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Der Israelit · 1869-10-27 · Heft 43 (27.10.1869) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 43 (27.10.1869)
Date
1869-10-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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828 „Zn der That", entgegnete der Neuangekommene, „ich selbst bin betroffen, Jemanden zu sehen, der mir so ähnlich sieht. Mit wem habe ich die Ehre?" „„Ich heiße Del Monte und bin aus Prag; ich ftudire Medizin."" „Da sind wir ja noch überdies Landsleute; auch ich bin anS Böhmen; ich heiße Dörnbach und studire Cameralia." Die andern Studenten, Freunde des jungen Grafen Benno von Dornbach, konnten nicht genug ihre Verwunderung über die wunderbare Ähnlichkeit der beiden jungen Leute aussprechen. Diese Verwunderung wncbs noch, als sie erfuhren, daß Del Monte Jude sei. Graf Benno von Dornbach war zwar von seiner Mutter in aristocratischen und religiösen Vorurteilen erzogen worden; aber der Helle Geist des Jünglings streifte sie alle ab, als er in der Welt zu verkehren und mit der Wissenschaft bekannt zu werden anfing; er fand Gefallen an Del Monte, und die beiden jungen Leute wurden der Art mit einander befreundet und so oft mit einander gesehen, daß man sie in studentischen Kreisen nur die Dioskuren nannte. Die Freundschaft mit Gras Benno, der den besten Schläger in Heidelberg führte, schützte Joseph vor so mancher Demnthigung. welcher der jüdische Student ehemals, oft auch beute noch, ausgesetzt war, während der Umgang mit Joseph auf den jungen Grafen veredelnd wirkte und ihn von dem tollen Treiben so vieler reicher und vornehmer Studenten abzog. Zu ihrem nicht geringen Entsetzen entnahm die Gräfin Dornback, aus den Briefen ihres Sohnes, daß ein Jude und aller Wahrscheinlichkeit nach ein Sohn des von ihr einst mit Abscheu zurückgewiesenen Del Monte der beste Freund ihres Sohnes sei. An jenem Schreckenstage, an welchem sie Gatten und Kind verloren hatte, war Gräfin Agnes in eine schwere Krankheit verfallen. Als sie nach vielen Wochen genas, hatte sie zwar die Nachforschungen nach ihrem verlorenen Kinde mit großer Sorgfalt ausgenommen; allein dieselben konnten nach so langer Zeit wohl kaum ein Resultat haben. Sie erfuhr allerdings, daß man an jenem Tage ein fremdes Frauenzimmer vom Dorfe aus in das Schloß habe gehen sehen, daß ferner an demselben Tage in dem benachbarten Städtchen ein fremdes Frauenzimmer, das ein kleines Kind trug, ein Glas mit einem Gummischlauch gekauft habe — von da ab aber verlor sich jede Spur. Auch in den letzten Worten ihres sterbenden Mannes: „Marinka, dein Fluch ist erfüllt!" suchte die trostlose Mutter einen Anhaltepunkt zu finden. Sie forschte nach dem Vorleben des Grafen Arthur und erfuhr, daß er in Brünn mit einem Mädchen, Namens Marinka, ein intimes Verhältniß gehabt hatte. Aber auch dieses Mädchen war spurlos verschwunden. So hatte denn die Gräfin die Hoffnung, ihr verlorenes Kind wiederzufinden, aufgegeben. Sie suchte und fand Trost in dem ihr gebliebenen Sohne Benno; aber der Gedanke, was aus ihrem Bruno geworden, raubte ihr doch häufig den Schlaf. „Wie, wenn ihn herumziehende Zigeuner genommen, und den Sprossen so vornehmer Geschlechter zu einem Diebe erzogen, der den größten Theil seines Lebens in den Zuchthäusern zubringen müßte!" Dieser entsetzliche Gedanke verfolgte sie unablässig, und sie suchte Hilfe dagegen bei dem Priester ihres Ortes. Dieser lehrte sie, die etwaigen Verbrechen j ihres geraubten Sohnes durch fortwährendes Gebet! und kirchliches Leben zu sühnen Gräfin Agnes be-! folgte die Weisungen des Geistlichen aufis Strengste, i und dieser Frau einzig übrig gebliebener Sohn nannte! einen Juden seinen besten Freund! . Nachdem sich Gräfin Dornbach mit ihrem Geist-! lichen berathen, schrieb sie ihrem Benno einen langen! Brief, in welchem sie ihn vor dem Umginge mit j dem „gottverlassenen" Juden warnte. Der junge 1 Graf reichte den Brief, der ihm gebracht wurde, als Del Monte gerade bei ihm war, seinem jüdischen Freunde. „Du mußt", sagte Benno, „nothwendig da- Vorurtheil meiner Mutter beseitigen und das kannst Du nicht besser, wie wenn Du mich in den Ferien nach Dornbach begleitest. Meine Mutter wird Dich kennen lernen und Dich Uedgewinnen/ „Wie Deine Mutter sich hier äußert", entgegnete Joseph, den Brief zurückgebend, „könnte ich ihr keinen größeren Schmerz bereiten als wenn ich als Dein Freund zu ihr ins Haus käme. klebrigen» könnte ich ja auch im Schlosse Deiner Väter die jüdischen Speisegesttze nicht halten". ,,„O, was das betrifft, so wohnen im Dorf Dornbach ganz anständige Juden, die Dich gern mit Speise und Trank versorgen würden und meine Mutter, ja, die soll ja eben von ihrem Vorurtheile geheilt werdem. Du würdest mir, lieber Joseph, einen großen Dienst damit erweisen; das Gemüth der armen Frau ist durch Leiden verbittert. Vielleicht gewinnst Du Einfluß auf sie, wie Du ihn auf mich gewonnen. Es liegt etwas in Deinem Wesen, daS mich unwiderstehlich zu Dir hingezogen hat; ich glaube, auch meine Mutter wird Dich liebgewinnen und durch Dich einer gar zu trüben Atmosphäre entrissen werden. —" (Forts, folgt.) Hierzu eine Beilage. Verant»»rtliche Redaction: l>r. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofduchhandlung. - «m 3* GettSledrn in R»mz. Dumpf» Schnelprefsendnzck.

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