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Der Israelit · 1869-10-27 · Heft 43 (27.10.1869) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 43 (27.10.1869)
Date
1869-10-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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827 unserer Glaubensgenossen in Rumänien zu sprechen, und sollte derselbe von Paris abgereist sein (was inzwischen geschehen ist) so wolle er ihm nachreisen, bis er ihn in irgend einer europäischen Hauptstadt erreicht habe. Wir wünschen sem edlen Manne, der in einem Alter, in welchem die meisten Menschen der Ruhe pstegen, eine so große Reise unternimmt, den besten Erfolg und glückliche Rückkehr in seine Heimath. London. Vor einigen Wochen verließ ein junges Mädchen, die ToLier einer respectabeln Familie, gezwungen durch verschiedene mißliche Umstände ihre Heimath, um zu ihrem Bruder nach Amerika zu reisen, i welcher ihr die Reisekosten schon zum Vorraus geschickt! hatte. Bei der Ueberfahrt von Calais nach Dover wurde das Mädchen seiner sämmtlichen Habseligkeiten beraubt. Der Capktain hatte Mitleid mit ihm und j brachte eS dahin, daß mehrere edle Menschen die Reise bis London bestritten. In London, woselbst sie ganz unbekannt war, wurde sie von einem Deutschen zu einer Familie beschieden, die er für Inden hielt, in der That es aber nicht waren. Diese Familie, mit der traurigen Lage des Mädchens bekannt gemacht, verwendete sick für dasselbe bei dem Vorstande einer benachbarten Synagoge. Die Sache kam alsbald auch zur Kenntnis; des Herrn Worms. Dieser säumte keinen Augenblick, dem Mädchen aus der Roth zu helfen; er versah es mit den nöthigen Kleidungsstücken und gab ibm das erforderliche Geld, um seine Reise nach Amerika fortsetzen zu können. Dies ist der zweite uns bekannte Fall, das; Herr Worms auf diese edle Weise Hilfe gespendet hat. B a l ä st i n a. Jerusalem Herr Eduard v. Rothschild aus Paris wird nächstens zum Besuche hier eintreffen. A m e r i k a. San Franzisko. Wie der „Hebrew" schreibt, ist man in San Franzisko in Begriff, ein Comitü zu bilden, das sick zur Aufgabe stellen wird, den Rothleidenden Westrußlands zur Auswanderung nach Californien zu verhelfen. Feuilleton. Kraf oder Jude? v. Auf der Universität. Der kleine Joseph wuchs zur Freude seiner Pflegeeltern zu einem ebenso intelligenten wie braven Jüngling heran. Da ihm Raphael die volle Freiheit zur Wahl seines künftigen Berufes ließ, so beschloß Joseph Medicin zu studiren, wofür er eine besondere Neigung gefaßt hatte. Nachdem er eine Zeit lang die Prager Universität mit besonderem Erfolge besucht hatte, ging er aus den Rath seines Vaters nach Deutschland, uni sich hier auch eine mehr allgemeine Bildung neben seinem speziellen Fachstudium anzueignen. Del Monte hatte eine besondere Vorliebe für Heidelberg, wo er selbst einst studirt hatte. Dorthin sandte er den theuren Pflegesohn. Als Joseph in Heidelberg ankam, hatten die Vorlesungen an der Universität noch nicht begonnen, und wenige Studenten erst waren angelangt. An einem schönen Frühlingstage machte Josevh einen Spaziergang nach dem alten Schloß. Entzückt jschweifte sein Blick über das wundervolle Neckarthal. Plötzlich fühlte er sich von hinten umfaßt und zwei Hände legten sich auf seine Augen. „Rathe, alter Junge, rathe, wer ich bin!" ries es zu gleicher Zeit. „Ich weiß nicht", entgegnete Joseph nachdenkend, „die Stimme ist mir fremd!" „„Run, Dn alter Bemme"" rief es von Neuem, „„das ist stark, daß Du Deine besten Freunde nicht kennst!"" Indem ließen ihn die Hände los, und zu seinem größten Erstaunen sab sich Joseph von einer Gruppe ihm ganz fremder Studenten umgeben. „„Aber Dornbach!"" rief derjenige unter ihnen, welcher Joseph die Augen zugehalten hatte, „„was machst Du für ein dummes Gesicht? So gib mir doch Dein feines aristokratisches Händchen, das so gut den Schläger führt — ich glaube gar Du bist ein Philister geworden."" „Meine Herren", sagte Joseph, „es muß hier ein Mißverständnis obwalten. Ich bin zwar ein Böhme, oder wie Sie zu sagen belieben, ein „Bemme" aber ich heiße nicht Dornbach und hatte bisher nicht die Ehre, Sie zu kennen." „„Nein, das geht über's Bohnenlied! Dornbach, Dornbach, ich fürchte, es rappelt bei Dir!"" „Was geht hier vor?" rief plötzlich eine Stimme, bei deren Klang Joseph zusammenfuhr; war es ihm doch, als hätte er sich selbst sprechen hören. Alles drehte sich nur, und erstaunt erblickte Joseph sein leibhaftiges Ebenbild. „Noch ein Dornbach, zwei Dornbäche!" riefen die Studenten durcheinander. „Mein Herr!" sagte Joseph zu dem Herzugetretenen, „Ihr Erscheinen wird das Mißverständniß dieser Herren aufklättn, die uns Beide mit einander verwechselt haben."

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