihre christlichen College« gleich vertrinken, sondern ihn zur Ernährung ihrer Familien, zur Unterrichtung ihrer Kinder — allenfalls auch in dem bösen Talmud — verwenden — liegt wohl daran, weil sie hinter der Bildung jener zurückgeblieben sind?!! Daß die jüdischen Arbeiter die Parias unter ihren Glaubensgenossen und verachtet sind — und zwar mehr als dies überall sonst in der Welt der Fall — können wir eben so wenig zugeben. Oder setzt sich vielleicht Herr K. mit seinem Holzhacker zu Tische, und verkehrt in andern Ländern der reiche Banguicr, der vernehme Fabrikherr mit dem Eckensteher auf gleichem Fuße? Die übrigen Schwächen und Fehler, welche den russischen Inden anhaften sollen, und die so gewissenhaft in jener Versammlung aufgezählt wurden — sind alle viel mehr die Wirkungen als die Ursachen ihrer gedrückten Lage, und kommen wir wohl später darauf zurück. Eines aber muß mit der ganzen Energie der verletzten Wahrheit besonders zurückgewiesen werden, — das ist der Unglimpf, welcher den Rabbinen angethan wird! — Wenn schon die Wirksamkeit dieser Braven in gewöhnlichen Zeitverhältnissen

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