Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1869-10-27 · Heft 43 (27.10.1869) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 43 (27.10.1869)
Date
1869-10-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447395-2447437--07696-2463309
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

außerhalb Rußlands anzustrebenden Hilfsmitteln den Vorzug einzuräumen. Das Grenzcomit« in Königsberg steht mit dem Centralcomite in Paris in regelmäßiger Correspondenz, und empfängt von demselben die nöthigen Geldmittel theils zur selbstständigen Verfügung, theils nach vorgängiger Berichterstattung und Verständigung. Das Hauptgrenzcomite gründet in verschiedenen Städten an der preußisch - russischen Grenze Sub- Grenzcomite's, welche die Aufgabe haben, dem Hauptgrenzcomitö die nöthigen Informationen zugehen zu lassen, Maßnahmen vorzuscKlagen und dieselben, wen:: genehmigt, auszuführeu. In ähnlicher Weise und zu gleichem Zwecke tritt das Hauptgrenzcomitä mit Vertrauensmännern innerhalb Rußlands in -Verbindung. lieber alles Dieses einen naher oetaillirten Organisationsplan zu entwerfen und dem Centralcomite in Paris mitzutheilen wird dem Hauptcomite in Königsberg anheimgegeben. * * * * Nachdem der vorstehende Plan den Beifall und die Zustimmung der Versammelten erlangt hatte, ergriff Herr Prof. Lazarus noch einmal das Wort, um den von Auswärts Hergekommenen zu danken; zugleich hob er die Verdienste der anwesenden Vertreter der UnterstützungScomitS'en von Memel und Lyck, der Herren Dr. Rülf und Silbermann nsmentlich hervor, w:s die Versammlung mit lautem Applaus begrüßte. Nach dem Schlüsse der Versammlung fand ein Souper statt, welches das Berliner Localcomite zu Ehren der fremden Gäste veranstaltet hatte. Der Herausgeber dieser Blätter konnte jedoch demselben schon deßhalb nicht beiwohnen, weil er von der Versammlung weg zum Bahnhofe eilte, um am andern Morgen wieder in der Heimath einzutressen. ^ethiu^ötta^ndbteit und denzen. Deutschland. Mainz, 17. Oktober. Es war Ende Juli des Iahreo 1854 als der Herausgeber dieser Blatter Berlin, woselbst er zwei Jahre als akademischer Bürger gelebt und seine Studien vollendetchatte, verließ. Nur zwei Freunde begleiteten ihn an denHallischen Bahnhof. „Thut es Dir nicht wehe", fragte Einer dersAben, „diese schöne Stadt, den Mittelpunkt der .deutschen Wissenschaft, verlassen zu müssen?" „„Nein", entgegnen ich, „ich fühle mich von den., religiösen Zuständen dieser großen isr. Gemeinde .angewjdert, 'und ich kann' nur alle Verhältnisse, soweit "sie mich bekr'esfen, von jüdischem Standpunkte aus beurteilen. Die Gemeinde als solche ist zwar eine religiöse; das Rabbinat, die Synagoge, die Schechitah, die Mikwa rc., das Alles genügt vollständig den religiösen Vorschriften — allein, ich kann es mir leider nicht verhehlen, daß alles wahrhaft jüdische Leben in Berlin im Ersterben begriffen ist. Es ist kein Mittelpunkt vorhanden, um den sich die allerdings noch vorhandenen religiösen Elemente sammeln möchten, es ist kein Kreis da, in dem es so recht Ernst ist, für Gott und Seine heilige Lehre zu leben und zu wirken. Die frommen Bestandtheile der Gemeinde sind vereinzelt, zerstreut, und die wahrhafte und echte Religiosität nimmt täglich ab. Das hat mich während meines hiesigen Aufenthaltes nur zu oft unsäglich traurig gestimmt; ich bin froh, daß ich fortreise« darf." Mehr als 15 Jahre sind seitdem vergangen; ich hatte Berlin in diesen fünfzehn Jahren nicht wiedergesehen. Rabbi Jakob Joseph Oeltinger, Rabbi Elchonon Nosenstein und Dr. Michael Sachs — ihr Aller Andenken sei gesegnet — weilen nicht mehr unter den Lebenden. Die Gemeinde als solche hat sich zu Reformgrundsatzen bekannt und sie in ihrer Prachtsynagege zur Ausführung gebracht, und dennoch erfüllte uns unser diesmaliger Aufenthalt zu Berlin mit freudiger Hoffnung, mit froher Zuversicht. Schon beim Empfange auf dem Hallischen Bahnhose, von dem aus wir vor mehr als 15 Jahren Bxrlin verließen, sahen wir uns von jungen und altern Männern umgeben, auf die das Judenthum mit Stolz blicken kann. Und nun erst das gottgesegnete Wirken unseres hochverehrten Freundes und L.hrers, deo Herrn Rabbiner Dr. Hildesheimer! Seine * Gemeide, Adatb Israel, wächst von Tag zu Tag, von allen Gegenden strömen die Schüler zu, schon ist die Religionsschule eröffnet, zu welcher die Anmeldungen sich häufen! diese neueröffnete Religionsschnle hak traurige Erscheinungen zu Tage gefördert; halberwachsene Knaben und Mädchen können noch nicht Hebräisch lesen.' Eine besondere Schwierigkeit bietet noch die Herstellung des e ch t koscheren Fleischbedarfes. Herr Dr. H. verficht die Grundsätze des echten Judenthums mit eiserner Eonsequenz. Wollte er, wenn auch nur geringe, Concessionen machen, so würde seine Gemeinde schon jetzt 1500 Mitglieder zählen; aber es handelt sich nicht um viele, viele Mitglieder; es handelt sich vielmehr darum, ein Fundament zu legen, um von ihm aus weiter zu bauen — nicht nur für Berlin, sondern für Preußen und Deutschland, ja für die ganze Welt. In Berlin werden sich um ihren großen Lehrer die Jünger sammeln, die von seinem Geiste angehaucht, von feinem Beispiele ermuntert) von seiner Energie, seinem Fteiße-, - seiner Uneigennützigkeit, seinem Edelmutheseiner-Chärukteri

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.