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Der Israelit · 1869-11-03 · Heft 44 (3.11.1869) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 44 (3.11.1869)
Date
1869-11-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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843 zwischen Beiden kleine Streitigkeiten entsponnen hatten, erfolgte sine Kündigung der Wohnung; Green, ein rachsüchtiger Character, suchte ein Paar alte Reiterpistolen hervor und feuerte eine derselben auf Kyezor ab, welcher der erlittenen schweren Verwundung seitdem erlegen ist. Mit der andern erschoß Green darauf sich selbst. London. Den 19. Oktober starb in London Herr Abraham Horst in einem Alter von 83 Jahren. Derselbe war ein angesehener, religiöser Mann und der Urheber vieler frommen Werke. Als er auf Neu-Seeland (Australien) wohnte, arbeitete er unaufhörlich für die Sache des Judenthums, und er war es hauptsächlich, der die Errichtung einer jüdischen Gemeinde auf der südlichen Hemisphäre veranlaßt hat. Durch Verheirathung war er mit der Familie Goldsmid verwandt. London. Sir Moses Monteftvre wollte gerade von Dover nach Calais überfahren, als die thelegraphische Depesche einging, daß Prinz Carl von Rumänien von Paris abgereist sei, und da beschloß Sir Montefivre, die Reise zu unterlassen. Der Staatssecretär, Graf von Clarendon hatte mit dem rumänischen Kriegsminifter Boresco eine lange Unterredung, in welcher er sich sehr warm der Sache der rumänischen Jiwen annahm. London. Vor 14 Tagen wurde das zum Andenken an die verstorbene Gemahlin des Sir Moses Montefiore, Judith Montesiore, erbaute jüdische Reconvalescentenhaus unter großer Feierlichkeit eingeweiht. Der Bau nebst Einrichtung kostet 3700 L. (44400 fl.) London. Bei der Amsterdamer Ausstellung hahrtzk mehrere englische Juden silberne Medaillen erhaben. Türkei. Conskantinopel, 6. Oktober. Der Sultan schenkte den Abgebrannten in Janina 750000 Piaster. Bekanntlich haben bei diesem Brande die dortigen Juden am meisten gelitten. FenikletV«. Hraf oder Jude? YL Zm Grafenschloß. Es war an einem prachtvollen Spätsommertage, als der Wagen der Grafen von Dernbach, welcher die beiden Studenten von der Bahnhofsstation abgeholt hatte, durch einen dichtbelaubten Eichenwald langsam den Berg hinanfuhr. Graf Benno war ermüdet und schlummerte im Wagen, Joseph aber hatte den Wagen verlassen und schritt schneller den Berg hinan als die Pferde die ziemlich steile Anhöhe hinaüfzuklimmen vermochten. Als er oben angekommen war, bot sich ihm ein entzückender Blick in die köstliche, fruchtreiche Landschaft dar. Gerade gegenüber lag Schloß Dornbach auf einem sanft ansteigenden Hügel, den die Häuser von Dornbach begränzten. Joseph blieb stehen und genoß die herrliche Aussicht. Da sah er eine Dame den Berg heraufklimmen; auch sie hatte ihn erblickt und winkte ihm mit ihrem Taschentuche zu. Joseph ging ihr entgegen, während der Fall des Weges seine Schritte beschleunigte. Noch ehe er stehen bleiben konnte, fühlte er sich umarmt und geküßt. „Mein Sohn, mein Sohn", ries die ftemde Dame, „da bist Du endlich wieder. Die Sehnsucht trieb mich Dir entgegen, Du, mein Einziger, Du Alles, was mir geblieben!^ Und die Gräfin, denn sie war es, weinte Thränen der Wonne und zugleich wehmutsvoller Erinnerung. Joseph trat einen Schritt zurück. „Sie irren, Frau Gräfin", sprach er, „ich bin nicht Ihr Sohn. Graf Benno ist im Wagen geblieben, der übrigens' gleich hier sein wird." Ungläubig sah ihn die Gräfin an; „Du scherzest, lieber Benno," entgegnete sie, „meinst Du, das Bärtlein, das Dir hervorzusprießen beginnt, habe Dich so verändert, daß die Mutter ihr Kind nicht wieder erkennt?" „„Nicht doch, gnädige Frau,"" entgegnete Joseph, „„Sie irren sich wirklich. Ich heiße Joseph del Monte!"" In diesem Augenblicke rollte der Wagen den Berg herunter, der Kutscher hielt, und Benno spran'g heraus, sich in die Arme seiner Mutter stürzend. Diese aber war ganz erstarrt vor Schreck und Ueberraschung. Sie blickte von Benno auf Joseph, von Joseph auf Benno. „Gott," rief sie endlich, „welche Aehnlichkeit! Wie Brüder, wie Zwillingsbrüder!" Dann fing sie heftig an zu weinen. Die jungen Leute, welche Beide die Geschichte von dem geraubten Zwillingsbruder kannten, denn Benno hatte sie seinem Freunde erzählt, ehrten den Schmerz der Gräfin und schwiegen. Alle drei stiegen dann in den Wägen und führe» dem Schlosse zu. Nachdem die Gräfin sich gefaßt hatte, fragte sie Joseph: „Nicht wahr, Ihr Herr Vater heißt Raphael del Monte und ist aus Hamburg?" „Er ist", antwortete Joseph, „in Hamburg geboren, wohnt aber seit vielen Jahren in Prag. Diese letztere Stadt ist auch der Geburtsort meiner Mutter."

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